ReportagePamela Reif und das Influencer-Geschäft

Nur Gott konnte etwas so Schönes erschaffen wie Pamela Reif. Das zumindest sagt einer ihrer Fans, und er ist bei Weitem nicht der einzige. Sie ist „einfach wunderschön“, findet ein anderer.

„Love you“, schreibt rami_10_fcb.

„Megaschön“, findet laratv_tv.

„You are so beautiful and lovely. I love you!“, postet miss.albay.

Hunderte, Tausende schreiben solche Hymnen und Huldigungen jeden Tag, wenn sie die Bilder von Pamela Reif auf Instagram sehen, dem sozialen Netzwerk, das Fotos mit Filtern verwandeln und verfeinern kann. Sie liken, sharen, posten, mit vielen Smileys und Emojis mit Herzaugen und Kussmund. Und wenn man sie alle zusammenzählt, die Fans und Follower, dann hat Pamela Reif rund drei Millionen.

© instagram/pamela_rf

Dabei ist Reif gerade mal 20 Jahre alt. Sie hat 2014 ihr Abitur gemacht, Note 1,0, überlegt, vielleicht einmal BWL zu studieren. Jetzt aber ist sie vor allem im Geschäft, als Instagram-Star oder Influencer, wie es im Jargon heißt. Und damit ist Pamela Reif genau der Mensch, den viele Unternehmen und Werber gerade suchen: jemand wie du und ich, der im Netz seinen Alltag dokumentiert und damit Millionen Konsumenten erreicht. Influencer Marketing heißt das Buzzword und Geschäftsmodell: Die Influencer, eine Mischung aus Markenbotschaftern und Meinungsführern, kochen, schminken und stylen sich, fahren Autos, spielen Computer, machen Sport – oder posieren einfach nur und lassen ihre Fans daran teilhaben. Die Unternehmen wiederum zapfen die Reichweite an, um ihre Produkte zu präsentieren.

Instagram ist die Plattform für den Hype

Das Prinzip ist im Grunde nicht neu, schon seit Jahren nutzen Unternehmen Youtube-Stars und Blogger, um ihre Botschaften im Netz zu platzieren. Doch die Kanäle werden vielfältiger, komplexer, und um die jungen Stars ist eine eigene, wachsende Industrie entstanden.

Neben Youtube ist Instagram die große Plattform für den Hype: 100 Mio. Dollar geben Unternehmen jeden Monat aus, um mit Influencern dort zu werben, schätzt die US-Werbeagentur Captiv8. Das Ziel: direkter Zugang zu jungen Kunden. 66 Prozent ihrer Fans, sagt Pamela Reif, seien Frauen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren.

An einem Mittag spaziert Reif mit ihrer Managerin an der Alster in Hamburg. Sie suchen nach einem guten Ort, um Fotos zu machen. Die Kennedybrücke vielleicht? Reif, 1,65 Meter groß, in dunklen Hotpants und stark geschminkt, trägt eine schwarze Chanel-Tasche. Das Graffiti auf der Brücke, sagt sie dann, passe nicht zu dieser Tasche. Also weiter.

„Das ist schön“, sagt Reif ein paar Minuten später und zeigt auf das prächtige Haus des Überseeclubs am Jungfernstieg. Weiße Fassade, goldene Verschläge, eine wuchtige Eingangstür aus dunklem Holz. Passt gut zu dem Täschchen. „Mach nur den Oberkörper“, sagt sie zu ihrer Managerin und stellt sich davor.

Diese nimmt das iPhone in die Hand – und Reif beginnt zu posieren. Fährt sich durch ihre Haare, bewegt ihre Schultern, schaut auf den Boden, zur Seite, lächelt. Wie im Modeshooting, nur dass diese oft Stunden dauern. Reif sagt nach wenigen Minuten: „Das war’s.“ Eines der Fotos lädt sie am nächsten Tag bei Instagram hoch. Nach nur zwei Stunden haben fast 60.000 Menschen auf das Herz unter dem Bild gedrückt, einen Tag später 112.000.