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Börse China-Aktien: Lohnt sich der Einstieg?

An der Börse in Schanghai sind die Festlandsunternehmen gelistet
An der Börse in Schanghai sind die Festlandsunternehmen gelistet
© Hugo Hu/Getty Images
Chinas Aktienmarkt überrascht mit einer starken November-Rally: Trotz aller Negativschlagzeilen setzen Anleger auf eine baldige Wiedereröffnung der Wirtschaft. So schätzen Investmentexperten die Lage ein

Nach massiven Verlusten im bisherigen Jahresverlauf stiegen die Kurse chinesischer Aktien im November wieder deutlich an: Auf dem chinesischen Festland kletterte der Shanghai Composite Index im vergangenen Monat um 5,4 Prozent auf 3165 Punkte. Der Hang Seng China Enterprises Index legte im November um knapp 20 Prozent zu. Der Nasdaq Golden Dragon China Index kommt auf ein starkes Plus von 37 Prozent. Hinter der Rally steht die Hoffnung auf eine baldige Kehrtwende in Pekings strikter Null-Covid-Politik. Sollten Anleger jetzt auf den Zug aufspringen?

Zunächst einmal wichtig: die chinesischen Aktiengattungen. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen dem Onshore-Segment, das sind in Festland-China gelistete Unternehmen, und dem Offshore-Segment, dessen Unternehmen in Hongkong oder im Ausland notieren. Chinas Unternehmen sind nicht nur an unterschiedlichen Börsen gelistet, sondern auch in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen aktiv. Das Onshore-Segment beinhaltet Unternehmen, die primär auf dem chinesischen Binnenmarkt aktiv sind. Dazu zählen Sektoren der Old Economy, etwa Industrie, genauso wie der New Economy, also Technologie und Konsum. Darüber hinaus differenzieren die Festland-Börsen zwischen zwei Aktienklassen: A und B.

A-Aktien notieren in der chinesischen Währung Renminbi und werden an der Shanghai Stock Exchange oder der Shenzhen Stock Exchange gehandelt. Sie sind die dominante Anteilsklasse in China. A-Aktien waren lange Zeit chinesischen Anlegern vorbehalten, dürfen aber seit gut zehn Jahren auch von ausländischen Investoren erworben werden. B-Aktien richten sich explizit an Ausländer und sind dementsprechend in US- und Hongkong-Dollar gelistet. Der Offshore-Markt mit seiner Aktienklasse H umfasst schließlich alle international ausgerichteten Unternehmen, die an der Börse in Hongkong oder auch an US-Börsen gelistet sind. Dazu zählen Tech-Giganten wie Alibaba und Tencent.

Die Qual der Wahl

Ganz schön viele Buchstaben. Was heißt das jetzt für deutsche Privatanleger? „Grundsätzlich ist der Festlandmarkt etwas stabiler“, erklärt Jing Ning, Fondsmanagerin bei Fidelity International. Als der chinesische Offshore-Markt in den Monaten vor November von der US-Dollar-Rally geprägt war, reagierten A-Aktien weniger heftig. Dadurch sind allerdings auch die Bewertungen am Festland nicht ganz so attraktiv wie im Offshore-Bereich. „Im Grunde ist die Unterscheidung zwischen Onshore- und Offshore-Aktien in China aber nicht mehr so relevant wie früher“, sagt Ning. Die Grenzen zwischen den beiden Teilmärkten verwischen zunehmend. Ihre langfristigen Aussichten sind laut Ning nahezu identisch.

Damit haben Anleger die Qual der Wahl zwischen einer ganzen Reihe interessanter und bekannter Titel. „Dazu zählt im Konsumsektor der gesamte Luxusbereich inklusive Automobile“, sagt Morgan Lau, ebenfalls Fondsmanager bei Fidelity. Er setzt aber auch auf Unternehmen, die von der wachsenden Nachfrage nach Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen profitieren. Was den Inlandskonsum anbelangt, belasten aktuell noch die strenge Lockdown-Politik und die Folgen der Immobilienkrise den Einzelhandelsumsatz. Die Chinesen haben weniger Geld in ihren Taschen. Deshalb hat der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits angekündigt, seine Prognose für Chinas Wirtschaftswachstum womöglich nach unten korrigieren zu müssen. Aktuell geht der IWF noch von einem BIP-Wachstum in diesem Jahr von 3,2 Prozent aus.

Bei Fidelity International zeigt man sich zuversichtlich: „In den nächsten zwölf Monaten dürfte sich Peking darauf konzentrieren, den Wirtschaftsmotor durch längerfristige Investitionen in grüne Technologien und die Infrastruktur auf Touren zu bringen“, sagt Andrew McCaffery, CIO beim Vermögensverwalter. Er ist sich sicher: Eine Lockerung der Covid-Auflagen wird den Konsum ordentlich ankurbeln.

Hinzu kommt das Thema Deglobalisierung, ebenfalls als Folge der Pandemie, aber auch aufgrund der Spannungen mit den USA. „Deglobalisierung ist ein Thema, das an Bedeutung gewinnen wird“, sagt McCaffery. Daher sollten Anleger die Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten genauestens verfolgen und sich zugleich nicht vom tagtäglichen Marktrauschen aus der Fassung bringen lassen. Es gilt, langfristige Trends zu erkennen: „China hat geldpolitisch deutlich mehr Raum als andere Regionen in der Welt und im Bereich Infrastrukturausgaben ist mehr möglich als anderswo“, sagt McCaffery. Die Volksrepublik werde dieses Potential im kommenden Jahr nutzen und Chinas Börsenunternehmen werden davon profitieren, so der Anlagestratege.

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