Ausblick5 Anlagethesen für die 2020er-Jahre

Symbolbild Geldanlage
Symbolbild GeldanlageGetty Images

#1 Populismus

Das Wort „einfach“ könnte zum Kampfbegriff der 2020er-Jahre werden – und nebenbei die Anleiheblase zum Platzen bringen. Vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme kennzeichnen den Populismus: einfach mal eine Mauer bauen, einfach mal die Mieten deckeln, einfach mal raus aus der EU. Nicht immer passen die Parolen ins Rechts-links-Schema, doch den Populismus beider Richtungen kennzeichnet, dass er den wirtschaftspolitischen Zeitgeist von Globalisierung und Wettbewerb ablehnt. Sollte er die kommende Dekade prägen, könnte das die Entwicklungen auf den Kapitalmärkten substanziell verschieben.

Riskant ist der Populismus vor allem, weil er inflationär wirkt und damit die hoch bewerteten Anleihemärkte zum Einstürzen bringen kann. Zwar kämpfen die Notenbanken in aller Welt für etwas mehr Inflation, besonders in der Eurozone. Doch sollte ein populistisches Jahrzehnt kommen, droht das, was Ökonomen als Überschießen bezeichnen, also Inflationsraten jenseits der Ziele der Notenbanken.

Dies wäre vor allem eine Folge steigender Staatsausgaben. Schon jetzt beunruhigt viele Investoren Trumps Schuldenorgie, zumal sich dessen Steuersenkungen entgegen allen Ankündigungen bislang nicht selbst finanzieren. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Märkte die Geduld mit dem hohen Haushaltsdefizit der USA verlieren. Inflation entsteht aber auch durch mehr Protektionismus, weil Zölle wie Steuern wirken und inländische Quasimonopole geschützt werden.

Wenn Populisten Preissprünge erzeugen, dürfte der Kapitalmarkt mit höheren Inflationserwartungen und damit steigenden Marktzinsen reagieren. Doch wenn die Renditen von Staatsanleihen steigen, gehen im Gegenzug die Kurse in den Keller. Wie die jüngere Vergangenheit zeigt, kann sich ein Ausverkauf bei Anleihen verselbstständigen. Kippt der Markt, drohen hohe Kursverluste.

Selbst wenn es nicht so schlimm kommt, dürften die hohen Bonds-Kursgewinne des letzten Jahrzehnts in den 2020er-Jahren nicht zu wiederholen sein. Zumal Coupons als Renditequelle im Eurobereich ohnehin zunehmend ausfallen.

#2 Demografie

Das Jahr 2020 könnte einen Wendepunkt für die deutsche Volkswirtschaft markieren. Vieles deutet darauf hin, dass die Zahl der Erwerbstätigen nicht mehr wächst, denn zunehmend übersteigt die Zahl der in Rente gehenden Menschen die der Berufseinsteiger, und das trotz Zuwanderung. Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamts fällt in Deutschland im neuen Jahrzehnt bei etwa gleicher Gesamtbevölkerung der Anteil der 20- bis 66-Jährigen von 62 auf 58 Prozent. Vier Prozent spucken also in zehn Jahren nicht mehr in die Hände, um das Bruttosozialprodukt zu steigern.

Mit dem Problem eines schrumpfenden Arbeitskräftepools steht Deutschland nicht alleine da. Überall in Europa, aber auch in Nordamerika, Japan und besonders ausgeprägt in China entwickelt sich die Demografie zur Wachstumsbremse Nummer eins. „Das Wirtschaftswachstum bleibt gemessen an vergangenen Standards niedrig, und die alternde Bevölkerung ist der Hauptfaktor“, heißt es in einer Studie von JP Morgan Asset Management zur Entwicklung der Kapitalmärkte in den kommenden zehn bis 15 Jahren.