Kolumne Wann haben Sie zuletzt die Bank gewechselt? Das lohnt sich und geht einfach

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Bei vielen fing es mit einem Sparschwein oder Kinderkonto an. Und dann sind sie geblieben – ihrer Bank treu geblieben. Statistiken legen nahe: ein Leben lang. Dabei ist ein Bankwechsel einfach und bringt viele Vorteile

Sie kann in Skandale verwickelt sein, Kontogebühren erhöhen, Leistungen kürzen, Sparzinsen falsch berechnen, kompliziertes Online-Banking anbieten und trotzdem bleibt die einmal gewählte Bank die Bank des Vertrauens. Ein Phänomen? Eher nicht. Eher ein Zeichen mangelnder Transparenz und Vergleichbarkeit, dazu Unsicherheiten wegen fehlender Kenntnisse der Gesetzeslage. Und ja, sicher spielen Gewohnheit und Bequemlichkeit auch eine Rolle. Das schlechte Gewissen grüßt dazu.

Gerade jetzt, wo immer mehr Banken Verwahrentgelder einführen – zusätzlich zu Kontoführungsgebühren – stellt sich die Frage: Suche ich mir eine andere Bank? Wenn die Antwort lautet: „Würde ich ja gern!“, höre ich im Kopf schon den Zweifel mit: „Aber ist so ein Kontowechsel nicht furchtbar aufwändig und kompliziert!? Mit all den Daueraufträgen und Einzugsermächtigungen?“

Gesetzliche Kontowechselhilfe macht Bankwechsel seit 2016 einfach

Die gute Nachricht gleich zuerst: Seit vier Jahren schreibt der Gesetzgeber vor, dass die Banken für einen Kontowechsel von Bank A zu Bank B zusammenarbeiten müssen. Das geht so: Beim Eröffnen eines neuen Girokontos können wir die neue Bank über ein online abrufbares Formular mit wenigen Klicks beauftragen, alle Daueraufträge und Lastschriftmandate von der alten Bank auf die neue umzuziehen. Die alte Bank muss das innerhalb von 5 Werktagen erledigen und die neue Bank in weiteren fünf Tagen umsetzen. Heißt: Nach spätestens zwei Wochen ist der alte Zustand wieder hergestellt. Und das sogar fast kostenlos.

Die eigentliche Herausforderung liegt also woanders. Zwei Hauptfragen stellen sich bei der Wahl der Bank für Giro- und Tagesgeldkonten, und freilich auch, wenn wir ein Depot für Wertpapierkäufe eröffnen möchten. Was will ich von der Bank, welche Leistungen brauche ich? Und: Was bietet die Bank zu welchem Preis an?

Was will ich von einer Bank?

Hier einfach mal einen Zettel nehmen, überlegen und aufschreiben. Für mich sind zum Beispiel wichtig: einfaches und sicheres Online-Direkt-Banking (ich brauche keine Filiale), Kontakt via Telefon und nicht nur per E-Mail (denn mit Satzbausteinen will ich bei meinem Geld nicht kommunizieren), einfaches Geldabheben (ich bevorzuge bar zu zahlen), ein Tagesgeldkonto zum Girokonto, hohe Kundenzufriedenheit in Bewertungsportalen, seriöse Ansprache.

Wichtig ebenso für mich: Welches Geschäftsgebaren pflegt die Bank? Banken, die aktiv in Finanzskandale verwickelt sind, auf eigene Kasse spekulieren, Steuerhinterziehung mittragen oder selbst den Staat, und damit auch mich, aktiv betrügen, sind für mich keine Partnerin für mein Geld. Sehr kritisch sehe ich auch Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute, die ihren Kunden und Kundinnen mangelhafte Anlageprodukte verkaufen.

Entscheidend ist dazu ein transparenter Kostenausweis. Erst ab hier wird es etwas herausfordernd.

Welche Leistungen bieten Banken zu welchen Preisen an?

Wer sich auf die Suche nach diesen Informationen macht, erfährt oft rasch Frustration. Bei allen Kreditinstituten, die ich kenne, stehen die Preisinformationen offensiv auf den Internetseiten. Wer aber weiß schon, wonach zu suchen ist? In den AGB finden sich die Preisinformationen nicht, sondern im so genannten Preis- und Leistungsverzeichnis.

Ich habe mir angewöhnt, gar nicht erst auf den Internetseiten einer Bank zu suchen, sondern über eine Suchmaschine zu gehen. Ich gebe in die Suchmaske ein „Preis- Leistungsverzeichnis“ und dazu den Namen der Bank. Und dann heißt es ackern.

Banken erschweren Vergleich untereinander

Denn für einen Vergleich zwischen den Kreditinstituten sind die Preis- und Leistungsverzeichnisse nicht geschrieben. Sehr oft verklausulieren, verkomplizieren, verschachteln sie Kosten und Gebühren, anstatt sie transparent darzustellen. Jedes Verzeichnis sieht anders aus, ist anders aufgebaut, vielfach werden andere Worte für dieselbe Dienstleistung verwendet. Das erschwert den Vergleich.

Der Gesetzgeber hat diese fehlende Transparenz längst erkannt, selbst auf EU-Ebene, und steuert mit Richtlinien und einem unabhängigen Vergleichsportal für den Girokontenvergleich gegen. Der erste Versuch von Check24 scheiterte in diesem Jahr an einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes vor dem Landgericht München I, das das Vergleichsportal als „wegen mangelhafter Marktabdeckung unzulässig“ beurteilte. Bis die deutsche Bankenaufsicht Bafin ein eigenes unabhängiges Vergleichsportal anbieten wird – geplantes Startdatum ist das 2. Quartal 2022 – soll die Stiftung Warentest ihren bereits vorhandenen Girokontenvergleich kostenlos bereitstellen. Check24 sieht sich im Unrecht. „Das Urteil ist gleich mehrfach erschütternd“, sagte Dagmar Ginzel, Chief Communications Officer bei Check24 in einer Pressemitteilung des Unternehmens nach dem Urteil. Verbraucherinnen und Verbraucher hätten „das Nachsehen, weil die aktuelle Lösung eine deutlich schlechtere Marktabdeckung aufweist.“

Aktiv entscheiden für eine Bank

Auch wenn Sie noch auf den Girokontenvergleich der Bafin warten wollen, schon jetzt können Sie für sich klären: Ist die Bank, bei der ich mein Girokonto habe, wirklich die Bank, der ich langfristig mein Geld anvertrauen und mit der ich zusammenarbeiten will? Womöglich erhalten Sie bei einem anderen Institut bessere Konditionen bei gleichzeitig mehr Leistung. Und das Geschäftsmodell dient der Gesellschaft, anstatt ihr zu schaden.

Die Beschäftigung mit der eigenen Bank lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Weil Sie dann wissen: Ich habe meine Bank bewusst gewählt, nach meinen persönlichen Werten, ich fühle mich informiert, wofür ich wie viel zahle und womit die Bank ihr Geld verdient. Und ich zahle nicht unnötig. Das macht selbstbewusst und ist ein Grundbaustein zur finanziellen Selbstwirksamkeit.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel