BankaktienCommerzbank – von der Großbank zum Ladenhüter

Der Commerzbank-Tower
Der Commerzbank-TowerGetty Images

Inzwischen mag man es ja kaum noch glauben, aber: Raten Sie mal, wer bis Ende April noch der absolute Top-Performer im Bankenindex Stoxx 600 Banks war? Es war die Commerzbank. Ausgerechnet sie legte seit Jahresbeginn die beste Kursperformance aller europäischen Banken hin und ließ alle anderen hinter sich. Gerade jene Bank, von der sich seit Wochen viele Marktbeobachter wünschen, sie möge doch endlich einen Käufer finden – der aber einfach nicht auftauchen mag. Denn schon länger – und nach 2013 auch schon zum zweiten Mal – hält die gelbe Bank vom Main nun nach einem Konkurrenzinstitut Ausschau, das sie nun endlich vom zerstörerischen Wettbewerb auf dem Bankenmarkt befreien kann. Indem es sie schluckt.

Der neueste Versuch in diese Richtung schlug aber gerade erst wieder fehl: Auch die niederländische ING, die zuletzt als neuer Commerzbank-Partner im Gespräch war, hat dem Vernehmen nach nun doch kein Interesse an einer Fusion. Damit droht die Commerzbank endgültig zum Ladenhüter zu werden. Denn auch die italienische Unicredit wurde als potenzieller Übernehmer gehandelt, macht aber keinerlei Anstalten, das auch zu werden. Die Deutsche Bank hatte ja schon vor Wochen abgewunken. Und auch aus Frankreich kamen längst Absagen statt eindeutiger Angebote. Da steht also eine der beiden deutschen Großbanken zum Sonderschlussverkauf im Schaufenster, mit niedrigem Börsenkurs und einer Marktkapitalisierung von nur 7,7 Mrd. Euro – und keiner greift zu.

Die Frage ist nun: Was bedeutet das für – oder was sagt es über – die hiesige Bankenlandschaft? Und wie passt dazu der rasante Kursanstieg seit Jahresbeginn? Er kam zum einen zustande, weil die Bankaktien im Kursabstieg vom Herbst/Winter auch überdeutlich abgestraft wurden. Und sich daher im Vergleich zu anderen Werten gut erholten. Und er speiste sich zum anderen vorwiegend aus Übernahmefantasien, so viel ist inzwischen klar. Denn von Dezember bis Ende April kletterte der Commerzbank-Kurs von knapp 6 Euro auf über 8 Euro. Doch seit Mai – seit die Deutsche Bank die Übernahme abblies – hat die Bank den allergrößten Teil ihres Vorsprungs gegenüber den anderen wieder eingebüßt.

Wie weit geht der Absturz?

Inzwischen belegt sie auf der Performanceliste auf Monatssicht einen der hinteren Plätze, denn sie hat allein auf Vierwochensicht wieder 18 Prozent abgegeben. Das ist eine ganze Menge. Neuerdings rauscht der Kurs wieder ungebremst nach unten und hat sich bereits von 8 Euro auf 6,20 dezimiert. Und auch auf Jahressicht rangiert sie weit abgeschlagen im hinteren Feld der Europabanken mit rund 35 Prozent Kursminus. Allerdings steht die Deutsche Bank mit knapp 37 Prozent noch hinter ihr, sie lief also auf Jahressicht noch schlechter.

Und wie immer in solchen Fällen fragen sich die Börsianer, wie weit der Absturz wohl noch weitergehen wird. Vor einem Jahr kostete die Aktie schließlich noch über 9 Euro, im Januar 2018 sogar noch 13 Euro. Wenn sie jetzt wieder nahe ihres Allzeittiefs von 5,80 notiert, ist sie dann nicht genug abgestraft? Und kann es dann nicht nur noch bergauf gehen? So ist es, rufen die ersten Charttechniker: Die Bodenbildung sei jetzt da.

Commerzbank Aktie

Commerzbank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Der Kurs werde also höchstwahrscheinlich bald wieder nach oben drehen. Sie erinnern dann auch gerne daran, dass der Kurs 2007 schließlich noch bei 200 Euro gestanden hätte. Überdies sei das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8 enorm unterbewertet. Der Dax und die Deutsche Bank kommen auf ein weitaus höheres KGV, auf ungefähr 13. Allerdings pendelt der Commerzbank-Kurs nun auch schon seit 2011 lediglich um die 10-Euro-Marke herum. Also schon viele Jahre. Gerade wenn man sich den Kurs seit den frühen 90er-Jahren ansieht, kommen einem arge Zweifel, ob diese Aktie nicht längst die besten Zeiten hinter sich hat.

Vielleicht ist die Commerzbank jetzt wirklich am Boden angekommen, zumindest auf dem Boden der Tatsachen. Denn dass die Deutsche Bank nicht gut daran täte, sich mit dem gelben Konkurrenten zusammenzuschließen, hielten viele Marktbeobachter für allzu logisch und auch offensichtlich. Zwei Versehrte ergäben schließlich noch lange keinen Gesunden, so drückten es kritische Stimmen aus. Und wie gut es derzeit um die Finanzkraft der Deutschen Bank selber bestellt ist, das ließ dieser Tage auch das neue Rating von Fitch erahnen. Die Agentur stufte Deutschlands Bankenprimus auf das BBB-Niveau herab. Kurz zuvor hatte Moody´s zwar seine Einschätzung beibehalten, ergänzte das Rating aber um den Zusatz „negativer Ausblick“ und strafte damit die Deutschbanker ebenfalls ab. Von daher ging die Absage des deutschen Konkurrenten angesichts der wackligen Beine, auf denen er steht, noch in Ordnung.