SparenKleiner Schubs - was Marshmallows mit Sparen zu tun haben

Symbolbild Sparen
Symbolbild SparenImage by 3D Animation Production Company from Pixabay

Mit den süßen amerikanischen Schaumküssen haben Psychologen in den 60er- und 70er-Jahren belegt, wie schwer es dem Menschen fällt, auf etwas zu verzichten, was direkt vor seiner Nase liegt. Wie schwer Selbstkontrolle für ihn ist und das Denken in die Zukunft hinein. Und zwar selbst dann, wenn er noch eine viel größere Belohnung in Aussicht gestellt bekommt, wenn er es schafft, sich selbst zurückzuhalten und der naheliegenden Versuchung jetzt eben nicht zu erliegen.

Das Experiment ging so: Die Forscher setzten Kinder in einen Raum, in dem es keinerlei Ablenkung gab, keine Bilder, keine Spielsachen – nur einen Tisch, und darauf einen Marshmallow. Dann sagten sie ihnen: „Ich gehe jetzt aus dem Raum. Wenn Du es schaffst, den Marshmallow nicht zu essen, bis ich wiederkomme, bekommst Du noch einen zweiten. Wenn der Marshmallow also in zehn Minuten noch hier liegt, dann darfst Du beide essen.“ Dann verließen die Erwachsenen den Raum und sahen zu, was passierte.

Viele Kinder widerstanden der Süßigkeit nicht. Trotz der Aussicht auf die doppelte Belohnung nach nur zehn Minuten. Sie stopften sich lieber sofort – oder nach nur kurzer Zeit – den Schaumkuss in den Mund und grinsten. Wer weiß schließlich, ob der Erwachsene die Wahrheit gesagt hat? Und ob er sein Versprechen mit der doppelten Belohnung überhaupt wahrmacht? Das weiß kein Mensch. Es könnte also eine Falle gewesen sein. Was man aber hat, und wenn es nur ein Marshmallow ist – das hat man.

Wir sind gegenwartsfixiert

Mit dieser Einstellung handeln Menschen oft im Leben: Lieber wählen sie die kleine Belohnung jetzt, als auf einen größeren Gewinn später zu warten. Weil niemand weiß, was die Zukunft bringt. Vor allem bei der Geldanlage und Altersvorsorge erliegen wir diesem Denken häufig: Noch mehr Geld in die gesetzliche Rentenkasse zahlen oder für irgendeinen Vorsorgefonds zurücklegen? Das schmerzt. Schließlich könnten wir das Geld jetzt sehr gut gebrauchen: Um sorgenfrei zu leben, um zu genießen, um eine Wohnungseinrichtung zu kaufen oder Urlaub zu machen. Wer garantiert mir dagegen, dass aus den Sparbeträgen, die wir jetzt in irgendwelche Kassen stopfen, später überhaupt irgendein Ertrag zu erwarten ist? Das garantiert mir keiner.

Gegenwartsfixierung nennen Verhaltenökonomen dieses Denken, das ebenso zu den kleinen menschlichen Schwächen gehört, die wir beim Sparen und Anlegen überwinden müssen: Wir überschätzen den Wert, den Dinge heute für uns haben und unterschätzen, welchen Wert sie morgen für uns haben könnten. Das ist zwar eine allzu menschliche Verhaltensweise – aber so richtig clever ist sie nicht. Zumindest nicht, wenn man davon ausgeht, dass man selber noch viele Jahre erleben wird, und ein größeres Einkommen im Alter ganz gut gebrauchen könnte. Wenn es Ihnen daher leichter fällt, sich selbst und Ihre Impulse zu kontrollieren und wenn Sie zumindest das Geldausgeben auch mal aufzuschieben können, dann ist das eine sehr gute Voraussetzung.

An dieser Stelle ploppt nun noch eine Grundfrage auf: Wie hoch sollte dieser „bestimmte Betrag“ überhaupt sein, den wir jeden Monat sparen müssten? Wie viel sparen können wir uns also leisten? Und wie viel ist einerseits genug, damit daraus in ein paar Jahren eine ansehnliche Summe wird – aber andererseits auch nicht zu viel, damit wir das Sparen auch langfristig durchhalten und es nicht schon bald wieder aufgeben?

Von Goethe lernen

Viele Menschen finden es tatsächlich schwer, für sich den optimalen Sparbetrag herauszufinden. Das ist einer der häufigsten Gründe, weshalb sie es oft gleich lassen. Woran liegt das? Es liegt daran, dass wir oft schlecht einschätzen können, wie viel Geld wir überhaupt brauchen, um unseren Lebensstandard zu finanzieren. Da geht es uns wie Goethe: Der geniale Dichter lebte nämlich in jungen Jahren auf ziemlich großem Fuß. Er war schon als Student und später auch in seinen ersten Berufsjahren in Weimar bei vielen gesellschaftlichen Anlässen mit dabei, unternahm Kutschfahrten, ging mit Freunden aus, speiste fürstlich und zog sich schick an. Kurzum: Er genoss das Leben. Und er bekam auch ein gutes Gehalt als Geheimrat. Leider reichte es aber trotzdem nicht für seinen Lebensstil. So kam es, dass er zwar 3100 Taler im Jahr verdiente, aber rund 4000 Taler ausgab. Den Rest des Geldes musste ihm schlicht sein Vater aus seinem Erbe beisteuern.

