AktienAnleger können auf Japan setzen

Händler an der Börse in Tokio
Händler an der Börse in Tokiodpa

Die Natur lässt sich ungern ins Handwerk pfuschen und macht am Ende doch was sie will. Deswegen starren Millionen Japaner – und europäische Besucher – jedes Frühjahr gespannt auf die Prognosen, wann es diesmal denn nun mit der Kirschblüte losgehen soll und wann deren Hochphase wohl erreicht sein wird. Kurz zuvor werden die Prognosen im Wochen- oder Tagesrhythmus an die Wetterlage angepasst. So ähnlich ist es zurzeit auch mit den Wachstums- und Konjunkturprognosen für das Land der aufgehenden Kirschblüten. Auch die beobachten dortige und hiesige Anleger gerade gebannt. Denn auch sie verändern sich momentan wöchentlich. Noch Anfang Februar hieß es, Japans Wirtschaft werde im laufenden Jahr aufblühen und gut gedeihen. Das Klima sei gut. Dann schlug die Stimmung um: Die Lage trübe sich ein, die Exporte sinken. Zuletzt gab es wieder gute Nachrichten. Was blüht uns da also nun?

Zuerst einmal zu den warnenden Stimmen, die nach den Exportzahlen vom Januar laut wurden. Tatsächlich sanken die Außenhandelszahlen der japanischen Wirtschaft zu Jahresbeginn ab. Um insgesamt 8,5 Prozent schrumpfte der Warenwert, den Japan ins Ausland verkaufte. Daran war maßgeblich der Einbruch des Handels mit China schuld, der sich aus den anhaltenden Handelsstreitigkeiten der US-Amerikaner mit den Chinesen ergab. Denn weil sich die beiden Weltmächte vorerst nicht einigen, schwächt sich die Wirtschaft der Chinesen ab – und darunter leidet auch deren Handelspartner Japan. 17 Prozent weniger exportierte Nippon ins Nachbarland. Das ist eine Menge.

Es ist aber nicht das Ende der neuen Wirtschaftsblüte, das sagen zumindest viele Analysten. Denn noch im letzten Quartal 2018 sei Japans Ökonomie trotz aller Unsicherheiten weiter gewachsen, wie die jüngst vorgelegten Statistikdaten zeigen. Und die Analysten sehen auch kaum Gründe, warum das zu einem abrupten Ende kommen sollte. Schließlich laufe die Binnenwirtschaft in Japan endlich wieder. Der Privatkonsum steige und sei überdies sehr robust. Die Realeinkommen sind solide. Aber die Arbeitskräfte werden langsam knapp, das spricht auch für weiterhin stabile Einkommen. Zudem sei die Inflation gering. All das werten Ökonomen als gute Vorzeichen für die kommenden Monate. Passend dazu erhöhte der Internationale Währungsfonds zuletzt seine Prognose für Japan und korrigierte sie um 0,2 Prozentpunkte nach oben. Für die übrigen Industrieländer dagegen senkte er sie um 0,1 Prozentpunkte ab.

Seit 2012 geht es aufwärts

Doch werde vieles davon bisher noch von vielen Finanzmarktteilnehmern ignoriert, sagen die Analysten auch. Warum sonst seien die Bewertungen japanischer Aktien im Vergleich mit anderen Ländern so niedrig? Noch 2009 – nach dem jähen Wiederanstieg, der auf den Absturz der Finanzkrise folgte – waren sie mehr als doppelt so teuer wie jene amerikanischer Firmen: Das japanische Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV lag bei 32, während das amerikanische nur 14 betrug. Heute steht das US-KGV bei gut 15, das japanische aber bei 11,7. Es hat sich beinahe gedrittelt. Und das, obwohl die Kurse zuletzt jahrelang mächtig zugelegt haben. Hat also keiner bemerkt, wie gut Japans Wirtschaft aktuell wieder läuft?

Anscheinend zu wenige. Denn tatsächlich steigen die Aktienkurse an der Tokioter Börse schon seit 2012 wieder. Zuvor gab der Topix 2011 ein letztes Mal nach, was ihm ein Gesamtergebnis von minus 17 Prozent in dem Jahr einbrachte. Seit 2012 aber befand er sich im Haussemodus. Es folgten ausschließlich positive Wertentwicklungen von sogar plus 23 Prozent (2012) und plus 56 Prozent (2013). Danach schwächte sich das Kurswachstum etwas ab. Doch 2017 legte der Index noch einmal um 17 Prozent zu. Nur das vergangene Jahr 2018 wurde dann zum Ausnahmejahr. Da fiel der Topix um 18 Prozent – wie so viele andere Indizes weltweit aber auch. Analysten erklären das damit, dass auch viele japanische Anleger mit zu großen Erwartungen ins letzte Jahr gestartet seien. Gerade angesichts des guten Vorjahres und der fünfjährigen Hausse. Wie geht es nun 2019 weiter?

Zumindest nicht schlecht, sagen die allermeisten Prognosen. Der Internationale Währungsfonds sieht Japan – den Januar-Exportzahlen zum Trotz – dennoch weniger anfällig für die Auswirkungen des US-China-Handelsstreits als andere asiatische Staaten. Zudem haben Japan und Europa gerade recht unbeachtet von der Weltöffentlichkeit ein Freihandelsabkommen unterzeichnet, das japanischen Produkten künftig viel leichter und günstiger den Zugang zum europäischen Markt verschafft. Das wird besonders die Auto-Exporte ankurbeln, hofft man in Asien. Insgesamt jedenfalls umfasst die neue Freihandelszone rund 635 Millionen potenzielle Konsumenten auf zwei Kontinenten und sie steht für rund ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung. Das dürfte sich hüben wie drüben positiv auswirken.