QuartalszahlenDeutsche Bank: Es regnet wieder - vorläufig

Deutsche-Bank-Chef Sewing hofft auf einen Jahresgewinnimago images / Hannelore Förster

In der guten alten Zeit, jedenfalls aus Sicht von Bankern und Aktionären, als Kreditinstitute noch millionenschwere Boni und Dividenden zahlten, galten sie als die Regenmacher: die Investmentbanker. Sie waren die „Rainmaker“, die einen warmen Geldregen auf sich selbst, aber auch auf die Bank niedergehen ließen – und sich schon mal die Rolling Stones zur Weihnachtsparty gönnten. Diese Zeiten sind vorbei, insbesondere Aktionäre schauen bei der Deutschen Bank schon seit geraumer Zeit in die Röhre. Doch nun sind es ausgerechnet die gescholtenen Investmentbanker, die mitten im teuren Konzernumbau und in der Corona-Pandemie die Deutsche Bank von einem Jahresgewinn träumen lassen.

Die Zuversicht, in diesem Jahr entgegen früheren Prognosen schwarze Zahlen zu schreiben, sei nach dem dritten Quartal gestiegen, erklärte die Bank selbst bei einer telefonischen Pressekonferenz am frühen Mittwochmorgen. Beflügelt wird diese Zuversicht von den für den Markt unerwartet robusten Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Im dritten Quartal erwirtschaftete das größte deutsche Kreditinstitut einen Vorsteuergewinn von 482 Mio. Euro. Das ist nicht nur deutlich mehr als der Analystenkonsens erwartet hatte. Im Vorjahresquartal stand sogar noch ein dickes Minus von 687 Mio. Euro zu Buche. Nach Steuern weist die Bank einen Gewinn von 309 Mio. Euro aus, vor einem Jahr betrug der Nettoverlust noch 832 Mio. Euro im dritten Quartal.

Deutsche Bank-Aktie legt zu

Deutlich verbessert hat sich auch die Rentabilität, die so genannte Cost-Income-Ratio fiel um 3,6 Prozentpunkte auf 87,3 Prozent. Das bedeutet, dass nur noch 87,3 Prozent der Erträge durch Kosten aufgezehrt werden. Für Investoren war der Gewinnsprung eine Überraschung, hatten Analysten im Schnitt doch einen Verlust von 26 Mio. Prognostiziert. Der Aktie legte gegen den Markttrend zu und notierte am Mittag 3,4 Prozent höher bei 8,10 Euro.

Deutsche Bank Aktie

Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Der deutliche Gewinnsprung wäre ohne das Investmentbanking nicht möglich gewesen. Diese Sparte erwirtschaftete den Angaben zufolge netto 957 Mio. Euro und übertraf damit die Analystenerwartungen um mehr als 70 Prozent. Im Vorjahresquartal verdienten die Investmentbanker nur 64 Mio. Euro. Von einem „extrem starken Umfeld für die Erträge im Investmentbanking“ sprach die Deutsche Bank auch selbst. Einer der Gewinntreiber war das Emissionsgeschäft – wie in den beiden Vorquartalen auch – denn viele Unternehmen saugen sich derzeit mit Liquidität voll. Daneben profitierte das Investmentbanking von den schwankenden Märkten. Sind sie volatil, wird mehr gehandelt und die Investmentbanker nehmen mehr Transaktionsgebühren ein. Allein der Handel mit Anleihen und Währungen steigerte seine Erträge um fast die Hälfte.

Interne Bad Bad trübt das Ergebnis

Für die Deutsche Bank liegt jedoch ein hohes Risiko in der wieder entstandenen Abhängigkeit vom Investmentbanking. Beruhigen sich die Kapitalmärkte und sinkt im Zuge einer Normalisierung der wirtschaftlichen Lage der Finanzierungsbedarf von Unternehmen, dann werden auch die Erträge in diesem Segment schrumpfen. Und letztlich glänzt das Investmentbanking gar nicht so sehr, wie es die ausgewiesenen Zahlen vermuten lassen. Denn dem hohen Gewinn stehen hohe Verluste der internen Bad Bank gegenüber: 427 Mio. Euro Verluste liefen hier auf im dritten Quartal. Nach Angaben der Bank werden in dieser Capital Release Unit zu einem großen Teil Assets aus dem Investmentbanking abgewickelt. Müsste das Investmentbanking dies selbst bilanzieren, würde ihr Geschäft weit weniger strahlen – und die Boni wären wohl auch niedriger.

Und auch die Gesamtbank würde ohne die Gewinne des Investmentbanking nicht so sehr strahlen wie es mit ihren Zahlen zu den ersten neun Monaten des Corona-Jahres 2020 tut. Die Unternehmensbank verdient mit 189 Mio. Euro sogar weniger als im Vorjahresquartal und hat die Analystenerwartungen leicht verfehlt. Und die Privatkundenbank, die vor einem Jahr noch 121 Mio. Euro verdiente, hat von Juli bis September sogar 4 Mio. Euro Verlust eingefahren.

Selbst wenn die Deutsche Bank im Gesamtjahr also ihren Traum von schwarzen Zahlen verwirklichen kann, so steht auf längere Sicht ein Fragezeichen hinter den Gewinnperspektiven. Die Bank wird nur solange profitabel sein können, wie das Investmentbanking die Schwäche im Privat- und Firmenkundengeschäft auszugleichen vermag.

 


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