ExklusivEndlich – in Deutschland gründen mehr Entwickler und Ingenieure

Technik-Gründer sind inzwischen leicht in der Überzahl
Technik-Gründer sind inzwischen leicht in der ÜberzahlPhoto by Caspar Camille Rubin on Unsplash

Jedes Jahr gehen bei der Kölner Venture-Capital-Firma Capnamic Ventures zwischen 1.500 und 1.800 Businesspläne ein – geschrieben von Gründern, die für ihre Geschäftsidee nach Kapital suchen. Ein Investment bekommen am Ende nur eine Handvoll von ihnen, dafür sind die Einreichungen für Capnamic ein wertvoller Datenschatz. Seit Jahren wertet der VC die Businesspläne statistisch aus und kann so interessante Trends freilegen.

Zwei Zeitreihen hat Capnamic in diesem Jahr Capital.de exklusiv vorab zugänglich gemacht, beide stehen für relevante Verschiebungen in der deutschen Gründerszene:

  • Zum einen gibt es einen leichten Zuwachs an weiblichen Gründerinnen: 10 Prozent betrug ihr Anteil 2018, das ist immerhin doppelt so viel wie 2017, als es nur 5 Prozent waren. 2016 lag die Frauenquote bei nur 3 Prozent. 2018 waren zudem an 19 Prozent aller Gründerteams mindestens eine Frau beteiligt. In den Vorjahren waren gemischte Teams mit einem Anteil von 12 Prozent (2017) und nur 8 Prozent (2016) vertreten. Trotz des Anstiegs waren damit aber auch 2018 vier von fünf Gründerteams „All-Boys-Clubs“.
  • Zum anderen steigt der Anteil von Gründern mit technischem Hintergrund: 2018 waren die Gründer in der Mehrheit, die eines der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik) studiert hatten. 52 Prozent betrug ihr Anteil, 2017 waren es noch 49, 2016 sogar nur 42 Prozent.

Warum ist diese Veränderung wichtig? Nach Ansicht vieler Beobachter leidet die deutsche Start-up-Szene seit Jahren an einem Übergewicht von Gründern mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund. Die von ihnen gestarteten Unternehmen verfolgten „meistens eine reine Business-Modell-Denke“, klagte etwa letztes Jahr der Investor und DHDL-Juror Frank Thelen im Capital.de-Interview.

„Da geht keiner hin und sagt: Ich habe jahrelang geforscht und eine Nanotechnologie entwickelt, die Wärme besser speichern kann“, so Thelen. „Oder ich interessiere mich für Quantencomputer oder Blockchain und habe eine richtige Revolution vor.“ Im Ergebnis sorge das dafür, „dass wir keine relevanten Tech-Unternehmen in Deutschland haben“. Vielleicht ändert sich das bald – sollte der Trend aus den Capnamic-Zahlen anhalten.