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Warum wir die Reichen brauchen

, Rainer Zitelmann

Das Bild vom reichen Müßiggänger ist falsch. Die meisten Reichen sind fleißig – die Gesellschaft braucht sie. Von Rainer Zitelmann

Geldkoffer
Ist Reichtum schlecht? Nein, meint Rainer Zitelmann, wir brauchen die Reichen

Rainer ZitelmannRainer Zitelmann ist Buchautor und Inhaber einer Kommunikationsagentur für Immobilienunternehmen. In diesem Jahr ist von ihm erschienen "Reich werden und bleiben" (Finanzbuch Verlag)


Wären die Reichen so, wie es dem Bild entspricht, das manchmal von ihnen gezeichnet wird, dann bräuchten wir sie nicht: Müßiggänger, die durch glückliche Erbschaften vermögend geworden sind und die nun das Geld im Konsumrausch auf den Kopf hauen. Natürlich gibt es solche Menschen. Und es gibt auch Menschen, die durch unmoralische oder sogar kriminelle Machenschaften reich geworden sind.

Aber die Mehrheit der Reichen ist ganz anders. Fast 80 Prozent von ihnen sind Unternehmer und Freiberufler. Die größte und gründlichste empirische Studie zum Thema „Vermögen in Deutschland“, aus der diese Zahl stammt, zeigt weiter, dass noch einmal zwölf Prozent der Reichen als leitende Angestellte arbeiten. Ohne ihre Kompetenz kann eine moderne arbeitsteilige Wirtschaft nicht existieren.

Das populäre Bild vom „reichen Müßiggänger“ entbehrt also in Wahrheit jeder Grundlage. Auch die Superreichen sind meistens Firmengründer oder Familienmitglieder, die die von ihren Vätern gegründeten Firmen fortführen. Bill Gates, der reichste Mann der USA, der Microsoft gegründet hat. Howard Schultz, der als Sohn eines Hilfsarbeiters geboren wurde, in einem sozialen Problemviertel aufwuchs und dadurch, dass er Starbucks groß gemacht hat, ein Vermögen von über 2 Mrd. Dollar verdiente. Oder die Google-Gründer Sergej Brin und Larry Page, die mit der Gründung der Suchmaschine eine geniale Idee hatten und die heute zu den reichsten Amerikanern gehören, ebenso wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Sie haben unser Leben und unsere Gesellschaft geprägt.

Das Geld bleibt nur bei dem, der es verdient

Reich werden und bleiben
Rainer Zitelmann: Reich werden und bleiben

Und was ist mit den Erben? Vererbtes Vermögen bleibt nicht dauerhaft bei den Erben, wenn sie es nicht verdienen. Es gibt unzählige Beispiele, dass Erben nicht mit dem Geld oder mit dem geerbten Unternehmen umzugehen wussten und es dadurch verloren, wenn auch möglicherweise nicht gleich in der ersten Erbengeneration. In seinem Roman „Buddenbrooks“ hat Thomas Mann den langsamen Niedergang einer wohlhabenden und angesehenen Lübecker Kaufmannsfamilie eindrucksvoll beschrieben. Die „Gerechtigkeit“ wird wieder hergestellt, wenn die Erben sich als unfähig erweisen. Dauerhaft bleibt das Geld nur bei dem, der es wirklich auch „verdient“.

Woran liegt es eigentlich, dass sich Neid und Kritik nicht im gleichen Maß gegen Sportler oder Popstars richtet wie gegen Unternehmer oder Spitzenmanager? Oft verdienen beispielsweise Spitzensportler viel mehr als Unternehmer oder Manager, und dennoch werden sie bewundert und nicht angefeindet. Dass viele Menschen eher Ronaldo 40 Millionen gönnen als Martin Winterkorn 15,9 Millionen, hat vielleicht auch damit etwas zu tun, dass Menschen bei Sportlern die Leistung, mit der sie ihr Geld verdienen, eher nachvollziehen und beurteilen können als die Leistung eines Top-Managers.

