KolumneUS-Aktien starten durch

Christoph Bruns
Christoph Bruns

Den amerikanischen Börsen ist ein guter Start in das Jahr 2017 gelungen. Allem Weltpessimismus zum Trotz konnten Dow Jones, S&P 500, Russel 2000 und der Nasdaq Index in den ersten sechs Wochen des Jahres an das gute Vorjahr anknüpfen und weiter zulegen. Weder der seit Jahresbeginn gefestigte US-Dollar noch die angezogenen Zinsen konnten den Aktienmärkten die Schau stehlen. Selbst Donald Trump, der medial weltweit omnipräsente neue US-Präsident war kein Hinderungsgrund für Investoren, Aktien zu kaufen. Im Gegenteil: Seit der Wahl Trumps haben amerikanische Aktien kräftig Fahrt aufgenommen. Gespeist wird der Optimismus unter anderem durch berechtigte Hoffnungen auf deutliche Steuersenkungen für Unternehmen und Bürger.

Dow Jones Industrial Average Index

Dow Jones Industrial Average Index Chart

Zusätzlich verschaffte die Deregulierung der Finanzbranche diesem Sektor lange nicht gesehene Schubkraft. Mittlerweile lässt sich sogar sagen, dass die amerikanische Finanzindustrie die Subprimekrise schon lange hinter sich gelassen hat und vor Eigenkapital und Profitabilität nur so strotzt. Daher sollte man der amerikanischen Regierung und der US-Notenbank im Besonderen ein Kompliment nicht vorenthalten, nämlich die Bedeutung der Finanzindustrie erkannt und während der Krise entsprechend konsequent gehandelt zu haben.

Der amerikanische Finanzsektor steht damit im krassen Gegensatz zu den Banken in anderen Industrieländern. Die unlängst abgewendete Pleite der Monte dei Paschi de Siena in Italien durch den Steuerzahler zeigt allzu deutlich, dass etliche europäische Kreditinstitute den Ausläufern der Krise noch nicht entronnen sind.

Apple ragt heraus

Auch die bislang veröffentlichen Zahlen des letzten Geschäftsjahres boten neben Enttäuschungen auch manche Lichtblicke. Dabei ragte einmal mehr Apple heraus. Der Tech-Konzern erfreut sich eines nicht enden wollenden Zuspruchs zu seinem Hauptprodukt, dem iPhone. Weniger günstig fielen die Zahlen im Ölsektor aus, wo vor allem Exxon und Chevron eine magere Bilanz vorlegten. Kompliziert sieht die Lage auch im Gesundheitssektor aus, wo Ankündigungen des amerikanischen Präsidenten für Zukunftssorgen verantwortlich sind. Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care sprach in Bezug auf das laufende Jahr bereits von Druck auf die Abrechnungspreise.

Unterdessen präsentiert sich in Deutschland der MDax von seiner gewohnt starken Seite. Wie so häufig in den vergangenen Jahren zeigte das Barometer der zweiten Garnitur seinem Großwertebruder Dax die Rücklichter. Beide Indizes wurden zu einem Punktestand von 1000 Ende 1987 ins Leben gerufen. Während aber der Dax bei knapp 12.000 Punkten rangiert befindet sich der MDax mit gut 23.000 Punkten auf einer ganz anderen Flughöhe. Diese Kursentwicklung entspricht einem beachtlichen jährlichen durchschnittlichen Wertzuwachs von 11,25 Prozent seit dem Start der Berechnung zum 31.12.1987.

Für die Anleger steckt in dieser Entwicklung einmal mehr der Hinweis, dass an der Börse Größe und Güte nicht automatisch zusammenfallen, denn der Dax konnte im gleichen Zeitraum durchschnittlich nur um 8,83 Prozent jährlich zulegen. Hier liegt auch ein Problem für die in den letzten Jahren gewachsene Indexfondsgemeinde, denn das meiste Geld konzentriert sich in den Großwerteindizes.

Bullenmarkt bei Staatsanleihen ist vorbei

Flankiert wird der gute Börsenverlauf in den ersten Wochen des neuen Jahres durch eine Erholungsrally bei Rohstoffen. Vor allem Metalle und Agrargüter konnten zuletzt robuste Zuwächse verzeichnen. Zugleich mussten die Kurse für Erdöl und –gas nach dem fulminanten Vorjahr zuletzt Rückschläge hinnehmen.

Das Ganze vollzieht sich vor der sich verdichtenden Erkenntnis, dass der mehr als drei Jahrzehnte dauernde Bullenmarkt bei Staatsanleihen seinen Scheitelpunkt überschritten hat. An der Weltleitbörse Wall Street haben Staatsanleihen einen Abwärtspfad eingeschlagen, der sich durch die Wahl Trumps verstärkt hat. Vieles spricht dafür, dass die lange erwartete große Rotation raus aus festverzinslichen Anlagen und rein in Eigenkapitaltitel jetzt langsam in Gang kommt.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG.


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