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Jan Bredack über seine erste Million

, Mareike Enghusen

Als Manager bei Daimler wurde Jan Bredack reich. Heute betreibt er vegane Supermärkte und lebt bescheidener.

Jan Bredack © ddp Images
Jan Bredack, einst Daimler-Manager, dann Burnout-Patient, heute Supermarktbesitzer

Jan Bredack wuchs in der DDR auf und fing nach der Wende als Pannenhelfer bei Daimler an. Binnen wenigen Jahren stieg er vom einfachen Mitarbeiter zum Manager auf – bis er 2008 unter dem Stress zusammenklappte. Heute betreibt er acht vegane Supermärkte in Deutschland, Österreich und Tschechien.


Capital: Innerhalb weniger Jahre sind Sie bei Daimler vom Kfz-Mechaniker zum Spitzenmanager aufgestiegen. Was hat Sie angetrieben – Erfolg oder Geld?

Bredack: Erfolg, Geld, Macht, das stand für mich damals in direktem Zusammenhang. Mein Vater hat mich immer gedrillt, dass ich stets der Beste sein muss, alles andere war nicht gut genug. Das ist tief in mir verwurzelt.

Erinnern Sie sich noch an die erste Million auf Ihrem Konto?

Ich kann den Zeitpunkt nicht mehr sagen, das war immer ein Kommen und Gehen. Das Geld habe ich ja nicht allein mit meiner normalen Arbeit verdient, sondern ich habe nebenbei noch einen Grußkartenversand aufgebaut und einen Ticketvertrieb. Und ich habe an der Börse spekuliert. Ich bin an den Punkt gekommen, an dem Geld keine Rolle mehr gespielt hat. Es war halt da.

Wie hat Geld Ihr Leben verändert?

Ich habe irgendwann den Bezug zu den Werten verloren. Ich bin mit meinem Sohn samstags durchs Einkaufszentrum gegangen und habe einen Fernseher für 10.000 Euro gekauft – einfach so. Oder mal schnell eine Uhr für 1000 Euro. Im Rückblick mache ich mich selbst über mich lustig!

"Ich zahle mir bei Veganz das geringste Gehalt von allen"

Was hat den Ausschlag gegeben für Ihren Wandel?

Vor sechs Jahren lief es auf der Arbeit nicht mehr rund, der Stress hatte mich krankgemacht. Ich ging in Therapie und fing an, mein Verhalten zu reflektieren. Dabei habe ich gemerkt, wie absurd mein Lebensstil war. Und dann habe ich den ganzen Luxus abgestoßen, meine Uhren verkauft, die teuren Autos, die teuren Klamotten. Zurück im Job bekam ich eine neue Stelle in Russland, ich sollte dort ein neues Werk aufbauen. Ich hatte also wieder stark repräsentative Aufgaben – und ich muss gestehen, ich konnte mich davon nicht ganz frei machen. Ich war quasi bis an die Zähne bewaffnet mit Statussymbolen. Davon wird man leicht eingelullt.

Warum haben Sie 2011 trotzdem gekündigt?

Irgendwann habe ich mich in dieser Rolle so unwohl gefühlt – ich konnte da nicht mehr arbeiten. Ich bin dann nach Deutschland zurückgegangen, um Veganz aufzubauen, meinen veganen Supermarkt. Dafür habe ich viel eigenes Geld investiert, knapp 700.000 Euro. Und ich musste auch noch mal ein paar Tausend Euro nachschießen. Wenn ich nicht die finanziellen Mittel gehabt hätte, würde dieses Projekt heute gar nicht mehr existieren.

Wie leben Sie heute?

Ich zahle mir bei Veganz das geringste Gehalt von allen. Ich versuche, mir nur das zu kaufen, was ich wirklich brauche – keine Luxusgüter mehr.

Was ist denn für Sie eine gute Möglichkeit, Geld einzusetzen?

Ich stecke Geld gern in neue Projekte. Zum Beispiel habe ich einen fahrbaren Imbissstand gekauft, mit dem wir durch ganz Europa touren und veganes Fast Food an die Leute bringen. Geld ist für mich jetzt Mittel zum Zweck. Ehrlich, ich bin ein ganz schlechter Konsument geworden.


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