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Friedemann Kunz über seine erste Million

, Timo Pache

Scanhaus-Gründer Friedemann Kunz über seinen Erfolg mit Fertighäusern – und warum viel Geld auf dem Konto keinen Sinn hat.

Scanhaus-Gründer Friedemann Kunz © David Daub
anhaus-Gründer Friedemann Kunz

Friedemann Kunz, 59, kommt in Schweden zur Welt und übernimmt mit 22 Jahren vom Vater die Importfirma für Bürobedarf aus Deutschland. 1992 lässt er sich in Mecklenburg-Vorpommern, der Heimat seiner Vorfahren, nieder. Sein Fertighaushersteller Scanhaus Marlow beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter.


Capital: Herr Kunz, wie kommt ein Schwede dazu, von Mecklenburg-Vorpommern aus Deutschland mit Fertighäusern zu beglücken?

Kunz: Meine Familie stammt aus der Region. Mein Ururgroßvater gründete 1891 hier in Marlow ein Holzsägewerk. Nach dem Krieg sind meine Eltern nach Schweden geflohen, doch ich habe das Werk nach der Wende zurückgekauft und auf Fertighäuser umgestellt.

Sie hatten damals einen gut laufenden Großhandel für Bürobedarf in Schweden. Wie kommt man da auf Fertighäuser?

Ja, nur das Geschäft mit Büroklammern kannte ich ja. Mich fasziniert das Neue. 1991 kurz vor Weihnachten ging ich mit einem Freund in Göteborg spazieren, es war eisig kalt, und wir überlegten, was man nun im Osten würde machen können: Ein ganz neuer Markt, das ist doch großartig! Vieles gab es schon – Schokolade, Kaffee, neue Autos. Nur gute Wohnungen waren knapp, das wusste ich von den Besuchen bei meiner Großmutter. So kam mir die Idee: Schwedenhäuser. Schick, günstig, gute Qualität – genau das, was die Leute hier brauchten.

Dann sind Sie auf in den Osten?

Genau! Im Januar 1992 bin ich mit meinem Freund nach Ostdeutschland, im Gepäck hatten wir die Entwürfe für drei Fertighäuser aus Holz. Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier los war, als die Häuser aufgebaut wurden. Hunderte Leute schauten zu. Da wussten wir, dass wir einen guten Riecher hatten.

„Ich noch nie eine Million auf dem Konto gehabt“

Woher hatten Sie das Know-how, um Häuser zu bauen?

Die alte Fabrik meines Ururgroßvaters gehörte damals der Treuhand und produzierte Möbelgestelle. Bei einem Umsatz von 3,2 Mio. Mark machte die Firma einen Verlust von fast 1,5 Mio. Wir brauchten neue Maschinen und gute Leute. Da traf es sich, dass ein Fertighaushersteller in Norwegen pleiteging. Den habe ich gekauft und deren Maschinen und Mitarbeiter nach Marlow geholt.

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Heute verkaufen Sie jedes Jahr Hunderte Häuser, Ihnen gehören Hotels, Immobilien, sogar eine Brauerei. Aber wissen Sie noch, wie das war, als Sie Ihre erste Million auf dem Konto hatten?

Ehrlich gesagt habe ich noch nie eine Million auf dem Konto gehabt. Ich sehe keinen Sinn darin, viel Geld auf dem Konto zu haben. Erst recht nicht heute, da es sowieso keine Zinsen mehr gibt.

Was machen Sie mit Ihrem Geld?

Na, investieren, alles investieren. Wir haben den Vertrieb ausgebaut, Leute eingestellt, Maschinen angeschafft. Wir haben angefangen, Rechnungen früher zu bezahlen, und finanzieren heute alle Häuser, die wir bauen, komplett vor. Der Kunde zahlt erst bei Schlüsselübergabe. Alles schuldenfrei, bei einer Eigenkapitalquote von 85 Prozent. Ich kaufe Immobilien, aber nur die besten Lagen. Wenn ein Pächter abspringt, soll der Laden binnen zwei Wochen wieder vermietet sein. Das macht uns krisenfest.

Erst Büroklammern, dann Fertighäuser, heute Immobilien. Gibt es eigentlich irgendeine Verbindung zwischen alledem?

Ja, die Lust am Abenteuer, am Neuen. Die Freiheit, die man nur hat, wenn man sein eigener Herr ist. 

Meine erste Million erscheint monatlich in Capital. Weitere Folgen: Lichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz und Xing-Gründer Lars Hinrichs

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