GeldanlageChina sollte deutsche Sparer interessieren

Der chinesische Aktienmarkt stand zuletzt unter Druck
Der chinesische Aktienmarkt stand zuletzt unter DruckGetty Images

Vor der kambodschanischen Küste gibt es kaum etwas Schöneres als die Inseln Ko Rong und Ko Rong Samloem. Traumhafte Strände treffen auf klares Wasser und Rucksacktouristen. Von der Grausamkeit sogenannter Kreuzfahrer und dem Anlegen der einschlägigen Schiffe sind die Inseln bisher verschont worden. Doch auf dem Festland einige Kilometer entfernt zeigt sich, wie schnell sich alles ändern kann. Denn vor fünf Jahren war auch Sihanoukville eine einigermaßen verschlafene Stadt. Seither zeigen Chinesen, was mit Geld, Einfluss und einer Armee an Arbeitern möglich ist. Ein kleines Las Vegas bauen sie dort auf. Backpacker aus Deutschland werden in ganz Kambodscha mit dem Reisedrang der Chinesen konfrontiert. Doch nicht nur deshalb sollten sich Anleger für China interessieren.

Konzerne wie Alibaba, Baidu und Tencent sind keine kleinen Auswechselspieler auf dem weltweiten Spielplatz, sondern machen zunehmend selbst das Spiel. Für Anleger bedeutet dies, erschrocken zusehen oder sich zumindest mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass man bei den Chinesen mitmischen kann. Momentan ist die Lage günstig, denn der Handelskrieg überlagert fast alles und hat chinesische Aktien in den Keller geschickt.

Auch deshalb, weil Warnungen alltäglich sind: Jack Ma, der Mitgründer von Alibaba und einer der reichsten Männer Chinas, hat eindringlich gewarnt, dass der amerikanisch-chinesische Handelskrieg heftig und langandauernd sein werde. „Er wird nicht nur den Handel zwischen den USA und China zerstören, er wird auch eine Menge kleiner Unternehmen zerstören“, sagte Ma bei einer Rede vor der Welthandelsorganisation (WTO). „Die Sache könnte unglücklicherweise 20 Jahre andauern.“

Ins gleiche Horn wie Ma stieß auch die WTO selbst. Ein echter Handelskrieg zwischen den beiden Wirtschaftsmächten könne das internationale Handelsvolumen um 17,5 Prozent nach unten drücken. „Die weltweite Wirtschaftsleistung könnte nach diesem Szenario im Durchschnitt um 1,9 Prozent belastet werden“, so WTO-Präsident Roberto Azevêdo.

Chinas Automarkt sendet starke Warnsignale

„Wegen der zunehmenden Ängste flüchteten Investoren aus chinesischen Aktien, weshalb der marktbreite Shanghai Shenzhen CSI300 Index gegenüber dem Mehrjahreshoch von Ende Januar 2018 um knapp 30 Prozent eingebrochen ist und damit auf dem niedrigsten Niveau seit Juni 2016 notiert. „Damit hat sich ein Börsenwert von umgerechnet drei Billionen Dollar in Luft aufgelöst“, erklärt Mati Greenspan vom Broker Etoro. Wie sehr sich die Konjunktur bereits abgekühlt hat, zeigt der Autosektor: Es ist der schwächste Markt seit vielen Jahren.

Gleichzeitig stützen die Banken die Kreditvergabe. In den vergangenen Jahren ist die Bilanzsumme der Banken – sprich vor allem die Kredite an Verbraucher und Unternehmen – auf 254,3 Billionen Renminbi (37 Billionen Dollar) nach oben geschossen. Das sind horrende 300 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Obwohl die US-Wirtschaft um 60 Prozent größer ist als die chinesische, liegt die Bilanzsumme der US-Institute bei „nur“ 17,5 Billionen Dollar – das sind 85 Prozent der Wirtschaftsleistung.