Daniel Saurenz Corona frisst seine Börsenkinder

Der Corona-Crash hat die Märkte durchgeschüttelt. Mittlerweile läuft der Handel in New York komplett elektronisch, der Parketthandel ruht
Einst gehypte Aktien geraten nach der Pandemie unter die Räder
© IMAGO / UPI Photo
Am Aktienmarkt spielt die Coronapandemie schon lange keine Rolle mehr. Sieht man einmal von der unsinnigen Zero-Covid-Strategie in China ab. Doch bei Einzelaktien kommt jetzt erst die dicke Rechnung

Die Geschichte von Corona am Aktienmarkt lässt sich recht einfach entlang jener Aktien erzählen, die viele kennen und deren Produkte man nutzte. Zeitweise zumindest und manche sogar in den USA und in Europa. In den USA kümmerte sich aber schon 2021 kaum noch jemand ernsthaft um die Pandemie und in Deutschland war als einem der letzten westlichen Länder im April 2022 Feierabend. Also ging es raus an die frische Luft, wurde wieder das Restaurant besucht, mit dem normalen Fahrrad geradelt und keine Netflix-Serie mehr konsumiert. Impfen ist längst nicht mehr so en vogue wie im Winter 2021, die Zentren schließen vielfach. Auch Kochboxen kann kaum noch jemand sehen, gleichsam nimmt auch die Zahl der normalen Besuche beim Arzt wieder zu. Selbst Dienstreisen laufen an und die Reiseziele für den Sommer sind vielfach ausgebucht.

Manche Anleger sind offenbar davon ausgegangen, Corona ginge ewig weiter. Anders waren Kurse von 400 Dollar bei Biontech oder absurde Bewertungen von Zoom, Peloton, Hello Fresh, Home24 oder Teladoc nicht zu erklären. „Letztere schossen in einer Kaskade sinkender Aktienkurse den Vogel ab“, bringt es Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker Robomarkets, auf den Punkt. Am 28. April fiel Teladoc dank desaströser Zahlen um 50 Prozent – an einem einzigen Handelstag. „Damit toppte man Netflix oder Delivery Hero, die beide als Corona-Profiteure im Frühjahr 2022 förmlich geschlachtet wurden im Kurs“, so Molnar. Delivery Hero und Hello Fresh müssen mittelfristig den Dax wohl wieder verlassen. Absurd zyklisch, der Index.

Klarer Crash

Bei Einzeltiteln fliehen manche Investoren also aus den zuvor massiv gepushten und von vielen privaten Anlegern gehypten Aktien. Die Biontech-Aktie hat außer Fantasie nicht viel zu bieten abseits eben der Gewinne aus dem Corona-Impfstoff. Mit abnehmender Impfneigung wurde der Kurs nahezu geviertelt. Noch kurioser war der Glaube an Curevac. Die Schwaben machten große Versprechungen, brachten aber außer schöner PR-Arbeit rein gar nichts zustande. Der Kurs wurde in den Boden gerammt.

Peloton war in der TV-Werbung im Winter präsent, doch seit dem Frühjahr kann keiner mehr die klobigen Heimtrainer sehen. Auch Zoom ist out, während persönliche Kontakte wieder in werden. Vom Drang in den Urlaub profitieren Fraport, Lufthansa, Airbnb und womöglich in Zukunft auch Autogrill oder Dufry.

Wer mit positivem Elan unterwegs war und sich von Killervarianten und Inzidenzzahlen nicht verrückt machen ließ und am Aktienmarkt die Zukunft im Depot umsetzte, konnte die Crashs der gehypten Aktien kommen sehen und hat rechtzeitig reagiert. Alle anderen haben den für kommende Krisen hilfreichen Lerneffekt, dass an der Börse immer die Zukunft und nichts anderes gehandelt wird. Und diese meist besser ist als man in der Krise glaubt.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com



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