KommentarBitcoin - ein gefährliches Schneeballsystem

Symbolfoto BitcoinIMAGO / photothek

Niemand kann zuverlässig voraussagen, wohin die Reise für Bitcoin gehen wird. Es ist durchaus möglich und mit Teslas spektakulärem Investment in die Kryptowährung sogar durchaus wahrscheinlich, dass die digitalen Münzen weiter massiv an Wert gewinnen. Wenn Sie also Geld übrig und Lust auf Nervenkitzel haben, dann los!

Der Kurs könnte allerdings auch einbrechen, möglicherweise auf null. Keine Bitcoin-kritische Analyse vermag zu prognostizieren, ob oder wann das tatsächlich passieren wird. Eines lässt sich aber genau ermitteln: Wem Bitcoin nutzt und wem nicht. Spekulanten, Trader und damit zusammenhängende Dienstleister sind durch den Hype reich geworden und verdienen an jeder Kursschwankung mehr. Verbraucher haben gar nichts davon, und Kleinanleger dürften am Ende die Zeche bezahlen.

Kryptoenthusiasten mögen sich an den jüngsten Meldungen berauschen: Die Marktkapitalisierung – der theoretische Wert aller Bitcoin zusammen – ist auf grob ein Fünftel dessen des globalen Goldbestandes angewachsen. Zunehmend legen auch etablierte Unternehmen außerhalb der ursprünglichen Kryptoszene sowie Banken und Vermögensverwalter Geld in Bitcoin an. Der Bezahldienst Paypal bietet eingeschränkt Bitcointransaktionen an, und Visa will in einer nicht genau bestimmten Zukunft Zahlungen mit der Kryptowährung ermöglichen, ebenso wie Tesla.

Musk sorgt per Twitter für eigene Gewinne

Es gibt weiterhin nur einen einzigen Grund gibt, Bitcoin zu kaufen: die Erwartung, dass jemand anders einem die virtuellen Münzen zu einem höheren Preis wieder abnimmt. Dieser potenzielle Abnehmer kann als Motivation für seinen Bitcoinkauf nur die Hoffnung auf einen weiteren Käufer haben, und so weiter. Dieser Kette kann sich noch sehr lange fortsetzen. Aber irgendwann werden den Letzten die Hunde beißen.

Einen anderen Nutzen als diese Aussicht auf einen finanzsprichwörtlichen „next greater fool“, einen nächst größeren Deppen ähnlich einem klassischen Schneeballsystem bietet Bitcoin nicht. Nichts anderes ist das, was Kryptoanhänger mit der angeblichen Wertspeicher-Funktion – hochgestochener auf Englisch: Store of Value – in Wirklichkeit meinen. Als Zahlungsmittel ist und bleibt Bitcoin selbst im Vergleich mit relativ instabilen Währungen völlig ungeeignet. Aus den krassen Kursschwankungen folgen ebenso heftige Preisänderungen. Dazu sind Bitcointransfers keineswegs gratis. Überweisungen in herkömmlichen Währungen mithilfe von Paypal oder anderen Bezahldiensten sind häufig günstiger, schneller und flexibler. Dazu kommt die katastrophale Energiebilanz von Bitcoin.

Elon Musk hat sich entschlossen, sich an die Spitze des Hypes zu setzen. Anders als für Kleinanleger ist das Risiko für den reichsten Menschen der Welt bei seiner Milliardeninvestition dabei überschaubar. Mit seiner kult-ähnlichen Anhängerschaft gerade unter krypto-affinen Nerds ist Musk in einzigartiger Weise in der Lage, den Kurs mit ein paar Tweets in die Höhe zu treiben. Auch der Werbegag, Tesla werde irgendwann in Zukunft unter nicht weiter ausgeführten Bedingungen Bitcoin auch als Zahlungsmittel annehmen, hat den Kurs weiter befeuert. Einen praktischen Nutzen hat die Akzeptanz von virtuellem Geld dagegen weder für Tesla noch für die Kunden. In der Praxis dürften Autokäufe mit Bitcoin bedeutungslos bleiben.

Der Kommentar ist zuerst erschienen auf ntv.de