Als Vorbild taugt Goethes Umgang mit dem Geld also nicht wirklich. Zumindest nicht in dieser Zeit. Später nämlich bekam er seine Finanzen in den Griff – und nicht nur seine. Er war schließlich als Finanzminister des Herzogs auch für den Weimarer Staatshaushalt zuständig und sollte ihn sanieren. Dazu setzte er eine Finanzreform auf, die sogar seinen Namen trug. Viele Jahre lebte der große Dichter zwar mit beständigen Geldsorgen, er hatte später aber – trotz unzähliger teurer Reisen und einiger Autorenhonorare, um die er geprellt wurde – auch ein beachtliches Vermögen angehäuft, sogar eine Sammlung von Kunstgegenständen aufgebaut und er hat Häuser für sich und seine Familie gekauft.

Wie Goethe das trotz seines großspurigen Lebensstils schaffte? Dabei half ihm die Angewohnheit, die er von seiner Familie mitbekommen hatte, und auch das Schreibtalent, das er auf etwas anderer Ebene bewies: Er schrieb Haushaltsbücher. Und er ließ sie akribisch von seinen Dienern führen. Beachtliche 20.000 Seiten sind so zusammengekommen, die uns heute sagen, wie es um Goethes Einnahmen und Ausgaben bestellt war. Und was wir davon lernen können. Vor allem eines nämlich: Hätte der Dichterfürst seine Haushaltsbücher häufiger selber gelesen, hätte er sich womöglich manchen finanziellen Engpass erspart.

Haushaltsplaner per Ap

Nun klingt das Wort „Haushaltsbuch“ schon ein bisschen angestaubt, zugegeben und wie aus Goethes Zeiten. Aber das ändert nichts daran, dass es auch in der Neuzeit noch ein ziemlich nützliches Tool für die Finanzplanung ist. Denn mit so einem guten alten Haushaltsbuch bekommen wir einen guten Überblick darüber, wie viel Geld jeden Monat bei uns auf dem Konto eingeht – und wie viel wir davon jeden Monat für welche Posten wieder ausgeben. Bleibt dann überhaupt noch etwas übrig? Und wenn ja, wie viel? Das ist die spannende Frage, die wir uns zuerst einmal beantworten müssen, bevor wir über alle weiteren Fragen zum Thema Geld nachdenken können.

Und schreiben müssen wir dabei heute auch nicht mehr viel, es gibt nämlich inzwischen sogar Haushaltsplaner per App, die sich kinderleicht bedienen lassen, mit denen wir sogar Kassenzettel abfotografieren können und die uns jeden Monat in bunten Diagrammen aufzeigen, wie sich unsere Ausgaben über einzelne Posten verteilen – und wie viel unseres Budgets wir eventuell schon aufgebraucht haben. Noch praktischer aber ist, dass Experimente gezeigt haben: Wer Haushaltsbuch führt, der spart auch mehr.

Also, ran an die Zahlen. Wir sollten die Liste einmal ehrlich ausfüllen – auch wenn das etwas Zeit in Anspruch nimmt. Wir sammeln zuerst die Daten eines Monats, vielleicht auch die Werte der letzten drei Monate oder der nächsten drei. Am Ende werden wir unser typisches Ausgabeverhalten erkennen. Zuerst notieren wir: Was kommt jeden Monat rein? Sämtliche Einnahmen, also natürlich das Nettogehalt. Vielleicht bekommen wir aber auch staatliche Zuschüsse oder regelmäßig noch Geld aus anderen Quellen. All das gehört auf die linke Seite.

Dann wird es kleinteiliger: Was geben wir regelmäßig raus? Hier sind sämtliche Ausgaben gefragt, angefangen von der Miete und den Wohnnebenkosten für Strom, Gas und Telefon (sie werden bei vielen der größte Batzen sein). Gibt es Versicherungen (zum Beispiel fürs Auto, oder vielleicht sogar andere Verträge)? Lebensmittel sollten wir mit einem festen Betrag veranschlagen. Ausgaben für Mobilität ebenso, also Bus, Bahn oder Autokosten für den Arbeitsweg. Danach kommen noch die ungefähren Budgets für Kleidung, Freizeit und Hobbys (also Restaurantbesuche oder die Gebühr für Fitnessstudio und Verein). Gibt es andere regelmäßige Ausgaben, auf wir keinesfalls verzichten möchten? Bücher, Zeitschriften oder andere Dinge? Dann tragen wir das ebenfalls ein und zählen die Posten anschließend je nach Kategorie zusammen. Das ist die rechte Seite. Das Aufaddieren nach Kategorien ist übrigens ganz wichtig. Denn nur so erfahren wir nicht bloß, wie viel Geld wir insgesamt im Laufe des Monats ausgegeben hast, sondern vor allem: wofür wir wie viel Geld gezahlt haben. Das ist wichtig, damit wir herausfinden, in welchem Verhältnis die einzelnen Posten zueinanderstehen.

Nun ziehen wir die Gesamt-Ausgaben von den Einnahmen ab. Im Idealfall sollte unterm Strich eine positive Zahl stehen, es sollte also etwas übrigbleiben. Die Summe unterm Strich ist unser eigenes frei verfügbares Budget und die maximal mögliche Sparrate.