AktienmarktDax-Verluste: Warten auf die Holzhammer-Methode 

Die Kurse an der Frankfurter Börse haben seit Wochenbeginn stark nachgegebendpa

Der Lockdown kommt. Die Bundesregierung will das öffentliche Leben erneut abwürgen. Gastronomie-, Sport- und Veranstaltungsbetriebe sollen deshalb schließen. Der Reiseverkehr wird heruntergefahren. Diese Ankündigungen garnieren Politiker mit dem Versprechen auf die Verlängerung von Hilfsprogrammen für Unternehmen. Verschärfte Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen können kaum schocken. Die Bürger wissen aus dem Shutdown im März, was auf sie zukommt. Auch Unternehmen und Arbeitnehmer sind für eine weitere Phase des Arbeitens von zu Hause ausgerüstet.

Eigentlich ist alles bekannt und erprobt. Dennoch kursiert an der Börse Unsicherheit. Seit Beginn der Woche hat der deutsche Leitindex Dax sieben Prozent eingebüßt. Anleger preisen den Lockdown ein, obwohl er eine Light-Variante des ersten ist. Mit konjunkturellen Auswirkungen ist auch zu rechnen, auch wenn lediglich Geselligkeit verboten wird.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Kosten der Krise

Die volkswirtschaftlichen Institutionen des Landes haben schon ausgerechnet, was uns der erste Lockdown gekostet hat: Von etwas mehr als sechs Prozent minus beim Bruttoinlandsprodukt geht etwa das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln aus. Auch ein Mini-Lockdown, bei dem weder der Einzelhandel geschlossen noch Produktionen stillgelegt sind, schlägt auf die Konjunktur: „Schon weniger heftigere Einschränkungen des Wirtschaftslebens und eine damit einhergehende Stagnation im vierten Quartal 2020 könnten Deutschland etwa einen Prozentpunkt oder rund 30 Mrd. Euro der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung in diesem Jahr kosten“, sagt Michael Grömling, Leiter der Forschungsgruppe Konjunktur beim IW.

Die Abwärtskurse im Dax spiegeln diese Annahme wider: Lediglich der Essenslieferdienst Delivery Hero, der von den Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen profitieren dürfte, und die Deutsche Bank, die einen überraschenden Gewinn vorlegte, schlugen sich besser als der Gesamtindex. Am härtesten traf es den Konsumgüterkonzern Beiersdorf, der darunter leiden wird, wenn Menschen ihre Shoppingausflüge canceln.

Maßnahmen könnten beruhigen

Beschließen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länder-Chefs heute ein schlüssiges Konzept zur Eindämmung der Pandemie, könnte das Dax-Anleger etwas beruhigen. Aber das Schreckgespenst eines harten Lockdowns ist nicht vom Tisch. Das ist er erst, wenn die Infektionszahlen im Griff sind. Sprich: Erst in ein bis zwei Wochen nach Start der Maßnahmen dürfte in Berlin die finale Entscheidung fallen.

Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandschef der DJE Kapital AG, geht  vorerst  nicht von harten Maßnahmen aus. „Viele  Politiker stemmen sich vehement gegen einen pauschalen Shutdown.“ Der Marktexperte  vermutet, dass die Regierung die volkswirtschaftlichen Kosten und die Gesamteffekte des ersten Shutdowns  insgesamt  unterschätzt hat. „Der Preis ist der höchste Rückgang der Konjunktur seit der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1932“, sagt Ehrhardt. Obwohl die sofortigen geld- und fiskalpolitischen Gegenmaßnahmen diesmal das  Schlimmste verhindert hätten, glaubt er  an eine Neuauflage der Holzhammermethode. Im Frühjahr hätten sich die Regierungen stark am Beispiel China orientiert, die damit ihre Infektionszahlen schnell in den Griff bekommen hätten.

Darauf sollten Anleger achten

Auch wenn der Holzhammer wohl nicht zuschlagen wird und Klarheit über die Maßnahmen beruhigend wirken dürften: Die Aktienkurse bleiben bis zur erneuten Eindämmung der Infektionszahlen volatil. Anleger, die hier Einstiegskurse wittern, sollten auf eine akzeptable Verschuldung, solides Eigenkapital und robuste Profitabilität achten. Von Unternehmen wie Lufthansa, Fraport oder Tui, deren Geschäftsmodell durch die Corona-Krise zum Erliegen gekommen ist, sollten sie lieber die Finger lassen. Unternehmen wie Delivery Hero, die von der Krise profitieren und deshalb stark nachgefragt sind, sind ebenfalls zu meiden. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt hoch: Für die Aktie des verlustreichen Konzerns zahlen Investoren einen hohen Preis. Hier wären Gewinnmitnahmen eine Überlegung wert. Auf die Watchlist sollten Anleger dagegen Titel aus den „50 Aktien fürs Leben“ setzen.