KolumneDie Denkfehler der Finanzregulierung

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Dass die Deutschen einen viel zu geringen Teil ihrer Ersparnisse in sinnvollen Anlagen arbeiten lässt, ist ein Allgemeinplatz. Vielleicht hätte man deshalb erwarten können, dass die Politik das Anlegen in Aktienfonds einfacher und günstiger macht. Mit der zu Beginn des Jahres in Kraft getretenen MiFID-II-Richtlinie wird nun das Gegenteil erreicht. Den Fondsgesellschaften werden zusätzliche umfangreiche Informations- und Meldepflichten aufgelegt, die bestenfalls ein Beschäftigungsprogramm für die im Wachstumsmodus befindlichen staatlichen Behörden sind.

Einmal mehr zeigt sich, dass Finanzmarktverständnis ein angelsächsischer Vorteil ist und das europäische Festland von der Materie herzlich wenig Ahnung hat. Das Ziel einer sinnvollen Regulierung sollte eigentlich darin bestehen, für Wettbewerb unter den Fondsgesellschaften zu sorgen, damit die Bürgerinnen und Bürger eine breite Auswahl guter Fondsprodukte zur Verfügung haben. In einem solchen Leistungswettbewerb könnten sie dann, die für sie besten Produkte auswählen.

Nun muss man aber wissen, dass die Fondsindustrie seit Jahrzehnten völlig leistungstransparent ist. Der täglich berechnete Nettoinventarwert eines Fondsanteils berücksichtigt alle anfallenden Kosten des Fondsanbieters. Jene Produkte, die bei mehrjähriger Betrachtung die beste Nettowertentwicklung aufweisen, waren für die Kunden optimal. In die Nettowertentwicklung geht neben den anfallenden Kosten vor allem die Expertise und Erfahrung des Fondsmanagements ein.

Zu den größten Fehlern am Fondsmarkt gehört die Neigung, ein Fondsprodukt ausschließlich nach seinen Kosten zu beurteilen. Dies führt zu Fehlallokationen, denn es wird dabei übersehen, dass die Hauptkosten eines Fonds immer von schlechten Anlageentscheidungen herrühren.

Spitzenleistungen zu Niedrigstpreisen?

Ideal wären daher Fonds mit niedrigen Kosten und sehr guten Fondsmanagern. An dieser Stelle aber beißt sich die Katze selber in den Schwanz. In der Wirtschaft kostet das Gute regelmäßig mehr als das Mittelmäßige oder das Inferiore. Anleger unterliegen einer Illusion, wenn sie meinen, Spitzenleistungen zu Niedrigstpreisen einkaufen zu können.

Am Kapitalmarkt wird die Zukunft gehandelt. Niemand kann sie genau kennen. Gleichwohl gibt es relevante Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten bestimmter Entwicklungen. Im Aktienfondsmanagement ist etwa eine genaue Kenntnis und Bewertung von Unternehmen unerlässlich. Sie ist nicht zum Nulltarif zu haben. Daran wird MiFID nichts ändern. Stattdessen wird das Anbieten von Fonds teurer für die Gesellschaften, weil zusätzlicher Administrationsaufwand anfällt. Am Ende müssen die Fondsbesitzer diese Zusatzkosten schultern. Die strukturell viel zu geringe Aktienquote wird durch MiFID II in der Tendenz weiter sinken.

Vermögensbildungspolitik in Deutschland ist während der Kanzlerschaft von Angela Merkel zu einer Farce verkommen. Wie jedermann in den einschlägigen Berichten der Deutschen Bundesbank, der Europäischen Zentralbank und sogar der Gewerkschaften nachlesen kann, ist die Vermögensentwicklung in Deutschland beängstigend schwach.

Deregulierung ist eigentlich das Gebot der Stunde. Vonnöten wäre ein zupackendes Umsteuern, um die Bevölkerung wesentlich stärker am Produktivvermögen zu beteiligen. Das Instrument dazu ist der Aktienfonds und der Weg dahin muss durch geeignete regulatorische und steuerliche Anreize geebnet werden.

Friedrich von Metzler nach Berlin

Falsche Regulierungen können großen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Auf dem Gebiet der Energieversorgung ist durch staatliche Torheit ein beachtlicher Scherbenhaufen entstanden. Angesichts der demografischen Situation Deutschlands muss künftig ein größerer Beitrag der Altersvorsorge aus Vermögenseinkommen erwirtschaftet werden. Deutschland ist in den letzten 20 Jahren auf diesem Gebiet weitzurückgefallen. Die Reformversuche unter dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (Stichwort, Riester, Rürup, etc.) waren ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht ausgegoren. Seither herrscht Weltfremdheit und Dilettantismus in Berlin.

Vielleicht bestünde ein erster Schritt darin, einmal eine gestandene Person aus der Finanzwirtschaft in das darbende Amt des Wirtschaftsministers zu bringen. Mein Vorschlag hierzu lautet: Friedrich von Metzler!

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns