WochenrückblickAutoland ist abgebrannt

Hat es sich bald ausgedieselt? Der Dieselmotor hat in diesen Tagen nicht nur wegen des VW-Abgasskandals einen schweren Stand. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Großbritannien ab 2040 den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren verbieten will. Davon sind neben Dieselautos auch Benziner betroffen. Die Ankündigung der konservativen Regierung ist Teil ihres Klimaschutzplanes. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof des Landes die Regierung aufgefordert, mehr gegen die zu hohe Schadstoffbelastung zu tun.

Hierzulande warnt Kanzlerin Angela Merkel noch vor einer Verteufelung der Diesel-Technologie. „Ein Verbot von Diesel-Fahrzeugen oder Benzinern steht derzeit nicht auf der Agenda der Bundesregierung“, sagte eine Regierungssprecherin. Das Wohlergehen der deutschen Wirtschaft ist eng mit der Autoindustrie verwoben – das sieht sogar der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg so.

Aber auch in Deutschland erhöht jetzt ein Gericht den Druck auf die Autobauer. Nach einem Urteil des Stuttgarter Verwaltungsgerichts müssen die Vorgaben des Luftreinhalteplans für die baden-württembergische Landeshauptstadt auch mit Fahrverboten für Autos mit Dieselmotoren eingehalten werden. „Das Verkehrsverbot verstößt nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, weil der Gesundheitsschutz höher zu gewichten ist als das Recht auf Eigentum und die allgemeine Handlungsfreiheit der vom Verbot betroffenen Kraftfahrzeugeigentümer“, sagte Richter Wolfgang Kern. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe, die ein generelles Dieselfahrverbot durchsetzen wollte, weil die Grenzwerte an vielen Messstationen nicht eingehalten werden. Laut dem Gerichtsurteil könnten mit der Einführung einer blauen Plakette Fahrverbote für bestimmte Fahrzeuge erlassen werden.

Als nächstes muss nun geklärt werden, ob Kommunen überhaupt Fahrverbote verhängen dürfen. Das soll das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Politisch geht es am kommenden Mittwoch beim Diesel-Gipfel in Berlin weiter. „Eine Einigung beim Diesel-Gipfel auf die Nachrüstung mit einer festgelegten Zahl an nachzurüstenden Fahrzeugen und der damit verbundenen und quantifizierten Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes wäre für das Bundesverwaltungsgericht sicher ein starkes Signal“, sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie Matthias Wissmann.

Vorerst reißen die Hiobsbotschaften nicht ab: Am Freitag kündigte Verkehrsminister Alexander Dobrindt an, ein Zulassungsverbot für den Porsche Cayenne mit Drei-Liter TDI-Motoren zu erlassen. Auch bei diesem Modell wurde eine unzulässige Abschalteinrichtung für die Reinigung von Abgasen festgestellt. 22.000 Autos müssten in die Werkstatt und neue Modelle dürften nicht zugelassen werden, bis das Problem behoben sei. Fortsetzung folgt.

Deutsche Bank: Gewinnsprung dank Kostenreduzierung

Ein Mann geht an einer Deutschen-Bank-Filiale vorbei
Mit ihrem Umbau kommt die Deutsche Bank langsam voran
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Die Deutsche Bank hat ihren Gewinn im zweiten Quartal gegenüber den Vorjahreszeitraum mehr als verzwanzigfacht, aber Vorstandschef John Cryan ist trotzdem nicht rundum zufrieden. „Trotz der deutlichen Verbesserung bleibt dieser Gewinn hinter unserem langfristigen Anspruch zurück. Bei den Erträgen sind wir noch nicht überall dort, wo wir sein wollen“, sagte er. Tatsächlich macht das Kreditinstitut vor allem bei den Kostensenkungen gute Fortschritte, die Erträge schrumpften dagegen um zehn Prozent auf 6,6 Mrd. Euro. Grund dafür sei die Ruhe an den Kapitalmärkten im Frühjahr, was dazu geführt habe, dass die Einnahmen im Aktienhandel um 28 Prozent eingebrochen seien.

Den Gewinn bezifferte das größte deutsche Geldhaus mit 466 Mio. Euro nach nur 20 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Vorsteuergewinn verdoppelte sich nahezu auf 802 Mio. Euro von 408 Mio. Euro im zweiten Quartal 2016.

Und noch einen Erfolg konnte die Bank vermelden: Elf frühere Vorstände verzichten auf Bonuszahlungen in Höhe von insgesamt 38,4 Mio. Euro. Knapp 70 Mio. Euro hätten ihnen eigentlich zugestanden. Zu den Betroffenen sollen die Ex-Vorstandschefs Josef Ackermann, Anshu Jain und Jürgen Fitschen gehören. Nach Angaben der Deutschen Bank verzichteten sie freiwillig auf die Boni – und leisten damit einen kleinen Beitrag zur Aufarbeitung der vielen Skandale, in welche das Kreditinstitut verstrickt ist.

Die Aktie der Deutschen Bank geriet am Donnerstag schwer unter Druck. Grund war aber nicht das Zahlenwerk oder ein Skandal, sondern die Überlegungen des Vorstands die Dividende für dieses Jahr komplett zu streichen. Cryan bezeichnete den Verzicht auf die Ausschüttung als Option. Die Aktie verlor daraufhin mehr als sechs Prozent.

Amazon: Bezos geht auf Risiko

Jeff Bezos
Jeff Bezos war kurzzeitig der reichste Mensch der Welt
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Jeff Bezos durfte sich für wenige Stunden als reichster Mensch der Welt fühlen. Das will zumindest das US-Magazin „Forbes“ herausgefunden haben. Hintergrund war ein Kurssprung der Amazon-Aktie, die Bezos‘ Vermögen im Echtzeit-Ranking des Magazins auf 90,5 Mrd. Dollar steigen ließ. Ob der Kurzzeit-Spitzenreiter das mitbekommen hat? Vielleicht hat er ja sogar eine Flasche Champagner geköpft …

Wie auch immer: Ein paar Stunden später war Microsoft-Gründer Bill Gates wieder auf Platz eins der Geldrangliste. Der Grund war auch diesmal an der Börse zu suchen: Nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal ging die Aktie des Online-Händlers auf Talfahrt. Amazon investierte massiv unter anderem in Videoinhalte – und will diesen Kurs auch beibehalten. Finanzvorstand Brian Olsavsky sagte, dass im dritten Quartal ein Verlust von bis zu 400 Mio. Dollar anfallen könnte.

Neu ist die Strategie des Konzerns nicht: Bezos war immer schon bereit große finanzielle Risiken einzugehen, wenn er Wachstumsfelder besetzen wollte. Bis jetzt ist er damit erfolgreich gewesen.

Facebook: Werbeerlöse steigen sprunghaft

Medien mögen über Facebooks Algorithmus schimpfen, für das soziale Netzwerk machen sich die neuen Anzeigenformate und Videoinhalte bezahlt. Der Gewinn stieg im zweiten Quartal um 71 Prozent auf 3,9 Mrd. Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hauptgrund sind die sprudelnden Werbeerlöse vor allem auf Smartphones und Tablets. Knapp 8 Mrd. Dollar setzte Facebook mit mobiler Werbung um.

Infografik: Facebooks Umsatz ist zu 86% mobil | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista