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Fintechs verbrennen Millionen

, Heinz-Roger Dohms

Nach Capital-Recherchen macht kaum ein Finanz-Start-up Gewinne. Viele verbrennen Millionenbeträge – und das teils schon seit Jahren.

Der Finger einer Frau tippt auf einen Smartphone-Bildschirm © Getty Images
Bezahlen mit dem Smartphone: Fintechs erfinden neue Anwendungen, aber Geld verdienen sie bisher kaum

Die deutschen Fintechs erwirtschaften trotz des Hypes um die Branche bislang praktisch keine nennenswerten Gewinne. Bei einer Capital-Umfrage unter 24 der größten und bekanntesten deutschen Finanz-Start-ups berichtete nur ein einziges von einem Jahresüberschuss – nämlich die Mülheimer Firma Fincite, die nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Überschuss im sechsstelligen Bereich verbucht hat. Fincite ist als Dienstleister unter anderem für die Deutsche Bank tätig. Die meisten Fintechs machten zu wichtigen Kennzahlen wie Umsatz und Gewinn hingegen keinerlei Angaben.

Wie Capital-Recherchen zeigen, verlieren die meisten deutschen Fintechs Geld, statt welches zu verdienen. Das ist bei Start-up-Firmen zwar nicht ungewöhnlich – schließlich investieren die meisten jungen Technologiefirmen erst einmal ins Wachstum und nehmen Verluste in Kauf. Was allerdings auffällt: Selbst Fintechs wie die Kreditvermittler Smava und Auxmoney, die schon seit Jahren im Geschäft sind, haben Capital-Informationen zufolge noch nie schwarze Zahlen geschrieben haben.

So musste das 2007 gegründete Düsseldorfer Unternehmen Auxmoney zum Beispiel 2013 einen Jahresfehlbetrag von 6,1 Mio. Euro und 2014 sogar einen Verlust von 8,5 Mio. Euro verkraften. Bei Smava – die Firma feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag – kam 2014 zu einem Verlustvortrag von 11,5 Mio. Euro ein zusätzliches Minus von 3,0 Mio. Euro. Am Ende jenes Jahres galt Smava seinen Bilanzen zufolge als „bilanziell überschuldet“, das gleiche galt ein Jahr zuvor für Auxmoney. Allerdings haben beide Firmen zwischenzeitlich frische Finanzierungen erhalten. So stieg etwa die Risikokapitalgesellschaft von Pro Sieben Sat 1 kürzlich bei Auxmoney ein.

„Robo-Adviser“ verwalten kaum Vermögen

Capital 04/2016
Die neue Capital erscheint am 17. März

Die stichprobenartigen Recherchen deuten darauf hin, dass die deutsche Fintech-Szene bislang alles in allem eine niedrige dreistellige Millionensumme verbrannt haben dürfte. Das größte Minus in einem einzelnen Jahr machte dabei die Hamburger Firma Kreditech, die 2014 einen Jahresfehlbetrag von 20,1 Mio. Euro auswies – angesichts des fulminanten Expansionspolitik der Hanseaten war dieses Minus allerdings zu erwarten und ist nicht zwingend kritisch zu sehen.

Bei der Umfrage kam auch heraus, dass die verwalteten Vermögen der sogenannten „Robo-Advisor“ – also der automatischen Anlageberater im Internet – noch verschwindend gering sind. Marktführer Moneymeets bezifferte die „Assets under Management“ gegenüber Capital auf gut 30 Mio. Euro, Easyfolio auf 15 Mio. Euro, Konkurrent Cashboard machte gar keine Angaben. Insgesamt, so schätzt die Unternehmensberatung Oliver Wyman, liegen die verwalteten Vermögen aller unabhängigen Robo-Advisor erst bei rund 100 Mio. Euro liegen. Angesichts von Verwaltungsgebühren von weniger als ein Prozent dürfte die Branche bislang also kaum mehr als 1 Mio. Euro umsetzen.

"zu verliebt in ihre Produkte"

Ältere Internetunternehmer aus dem Finanzsektor äußerten sich gegenüber Capital teilweise sehr kritisch über die junge Fintech-Branche. „Wir beobachten die Szene sehr genau. Bisher haben wir aber nur wenig gesehen, was für den Kunden interessant ist“, sagte Check24-Gründer Henrich Blase. Ronald Slabke, Chef des Baugeldvermittlers Hypoport („Dr. Klein“), meinte: „Viele Fintechs meinen, wenn sie eine Finanzierung bekommen, dann haben sie schon Umsatz gemacht. Und wenn sie tatsächlich mal Umsatz machen, dann halten sie das für Gewinn.“

Hart ging auch die Interhyp-Gründer Marcus Wolsdorf mit der heutigen Start-up-Generation ins Gericht: „Bei vielen aus der Szene habe ich das Gefühl, sie sind so verliebt in ihre Produkte, dass sie den Kunden völlig aus den Augen verlieren.“  Auf der anderen Seite glaubt Wolsdorf allerdings, dass die Zeit für die Fintechs spielt und gegen die Banken: „Bei den Angreifern sieht es anfangs immer so aus, als würde sich nichts tun – das war bei uns damals genauso. Es braucht einfach eine Zeit, bis eine Skalierung einsetzt, gerade im Retailgeschäft.“

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