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Polen disqualifiziert sich für Anleger

, Julia Groth

Die polnische Regierung verschreckt ausländische Anleger, Polens Aktienmarkt ist im Sinkflug. Besserung ist nicht in Sicht. Von Julia Groth

Börse in Warschau © Getty Images
Börse in Warschau: Der polnische Leitindex hat erheblich verloren, seit die Nationalkonservativen das Land regieren

Polens nationalkonservative Regierung befördert das Land zunehmend ins politische Abseits. Eine Reform von Dezember vergangenen Jahres schränkt die Macht des Verfassungsgerichts ein, ein neues Mediengesetz bedroht die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In den vergangenen Tagen traten mehrere Programmdirektoren öffentlich-rechtlicher Fernsehsender aus Protest gegen das Gesetz zurück. Die EU-Kommission denkt laut darüber nach, Strafen für Warschau zu verhängen.

Wirtschaftlich droht dem osteuropäischen Land ebenfalls die Isolation. Nicht nur Politiker, auch Anleger zeigen sich von den Vorgängen in Polen entsetzt – haben allerdings schon früh mit einer solchen Entwicklung gerechnet: Der polnische Aktienindex WIG20 befindet sich bereits seit Mai 2015 auf Talfahrt. In diesem Monat fand der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahl statt. Andrzej Duda, Kandidat der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), erreichte überraschend den ersten Platz. Wenig später gewann er die Wahl. Im Oktober konnte die PiS dann auch die Parlamentswahl für sich entscheiden.

Die Wahlsiege der PiS ließen Investoren Schlimmes erwarten. „Bis vor den Wahlen wurde Polen als ein Land mit einer wirtschaftsfreundlichen Regierung und einem guten und gesunden Wachstum angesehen, das von der Erholung der EU-Wirtschaft überproportional profitieren sollte“, sagt Omar Abu Rashed, Fondsmanager bei Union Investment. „Durch die Wahl der populistischen und rechtskonservativen PiS werden diese Punkte jedoch mehr und mehr in Frage gestellt.“

Unabhängigkeit der Geldpolitik gefährdet

Die polnische Wirtschaft entwickelt sich gut, im laufenden Jahr wird sie nach Einschätzung von Ökonomen um 3,5 Prozent wachsen. Wegen der schwierigen politischen Lage werden Anleger davon aber nicht unbedingt profitieren. „Die neue Regierung ist extrem fleißig, und die meisten ihrer Entscheidungen sind nicht investorenfreundlich“, sagt Amalia Ripfel, Fondsmanagerin bei Erste Asset Management. So will die Regierung etwa die nationalen Kohle-Unternehmen retten, die seit Jahren Probleme haben. Gleichzeitig überlegt sie, dem Versorgersektor Dividendenzahlungen zu untersagen.

Auch Polens Geldpolitik dürfte künftig zunehmend parteipolitischen Interessen unterworfen sein. Im Juni wird ein neuer Gouverneur für die polnische Zentralbank bestellt. Nach aktuellem Stand wird der Posten wohl an eine PiS-nahe Person vergeben. Auch bei weiteren anstehenden Personalrochaden, etwa der Bestellung eines neuen Chefs für die Finanzmarktaufsicht, rechnen Marktbeobachter mit politischer Günstlingswirtschaft. „Die geldpolitische Unabhängigkeit, einer der wichtigsten Hygienefaktoren für ausländische Kapitalanleger, wird dadurch eklatant verletzt“, sagt Abu Rashed.

Schlechte Aussichten für polnische Banken

Die Kurse polnischer Aktien dürften im laufenden Jahr weiter sinken, sagt der Union-Investment-Fondsmanager. Der Bankensektor wird wohl besonders stark betroffen sein: Warschau will eine Steuer auf Bank-Aktiva einführen, die die Margen der Banken schmälern wird. „Des Weiteren erwägt man die Zwangskonvertierung von auf Schweizer Franken lautenden Hypothekendarlegen in Zloty“, sagt Abu Rashed. Die Verluste, die daraus entstehen würden, müssten die Banken selbst tragen. „Insgesamt wird das Gewinnpotenzial und damit die Ausleihungskapazität der Banken beschnitten, was das Wirtschaftswachstum des Landes bremsen sollte.“

Osteuropa-Investoren sollten abwarten, welche Pläne die Regierung tatsächlich umsetzt und wie sich diese auf die polnische Wirtschaft auswirken. Bis dahin raten Marktbeobachter von Investments in polnische Aktien ab. „Es ist traurig, was politisch mit Polen passiert“, sagt Ripfl. „Für Osteuropa-Anleger war Polen bisher immer ein stabiler Markt.“ Diese Zeiten sind vorerst vorbei.


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