NachfolgeWie Simba Dickie den Generationenwechsel meistert

Das Bobby-Car gehört zu den bekanntesten Produkten aus dem Haus Simba-DickieSebastian Lock

Raum, um sich auszutoben, gibt es genug in der Zentrale der Firma Simba Dickie in Fürth. Da ziehen die jungen Firmenerben in aller Ausgelassenheit durch die verschachtelten „Musterzimmer“ in dem Zweckbau am Rande der Stadt. Es ist ein Wahnsinn mit 4000 Quadratmetern Spielzeug. Wenn man dem Treiben so zusieht, könnte man glauben, sie seien nicht sämtlich in ihren Dreißigern – sondern immer noch die ganz jungen Erben, die schon im Kindergartenalter hier tollten.

Doch als es darum geht, wer jetzt in ein Spielhäuschen kriecht für ein Foto, prescht der Alte vor. Michael Sieber, 64, aber ebenfalls mit dem Kind im Manne gesegnet, faltet sich zusammen und grinst aus dem Fenster des Kunststoffhäuschens heraus. „Chef House“ steht draußen dran, die Hütte des Küchenchefs. Ist doch klar, wer da reingehört.

Diese Firma, mit gut 700 Mio. Euro Jahresumsatz die Nummer vier im globalen Spielzeuggeschäft, ist sein Werk, kein Zweifel. Fast vier Jahrzehnte hat Sieber populäre Spielzeugmarken wie Bobby-Car, Schuco und Eichhorn angesammelt und groß gemacht. Und er will das Werk fortsetzen. „Ich finde es falsch zu sagen: Mit 65 oder 70 höre ich auf“, berichtet der Senior. Das werde sich irgendwann von selbst ergeben.

Nicht so wie der Vater

Gleichzeitig gilt: Er will unbedingt loslassen können. Den Jungen vertrauen. Es auf keinen Fall so machen wie sein eigener autoritärer Vater. Der noch auf dem Sterbebett nach drei Herzinfarkten den Notar kommen ließ, weil er die Firmenverhältnisse bis zuletzt kontrollieren wollte.

Mal kuschlig, mal rasant: Florian (hinten) und Vater Michael Sieber liefern Teddys ebenso wie Bobby-Cars (Foto: S. Lock)

Das ist, wenn man so will, das Dilemma des Michael Sieber – vor dem „Chef House“ und im Leben: Er will schon gerne seinen Erstgeborenen Florian, 34, vorlassen, den er vor zwei Jahren zum Co-CEO ernannte und der die Firma zusammen mit Siebers weiteren Söhnen und Neffen einmal in die Hand bekommen soll. Aber Michael Sieber macht, redet, plant doch viel zu gerne selbst, als dass er den Platz ganz abgeben will.

Er ist unterhaltsam, agil, nahbar. Warum sollte er aufhören? Als es losging mit Corona war allerdings selbst der fröhliche Michael Sieber länger deprimiert. Er findet die ganzen Maßnahmen heillos übertrieben. „Was in zwei bis drei Generationen aufgebaut wurde, wird jetzt an die Wand gefahren“, sagt er mit Zorn in der Stimme. „Ich bin Unternehmer“, erklärt er. „Für mich ist es ungewöhnlich, dass mir jemand sagt, was ich tun soll und was nicht.“ Und nun sagen ihm es ausgerechnet Politiker, deren Ahnung vom Geschäft er nicht allzu hoch einschätzt. Als wäre das nicht genug, muss er sich auch noch zur Zurückhaltung zwingen!

Denn jetzt ist es so, dass plötzlich der Sohn den Vater bremsen muss. Am liebsten würde der Alte mit seiner Wut heraus in die Welt. Doch Florian hat ihm „Redeverbot“ erteilt, gibt der Vater zu. Ihm fällt es sichtlich schwer, sich daran zu halten. Es ist ein vielsagendes Schauspiel, wie der Sohn den Vater wortlos, aber mit strengen Seitenblicken zurückzuhalten sucht, wenn es aus diesem wieder herausdrängt. Und wie der Vater hin- und herpendelt zwischen Nicht-an-sich-halten-Können und Sich-fügen-Müssen.

„Dass wir da unterschiedliche Ansichten haben, liegt sicherlich auch an den Generationen“, sagt der Senior. „Die Jüngeren sehen das etwas entspannter und nüchterner.“ Nüchterner als er und die Seinen, die alles geschaffen haben, heißt das. Nüchterner, weil sie noch Zeit haben. Michael Sieber hat keine. Grundsätzlich nicht und schon gar nicht für Lockdowns.