KolumneAktienmarkt: Jahrhundertchance für Ihr Geld

Die Corona-Krise hat den Dax ordentlich durchgeschütteltGetty Images

Prognosen, wohin sich Kurse und Aktien entwickeln, sind etwas für Pseudo-Wahrsager oder für manchen technischen Analysten. Die wissen nachher immer, warum es dahin oder dorthin ging. So kann man jedoch nicht klug investieren, denn dafür braucht es eine Abwägung von Chancen und Risiken. Immer. Und vor wenigen Tagen bei 8500 Zählern beim Dax war das Chance-Risiko-Verhältnis überragend, bei 10.500 Punkten nun ist es eher mau geworden auf kurze Sicht – und auf mittlere.

Wir programmieren in unserem Börsendienst die Depots unserer Leser daher nicht auf Wahrsagerei oder vermeintlich präzise Prognosen, sondern strukturiert unter Ausnutzung der Börsenpsychologie. Ordentlich zugreifen an Tagen, an denen alle sinnfrei Aktien auf den Markt werfen, Puffer und Absicherungen dann einziehen wie jetzt bei 10.500 Punkten, wenn vermeintlich alle in Aktien investieren wollen. Man sollte an der Börse nie aus der Defensive und Hektik agieren. Das kostet Geld und Rendite.

Es fällt ohnehin nicht leicht, in den schon wochenlang anhaltenden Marktturbulenzen die Ruhe und den Überblick zu behalten. Geradezu Historisches hat sich im ersten Quartal am US-Aktienmarkt zugetragen. Seit inzwischen 124 Jahren gibt es den Dow Jones. Noch nie büßte das Aktienbarometer in einem ersten Quartal so kräftig ein wie zuletzt mit gut 23 Prozent. Zugleich war es das schwächste Quartalsergebnis seit Ende 1987.

Dax-Anleger mussten den stärksten März-Rückgang in der Historie verkraften. Ebenso dynamisch ging es wieder Richtung Norden, in der vergangenen Woche verzeichnete der S&P 500 den schnellsten dreitägigen Anstieg seit den 1930er-Jahren.

„Mit Abschlägen von 25 (S&P 500) und knapp 30 Prozent (Dax) haben die Aktienmärkte zahlreiche enorm schlechte Daten bereits eingepreist“, meint Carlo Alberto de Casa, Chefanalyst beim britischen Broker Activtrades. „Allerdings ist auch nichts mit den weltweiten Folgen des Corona-Schocks auf die Wirtschaft vergleichbar“, ergänzt de Casa. Nahezu täglich werden die Wachstumsprognosen nach unten genommen.

Quartalssaison startet

Ab Mitte April wird die Berichtssaison mit den Quartalszahlen der US-Firmen einen ersten Vorgeschmack geben, wie kräftig der Rückschlag ausfallen könnte. Aufgrund der zahlreichen einkassierten Aktienrückkaufprogramme fällt am Markt ein wichtiger Käufer bereits weg. Zudem streichen immer mehr Firmen ihre Dividende.

Im günstigsten Fall werden die 160 in der Dax-Familie enthaltenen Unternehmen in diesem Jahr 14 Prozent weniger ausschütten als im Vorjahr. Die Sicherung der Liquidität hat eindeutig Vorrang. Aufgrund der enormen Unsicherheit kassieren zahlreiche Firmen auch ihre Prognosen, was eine fundamentale Beurteilung nahezu unmöglich macht.

Negative Wirtschaftsrekorde

„Mit den beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen wurde Zeit gewonnen, um die negativen Folgen für die Wirtschaft abzumildern. Eine globale Rezession in 2020 kann dennoch nicht ausgeschlossen werden“, meint Gil Shapira, Chefstratege bei Etoro. Zuletzt sind in den USA die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf einen historischen Rekord von 6,65 Millionen gestiegen. Zuvor pendelte die Zahl unter 100.000 pro Woche.

Damit zeichnet sich ein dramatischer Wirtschaftseinbruch ab, denn auf den privaten Verbrauch entfallen rund zwei Drittel des US-BIP. An Liquidität mangelt es nicht, an den Finanzmärkten steigt der Anlagenotstand. Entscheidend ist zugleich aber die Frage, wie viel Kapital auch in der Realwirtschaft zeitnah ankommt.

Zumindest an der Börse sorgt die Liquidität im April für deutlich steigende Kurse. Nach den US-Börsen hat auch der Dax das Terrain des „Bärenmarkts“ verlassen. Anleger sollten sich von den starken Kursausschlägen nicht verrückt machen lassen und Antizyklik mittelfristig als Gebot der Stunde sehen. Genauso wenig wie es bei 8200 sinnvoll war, seine ETFs panisch zu verkaufen, muss man nun bei 10.500 nicht mit aller Kraft in den Markt einsteigen.

Möglichkeiten für Anleger

Wer sein Depot für die kommenden Wochen krisensicher gestalten möchte, kann sich den Discount-Put der DZ Bank ansehen. Die WKN DF1DJT zahlt derzeit rund 100 Prozent Rendite wenn der Dax im Juni unter 10.500 Punkten notiert. Eine andere Bedingung gibt es nicht. Über 11.000 Punkten verfällt das Zertifikat wertlos. Für Anleger eignen sich weiterhin Bonus-Zertifikate wie die WKN VE9JLV mit Barriere bei 7200 Punkten und über 10 Prozent p.a. Rendite.

Eine „V“-förmige Erholung der Konjunktur und der Aktienmärkte stellt sich zunehmend als Wunschdenken heraus. Bärenmärkte in einer Rezession dauern länger an als Abschwungphasen, die nicht in einer Rezession ablaufen. Ein Hoffnungsschimmer bleibt: An den Börsen wird die Zukunft auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten gehandelt. Und mit Blick auf 2021 sind die Chancen doch recht gut, dass es einen Impfstoff sowie Medikamente gegen das Virus geben wird.


Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link gerne aus