In jedem Fall ist es im Sport für jedermann einfacher zu entscheiden, was „gerecht“ ist: Gerecht ist, wenn der das Gleiche bekommt, der das Gleiche tut: Wer so gut Fußball spielt wie ein Lionel Messi oder ein Christiano Ronaldo, der wird auch in dieser Einkommenskategorie vergütet werden.

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Viele Menschen finden die hohen Gehälter, die Manager beziehen, einfach deshalb ungerecht, weil sie nicht verstehen, was der Maßstab für das Gehalt ist. Wäre der Maßstab für das Einkommen eines Menschen, wie sehr er sich bei seiner Arbeit anstrengt, dann dürfte freilich eine Krankenpflegerin in der Tat nicht weniger verdienen als ein Top-Manager.

Und es wäre auch nicht einzusehen, warum ein Fußballspieler in der 2. Bundesliga vielleicht nur 130.000 Euro im Jahr verdient, während Philipp Lahm mit 13 Mio. Euro das Hundertfache davon bekommt. Strengt sich Lahm auf dem Fußballplatz 100-mal mehr an als der Spieler in der 2. Bundesliga? Oder sind seine fußballerischen Fähigkeiten einfach sehr viel seltener als die eines Spielers in der 2. Liga?

Es gibt immer wieder Vorschläge und Forderungen, wonach die maximale Spanne zwischen dem, was beispielsweise der Vorstand eines Unternehmens verdient, und dem, was der am schlechtesten bezahlte Mitarbeiter bekommt, vom Gesetzgeber festgelegt werden sollte. In der Schweiz gab es sogar eine Volksabstimmung zu dieser Forderung, doch die Schweizer waren so klug, sie abzulehnen.

Wenn wir beim Beispiel des Fußballs bleiben, ist sofort ersichtlich, wozu eine Realisierung einer solchen Forderung führen würde. Nehmen wir an, der beste Spieler beim FC Bayern München dürfte nur noch 20-mal so viel bekommen wie der Platzwart. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsste entweder das Gehalt des Platzwartes so stark angehoben werden, dass es den Verein finanziell in die Knie zwingen würde. Oder aber der Verein könnte künftig nur noch dritt- oder viertklassige Spieler engagieren und damit kein einziges Europapokal-Spiel mehr gewinnen. Ähnlich wäre es, wenn man für ein Unternehmen festlegen würde, der Vorstand dürfe nur noch das 20-Fache des Pförtners verdienen.

Anker unserer Wirtschaft

Der Nutzen der Reichen liegt darin, dass sie Unternehmen gründen und führen, die der Anker unserer Wirtschaft sind, dass sie Produkte erfinden, die unser Leben bereichern. Die meisten Leser benutzen wahrscheinlich ein Textverarbeitungsprogramm von Microsoft, verwenden Google, wenn sie nach Informationen im Internet suchen, waren auch schon einmal bei Aldi oder Lidl einkaufen oder bei Starbucks einen Kaffee trinken, posten bei Facebook oder haben schon einmal einen „Joghurt mit der Ecke“ von Müller-Milch gegessen.

Insbesondere viele Intellektuelle stehen Reichtum und Kapitalismus skeptisch gegenüber. Schon seit Jahrhunderten gibt es von Intellektuellen ersonnene Utopien einer gleichen Gesellschaft, in der es weder Arme noch Reiche gibt. Abraham Lincoln, von 1861 bis 1865 Präsident der USA, hielt jenen, die die Reichen ablehnen, entgegen:

„Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt. Ihr werdet den Arbeitern nicht helfen, indem ihr die ruiniert, die sie bezahlen. Ihr werdet keine Brüderlichkeit schaffen, indem ihr Klassenhass schürt. Ihr werdet den Armen nicht helfen, indem ihr die Reichen bekämpft.“


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