GeldanlageAnleger vergessen zu schnell

Lehman Brothers
Am 15. September 2008 musste die US-Großbank Lehman Brothers Insolvenz anmelden
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Es ist zwar schon eine Weile her, aber Investoren sollten gerade jetzt die Erinnerung an die Finanzkrise hochhalten und ohne Angst daraus lernen. Denn so sorglos wie jetzt agierten Anleger schon lange nicht mehr, das „Angstbarometer“ VDAX-New notiert schon geraume Zeit am Jahrestief. Deutliche Rückgänge bei Aktien hat es aber schon immer gegeben, sie gehören ebenso dazu wie lange Bullenmärkte, doch man kann auf mögliche Abschwünge vorbereitet sein. Denn sie können nicht nur am Aktienmarkt Probleme verursachen.

Vergessen sind nämlich viele Erfahrungen der späten 2000er-Jahre. Offene Immobilienfonds? Viele waren auf einmal geschlossen, doch davon will nun niemand mehr etwas wissen. Der Immobilienmarkt brummt jetzt – also nix wie rein. Mutig ist das, aber spätestens in der nächsten Krise werden sich Anleger wieder erinnern. Antizyklisches Handeln ist da häufig auch für Langfrist-Investoren erfolgsversprechender als hinter einem Trend herzulaufen.

Ein anderes Beispiel: Aktienfonds – hohe Kosten und mangelnder Schutz auf dem Weg nach unten wurde 2009 beklagt. Auch das ist heute vergessen. Viele Anleger ziehen Fonds dank eines cleveren Vertriebs immer noch passiven ETFs oder Indexzertifikaten mit Sparplänen vor.

Oder die Bonität – mancher Sparkassenkunde hat bei seinem Expresszertifikat – eine Gattung, die sich momentan prima verkauft – womöglich den Emittenten gar nicht im Kopf. Nachsehen kann sich lohnen. Experten argumentieren darüber hinaus, dass das Emittentenrisiko bei Zertifikaten zurückgegangen sei. Bei aller Liebe – wer ein Zertifikat der Deutschen Bank oder Citigroup gekauft hat, dessen Problem wäre bei einer Bankenpleite immer noch ein Zahlungsausfall.

Fonds – mitgefangen, mitgehangen

Doch der Fall Lehman zeigt auch, dass das Argument, aktive Fonds oder ETFs seien aufgrund ihres Sondervermögens wesentlich besser geschützt, massiv hinkt. Denn bei einer derartig erschütternden Pleite würden natürlich die Aktienmärkte an sich einbrechen – aktive Fonds inklusive. Als Blaupause darf man sich gern 2008 anschauen. Der angebliche Vorteil aktiver Fonds ist nicht viel mehr als ein schönes Märchen.

Darüber hinaus werden bei aktiven Fonds gerne Argumente vorgebracht, dass sie auf dem Weg nach oben vollumfänglich dabei sind, nach unten aber Verluste puffern. Genau das Gegenteil unterstreicht ein Blick zurück auf die letzten zehn Jahre. Bei Lehman war die große Zahl aktiver Fonds auf dem Weg nach unten voll dabei, in der Erholung laufen sie vielen ETFs und Indexzertifikaten aber seither deutlich hinterher – üppige Gebühren nicht mal berücksichtigt.

Richtige Produkte und Vorsicht zur rechten Zeit

Doch auch am Zertifikatemarkt sollten Anleger genau hinschauen. In den letzten Jahren liefen Expresszertifikate und Aktienanleihen wie geschnitten Brot, profitierten Anleger massiv von Kupons und Bonuszahlungen. Ja, wie denn auch sonst, mag man sagen, da der Großteil der Aktien und Indizes nur den Weg nach oben kennt. Die Produkte waren die richtigen für Anleger in den letzten Jahren und sie zeigten, dass Zertifikate vernünftig sind.

Trotzdem – wer antizyklisch agiert, lernt jetzt aus den Jahren 2007/2008 und baut in sein Portfolio Bonuszertifikate ein, die nach unten wirklich als Puffer fungieren würden – nämlich Reverse-Bonuspapiere wie die PR79RM auf den DAX oder GD5MU3 auf den EuroStoxx. Ein weiterer Vorteil dieser Papiere ist ihre Vielseitigkeit. „Reverse-Bonuszertifikate profitieren nicht nur von fallenden Kursen in einer Aktie oder einem anderen Basiswert, sondern auch wenn der Kurs eine Seitwärtstendenz einschlägt“, erklärt Nicolai Tietze, Zertifikate-Experte der Deutschen Bank, die Vorzüge dieser Gattung.

Auch der klassische Put-Optionsschein ist oberhalb der 12.000 Punkte ein prima Instrument, um Aktienbestände abzusichern. Zum Beispiel der Put SC1PWC auf den DAX oder HW3WG9 auf den Dow Jones Industrial. Die Zertifikatebranche hält nahezu alle Laufzeiten und Basiswerte vor, so dass von DAX bis S&P 500 oder EuroStoxx 50 alles Mögliche abgesichert werden kann.

Aus der letzten Finanzkrise lernen, heißt also vor allem: Die passenden Produkte zur richtigen Zeit wählen und antizyklisch agieren und nicht blind der Herde folgen.


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben