BCG-Studie Wie sich die Corona- von der Finanzkrise unterscheidet

Die Corona-Krise sorgt für Anpassungsdruck in der Industrie
Die Corona-Krise sorgt für Anpassungsdruck in der Industrie
© IMAGO / Westend61
Die Finanzkrise war heftig, doch sie hat die Wirtschaft ganz anders getroffen als die Corona-Pandemie. Die Unternehmensberatung BCG hat die Unterschiede untersucht. Das Ergebnis: Anders als nach 2008 gibt es diesmal auch Gewinner

Die Finanzkrise nach 2008 hat alle Branchen getroffen, bei der Corona-Krise ergibt sich ein differenzierteres Bild. Wie eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zeigt, gibt es in der Corona-Krise sogar Gewinner. Dazu zählen die Berater Biotech- und Medizintechnikunternehmen, Tech-Firmen und Konsumgüterproduzenten. Gemessen hat BCG das an der Entwicklung der Aktienkurse in den Monaten nach dem Krisenausbruch.

Zu den großen Verlierern zählt laut der Studie die Reise- und Tourismusbranche, die sich während der Finanzkrise vergleichsweise gut gehalten hatte. In der Corona-Krise sind wegen des Shutdowns und der Einreisebeschränkungen Urlaubsreisen so gut wie unmöglich. Kein Wunder also, dass die Aktienkurse hier auf breiter Front eingebrochen sind. Der Total Shareholder Return liegt hier laut BCG weltweit bei minus 33 Prozent. In Deutschland fiel der Absturz sogar noch heftiger aus.

Doch auch Krisengewinner stechen in Deutschland stärker hervor als im weltweiten Vergleich. Tech-Unternehmen, Energieversorger und Einzelhandel konnten in der Corona-Krise dazugewinnen. Die Einzelhandelsbranche verzeichnete in Deutschland sogar einen Zuwachs von neun Prozentpunkten, während sie weltweit mit minus vier Prozentpunkten zu den Krisenverlierern zählt.

Warum das so ist? Weil unter anderem der deutsche Online-Händler Zalando von der Krise profitiert, dessen Papiere jetzt neue Höchstwerte erreichen. An der Börse ist Zalando heute 15,85 Mrd. Euro wert und damit mehr als mancher Dax-Konzern. Zalando ist im MDax gelistet, dem Index für die mittelgroßen Werte.

Dauerhafte Veränderungen

Der Kapitalmarkt hat sich in der Corona-Krise deutlich schneller gefangen als nach der Finanzkrise. Doch anders als bei der Krise 2008/2009, die sich hauptsächlich auf einer makroökonomischen Ebene abspielte, verändert sich durch die Corona-Krise auch das Verhalten der Konsumenten.

Einige Branchen werden sich nach dieser Krise deshalb dauerhaft wandeln, analysiert BCG. Laut BCG-Deutschlandchef Matthias Tauber sind es vor allem drei Sektoren: Reise und Tourismus, der Handel sowie die Öl- und Gasbranche. „Überall da, wo die Kunden positive Erfahrungen machen, wird es zu dauerhaften Veränderungen kommen“, sagt BCG- Restrukturierungsexperte Ralf Moldenhauer. Der Konsument habe sich im Einzelhandel an bessere Hygienekonzepte und an das Onlineshopping gewöhnt, sie seien jetzt Teil der „neuen Realität“.

Nun gehe es für die Unternehmen darum, eine Strategie für die Zeit nach Corona zu entwickeln. Bereits die Finanzkrise habe gezeigt, dass sich ein rasches Umschalten lohnt. Unternehmen, die damals schnell und zielstrebig gehandelt hätten, seien gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Eine Krise, so Moldenhauer, sei auch immer eine Chance zur Verbesserung. Unternehmen nutzten jetzt die Zeit, um ihre Abläufe und Produktionsnetzwerke an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

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