Capital-TestDas sind die besten Vermögensverwalter

Symbolbild Vermögensverwalter
Symbolbild VermögensverwalterGetty Images

Er sei so etwas wie der Jürgen Klopp der Branche, habe ihm einmal ein Kunde gesagt, erzählt Maik Bolsmann. Nach außen sei er mit frechen Sprüchen unterwegs, aber dahinter stecke ein diskreter Manager und guter Stratege. So ein Vergleich sagt über den Kölner Vermögensverwalter ja im Grunde mehr als tausend Zahlen. Denn der echte Jürgen Klopp zeigt: Mit dieser Kombination wird man zwar nicht in jeder Saison Erster, aber man kann große Titel holen.

Nun lässt sich bei Fußballtrainern leicht erkennen, wer vorn mitspielt. Welcher Vermögensverwalter dagegen in der Top-Liga arbeitet, ist schwerer zu sagen. Mehr als 400 Verwalter sind bei der Aufsichtsbehörde Bafin registriert, etwa 250 davon im Berufsverband VuV organisiert. Doch wer sind die Top-Coaches fürs Geld? Genau das hat Capital in diesem Jahr mit dem Münchner Institut für Vermögensaufbau (IVA) ermittelt.

Mithilfe der führenden Depotbanken V-Bank und DAB BNP Paribas analysierte das IVA im Auftrag von Capital erstmals rund 13.400 anonymisierte Kundendepots. Längst nicht alle Verwalter hatten den Mut, sich so tief in die Depots schauen zu lassen, doch knapp 50 nahmen die Herausforderung an. „Das ist eine sehr respektable Zahl von Kombattanten“, sagt Florian Grenzebach, Vertriebs-Generalbevollmächtigter der V-Bank, „besonders positiv überrascht hat uns die hohe Leistungsgüte.“

Über alle Depotkategorien lieferten immerhin 16 Anbieter sehr gute Ergebnisse ab und erreichten eine Gesamtbewertung von vier Sternen. An fünf Verwalter – die jeweils in allen Depotklassen Bewertungen erzielt haben – haben wir die Höchstnote von fünf Sternen vergeben. Darüber hinaus sammelten 18 Anbieter in einzelnen Kategorien Auswertungssterne.

Für Anleger ist diese erste Capital-Auswertung unabhängiger Vermögensverwalter deshalb wertvoll, weil es selbst für Experten schwer ist, den Markt zu überblicken, sagt Hartwig Webersinke, Professor am Institut für Vermögensverwaltung (InVV): „Zudem wächst die Branche – zwar nicht dramatisch, aber doch kontinuierlich.“ Der lange Wirtschaftsaufschwung hat die Vermögen wachsen lassen – die Sorgen um den Gelderhalt bei Nullzinsen aber auch. Und ausgerechnet jetzt kümmern sich viele Groß- und Privatbanken nur noch um liquide Vermögen ab 1 Mio. Euro aufwärts. Kunden mit sechsstelligen Summen müssen sich gezwungenermaßen neu umsehen.

Für die Suche nach dem geeigneten Berater bleiben ihnen aber oft nur weiche Kriterien: Wen gibt es in der Nähe? Wer ist sympathisch und hat eine schlüssige Anlagephilosophie? „Das Vertrauen ist ein ganz wichtiger Punkt“, findet Webersinke, „ohne geht es nicht.“ Doch wer das Kundenvertrauen wirklich wert ist, weil er das Kapital auch vermehrt, lässt sich vorab nicht erahnen. Auch die Größe eines Anbieters sei kein Garant für gute Anlage, sagt Webersinke. Oft holten gerade kleinere mehr für ihre Kunden heraus.

Wenn man jedoch tief in die Depots schaut, wie es das IVA für Capital getan hat, zeigt sich schnell, wer Qualität liefert: Welcher Verwalter strukturiert Portfolios gut? Wer streut das Kapital breit über Anlageklassen, Branchen und Regionen? Wer wählt hochwertige Produkte mit kleinen Kosten und sichert Risiken ab? Um diese Fragen zu beantworten, wurden die 13.400 Depots in drei Kategorien eingeteilt – in konservativ, ausgewogen und chancenorientiert – denn natürlich gelten für aktienlastige Depots andere Maßstäbe als für festverzinsliche. Ausgewogene Depots scheinen dabei eine Stärke der Verwalter zu sein, dafür gab es je achtmal die Bestnote von fünf Sternen, bei den konservativen und chancenorientierten Depots gab es je sieben Höchstbewertungen. Ein Verwalter sicherte sich sogar in allen drei Klassen die Top-Note: Liqid aus Berlin. BV&P Vermögen aus Kempten verpasste die dritte Fünf-Sterne-Bewertung nur ganz knapp.