KreditinstituteWie US-Investoren deutsche Banken auf Risiko trimmen

Die Südwestbank wurde 2017 an die österreichische Bawag verkauft
Die Südwestbank wurde 2017 an die österreichische Bawag verkauftdpa

In der Rotebühlstraße 125 in Stuttgart hat der Wandel der Finanzbranche schon voll zugeschlagen. In dem weiten Foyer stehen hier und da lose verteilt kleine weiße Tischchen und Theken. Einst müssen dahinter freundliche Mitarbeiter ihre Kunden bedient haben. Doch an diesem Morgen arbeitet im gesamten Foyer und in der ganzen Schalterhalle noch ein einziger Mitarbeiter. Er bedient einen Kunden und muss nebenher den Empfang machen – weil die Stelle eines Kollegen gestrichen wurde.

So sieht es aus bei der Südwestbank, gut 16 Monate nach ihrem Verkauf. Die Unternehmerbrüder Andreas und Thomas Strüngmann hatten offenbar den Glauben an ihre kleine Privatbank verloren und sie Ende 2017 losgeschlagen: an die österreichische Bawag, eine Bankengruppe, die mehrheitlich amerikanischen Finanzinvestoren gehört. Größter Aktionär der Bawag ist der US-Investor Cerberus – und so gehört die kleine schwäbische Südwestbank, gegründet im Jahr 1922, mit Schwerpunkt auf der Vermögensverwaltung für wohlhabende Unternehmer, jetzt indirekt zu einem US-Unternehmen, das sich nach dem sagenumwobenen, mehrköpfigen Höllenhund benannt hat.

Im Frühjahr blickten alle wichtigen Banker, Berater, Bankenregulierer und Finanzpolitiker nach Frankfurt, wo Deutsche Bank und Commerzbank über einen Zusammenschluss verhandelten. Es ging um den Zusammenschluss zweier großer Rivalen, es ging um die Abwicklung gewaltiger Expansionspläne und um die Konsolidierung des zersplitterten deutschen Bankensektors: Es wäre eine große Bereinigung gewesen.

Doch jenseits von Frankfurt haben mächtige US-Investoren schon vor einiger Zeit losgelegt: mit der Südwestbank in Stuttgart, der Bremer Kreditbank, der Oldenburgischen Landesbank (OLB), jüngst der HSH Nordbank. Die US-Private-Equity-Fonds Cerberus und Apollo kaufen in der Provinz eine deutsche Bank nach der anderen. Sie machen im Kleinen vor, was den Großen noch bevorsteht.

Tatsächlich geht es der Branche nicht gut, die Eigenkapitalrendite deutscher Banken – der Gradmesser für die Rentabilität – schwankt im Schnitt zwischen zwei und vier Prozent. Die Null-, ja sogar teilweise Strafzinsen der Zentralbank und zusätzlich noch die Konkurrenz von 1600 Banken hierzulande fressen die Gewinne auf. All dies ist auch der Grund, warum Deutsche und Commerzbank über eine Fusion sprechen. Aber wozu tun sich Amerikaner dann eine solche Misere freiwillig an?

Die Antwort ist einfach und ernüchternd zugleich: weil sie es können. Sie haben das Geld, und sie haben die Kaltschnäuzigkeit, um aus biederen deutschen Provinzbanken wieder Gewinne herauszuholen.

Einkaufstour in der Provinz

Mit dem texanischen Lehrerpensionsfonds und Grovepoint aus London kaufte Apollo im Jahr 2014 die Bremer Kreditbank. 2017 folgte das Bremer Bankhaus Neelmeyer und 2018 die Oldenburgische Landesbank. Nun soll die Wüstenrot Bank hinzukommen. Weitgehend unbemerkt entsteht so unter dem Dach der OLB eine Bankengruppe mit mehr als 20 Mrd. Euro Bilanzsumme und fast einer Million Kunden im Land.

Cerberus wiederum ist über die Bawag nicht nur an der Südwestbank beteiligt, die Österreicher haben auch die Hamburger Bausparkasse Deutscher Ring gekauft. Obendrein ist Cerberus mit anderen Finanzinvestoren bei der Ex-Landesbank von Schleswig-Holstein und Hamburg eingestiegen, der HSH, die inzwischen als Hamburg Commercial Bank firmiert. Und den Amerikanern gehören mit drei bis fünf Prozent jeweils wichtige Minderheitspositionen an der Deutschen und an der Commerzbank.