VersicherungenBerufsunfähigkeit: Warum Kunden Preissprünge drohen

Symbolbild Versicherungsbeitrag
Symbolbild VersicherungsbeitragMaximilian Virgili

Damit ein Versicherer nicht nur Kunden, sondern auch die eigenen Vertriebsleute gegen sich aufbringt, muss er es schon bunt treiben. Der WWK Lebensversicherung in München ist dieses Kunststück gelungen. Zum Jahreswechsel senkte die Gesellschaft ihre Überschüsse für Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Prompt schnellten die Beiträge der Kunden nach oben – um bis zu 40 Prozent. Statt 80 Euro werden ihnen monatlich nun zum Beispiel 110 Euro abgebucht. Aufs Jahr gerechnet macht dies oft einige Hundert Euro mehr.

Bis dato waren sich wahrscheinlich viele Versicherte gar nicht bewusst, dass ihnen solch ein drastischer Preisanstieg drohen kann. Doch Experten der Ratingagentur Assekurata in Köln warnen schon länger vor möglichen Beitragsaufschlägen wegen versiegender Überschüsse.

Im Fall der WWK hadern auch Vertriebe mit der Zentrale. Die Preiserhöhung im Hauruckverfahren hatte viele Makler kalt erwischt, weil die Gesellschaft – anders als üblich – vorab nicht oder zu spät informierte. Schlimmer noch ärgerte die Vertriebsleute, dass es bereits zum zweiten Mal schlecht lief. Schon 2016 wurden die Beiträge massiv erhöht, auch damals fühlten sich die Betreuer außen vor. Der Markt bestehe nicht aus „willenlosen Lemmingen“, beschwerte sich Oliver Drewes vom Maklerverbund Maxpool öffentlich bei den WWK-Vorständen.

Mit seiner rigiden Preis- und Kommunikationspolitik hat der Versicherer viel Vertrauen verspielt. Makler Drewes wirft der WWK vor, Kunden und Verkäufer mit günstigen Preisen „offenbar bewusst getäuscht“ zu haben. Sie habe doch bereits vor zwei Jahren gewusst, dass eine weitere Preisrunde bevorstehe, klagte er und reichte bei der Aufsichtsbehörde Bafin sogar Beschwerde ein. Die WWK war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Verlockende Rabatte

Im scharfen Preiskampf bei Policen gegen die Berufsunfähigkeit (BU) hatte sich die WWK oft mit sehr günstigen Prämien für Akademiker an die Spitze von Produktvergleichen geschoben – und entsprechend Geschäft eingefahren. Dabei halfen ihr die Regeln zur Beitragsberechnung: Die Versicherer kalkulieren einen Bruttobeitrag, der aber mit einem Sofortrabatt auf einen Nettobeitrag reduziert wird. Dieser Rabatt speist sich aus den Überschüssen – zumindest solange die Versicherung welche macht. Sinken die Überschüsse, steigt der fällige Beitrag, maximal bis zur Höhe des Bruttobeitrags.

Die Schadenseite bietet weitere Chancen für eine aggressive Preispolitik. Wer etwa frohen Mutes optimistische Annahmen zum künftigen Schadenverlauf trifft, kann auch damit die Nettoprämie drücken – und den Preis so erst mal ins Schaufenster stellen. Im Notfall sichert ein hoher Bruttowert den Spielraum für Erhöhungen ab. Der Kunde zahlt.