AktienIst die Trump-Hausse am Ende?

Mit Vorschusslorbeeren ist es so eine Sache. Manchmal sind sie sehr schnell verteilt und es ist ja gelegentlich auch mal schön, eine kleine Belohnung vorab einzustreichen. Allein dafür, dass große Erwartungen in etwas oder jemanden gesetzt werden. Das Problem ist nur: Diejenigen, die sie vergeben, tun das in der Regel nicht einfach nur so. Sondern sie erwarten natürlich, dass sich der Hochgelobte später auch würdig erweist und sich die Lorbeeren noch einmal gesondert verdient. Und genau hier fängt das Dilemma oft an, auch dasjenige, das man derzeit am Aktienmarkt wunderbar beobachten kann: Die Kurse sackten vergangene Woche stark ab. Um rund 300 Punkte knickte der Dow Jones weg, der deutsche Index Dax verlor 160 Punkte innerhalb kürzester Zeit, der Eurostoxx verzeichnete auch einen Rückgang. Der war zwar nur 50 Punkte groß, machte aber immerhin rund zwei Prozent aus, den das europäische Börsenbarometer sozusagen über Nacht verlor zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagfrüh.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Was war passiert? Im Grunde nicht viel, außer dass die amerikanische Notenbank Fed getagt hatte und ihre Protokolle mitsamt ihrer Einschätzung zur Lage der Märkte am Mittwoch die Runde machten. Sie hatte zweierlei festgestellt: Erstens, dass sie die Bewertungen am Aktienmarkt inzwischen für teilweise überzogen halte und zweitens, dass sie ihre eigene inzwischen arg aufgeblähte Bilanz straffen wolle. Übersetzt heißt das: Die Notenbank will möglichst schnell aufhören, weiteres Geld in die Märkte zu pumpen und sich auch von einem Teil der Anleihen trennen, die sie zuletzt im großen Stile aufgekauft hat. Sie wird also die Zinsen weiter anheben – so weit war das zwar absehbar, doch womöglich wird es nun schneller geschehen, als bisher gedacht. Und sie wird etliche ihrer Anleihen wohl noch 2017 auf den Markt werfen, damit hatten Beobachter bisher nicht vor 2018 gerechnet. Wie das Verschlanken der Bilanz genau vonstatten gehen soll, darüber sind sich die Währungshüter noch uneinig. Ein zu schnelles Abstoßen der Papiere würde jedenfalls die Anleihenkurse massiv drücken und könnte zu erheblichen Verwerfungen auf den Märkten für Staatspapiere führen. Von daher ist Vorsicht geboten.

Für die Aktienmärkte verheißen die weiteren Zinsanhebungen auch nicht unbedingt Gutes. Denn höhere Zinsen machen Aktien als Anlage unattraktiver im Vergleich zu Festverzinsern, daher sinken klassischerweise die Kurse, wenn die Zinsen steigen. Ist die Zeit der großen Anstiege nun also tatsächlich vorbei? So kurz vor den Höchstständen, deren Erreichen ohnehin viele Anleger gefürchtet hatten? Das kann durchaus sein, muss aber bei weitem nicht so eintreffen.

Anleger suchen mehr Sicherheit

Ja, bei einigen Vorschusslorbeeren stellt sich nun heraus, dass sie zu schnell vergeben wurden. Der US-Aktienmarkt hatte seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten mächtig zugelegt – und in seinem Windschatten auch die Indizes in Europa und hierzulande. Denn alle hatten auf einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung in Amerika und auf eine Sonderkonjunktur gehofft. Geliefert hat Trump bisher wenig gemessen an seinen großspurigen Versprechen. Sein Vorstoß, die Gesundheitsreform seines Amtsvorgängers Barack Obama zurückzudrehen, erweist sich auch nicht unbedingt als erfolgsversprechende Aktion, jedenfalls nicht auf die Schnelle.

Und nun kommen auch Zweifel auf, ob er seine angekündigte Steuerreform für Unternehmen so schnell wird umsetzen können, wie gedacht. Denn der amerikanische Kongress, der ihm bei der Abschaffung von Obamacare einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und damit zeigt, dass er noch lange nicht alles abnicken wird, was der Präsident sich in den Kopf gesetzt hat, könnte sich auch bei den Steuersenkungen als Stolperstein erweisen. Möglicherweise werden die Steuerreformen daher noch viel zäher vonstatten gehen als die Gesundheitsreform. Trump bleibt also bisher den Beweis schuldig, dass er tatsächlich für die schnelle Sonderkonjunktur bei den Firmen sorgen wird – der Aktienmarkt hat sie aber bereits großzügig eingepreist. Was heißt das nun für die Märkte?

Kurzfristig bedeutete es eben jenes Einknicken der Aktienkurse und die Suche der Anleger nach mehr Sicherheit. Bezeichnenderweise legten in der vergangenen Börsenwoche nämlich nicht die zyklischen Titel zu, die sonst vorne liegen, wenn ein großer Konjunkturaufschwung erwartet wird. Und erst recht nicht die Technologie-Titel, die verloren sogar sehr deutlich. Sondern es waren die defensiven Papiere, die sich wacker schlugen. Vor allem die Konsumaktien, die Versorgungsunternehmen und die Nahrungsmittelhersteller liefen vergleichsweise gut. Vermutlich wird das auch noch eine Weile so bleiben, solange die Unsicherheiten nicht ausgeräumt sind.

Für eine große Trendwende am Aktienmarkt aber, so meinen Marktbeobachter derzeit, stünden die Zeichen noch zu eindeutig auf Wachstum. Die Zinsanhebungen in Amerika sind ja gerade ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft gut läuft. Auch der Ausblick für die Eurozone ist gut, die konjunkturelle Erholung setzt sich weiter fort, so heißt es im Ökonomensprech. Von daher: Läuft noch alles.