Interview Venta-Chef Andreas Wahlich: „Das Bewusstsein für gute Luft ist da“

Ein Venta-Luftfilter aus dem Jahr 2008
Ein Venta-Luftfilter aus dem Jahr 2008
© IMAGO / Schöning
Luftreiniger erlebten in der Pandemie einen Boom. Auch das Familienunternehmen Venta Luftwäscher spürt die gesteigerte Nachfrage. Warum Corona aber nicht nur Vorteile für die Firma hatte und was er für die Zeit danach erwartet, erzählt Venta-Chef Andreas Wahlich

Luftreiniger sind seit der Corona-Pandemie so gefragt wie nie. Inwiefern hat Venta davon profitiert?

ANDREAS WAHLICH: Der Markt mit Geräten zur Luftreinigung hat sich in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als verzehnfacht. Das ist keine normale Entwicklung, sondern dem aktuellen Bewusstsein geschuldet. Das Stammgeschäft von Venta bestand vor der Corona-Pandemie aus dem Verkauf an den Endverbraucher. Bis vor der Pandemiesind unsere Produkte im heimischen Umfeld zum Einsatz gekommen: im Kinderzimmer, Schlafzimmer, Wohnzimmer. Jetzt kaufen auch Anwaltskanzleien, Krankenhäuser, Arztpraxen oder Schulen bei uns. Die Nachfrage von Bereichen, in denen wir vor der Pandemie gar nicht aktiv waren, hat eine beachtliche Dynamik erreicht.

Waren Sie darauf vorbereitet?

Ich glaube, diese Entwicklung konnte niemand in diesem Ausmaß vorhersehen. Wir hatten eh einen Ausbau der Produkte im Bereich der Luftreiniger und der Hybrid-Geräte geplant. Dennoch hat uns die explosionsartige Nachfrage sehr herausgefordert. Unterm Strich muss ich sagen: Corona bringt uns natürlich nicht nur Vorteile.

Wieso?

Wir müssen adjustieren und auf die gestiegene Nachfrage entsprechend reagieren. In den vergangenen zwei Jahren ist es auch bei uns zu Engpässen gekommen. Wir hatten teilweise Lieferzeitenvon bis zu drei Monaten. Inzwischen warten wir teilweise hundert Wochen. Hinzu kommt die explosionsartige Entwicklung der Preise der Elektronikkomponenten. Dass ein Chip, der vorher vielleicht einen Euro gekostet hat, plötzlich zehn Euro kostet, ist überhaupt keine Seltenheit. Diese wahnsinnige Preissteigerung konnten wir in diesem Maße so schnell auch gar nicht an den Markt weitergeben. Die gesamte Versorgung und die Dynamik dahinter führte auf dem Markt zu einer regelrechten Broker-Mentalität: Wenn wir die Komponenten nicht für den ausgeschriebenen Preis kaufen, verkauft der Hersteller sein Produkt eben an den nächsten Kunden, der bereit ist, diesen Preis zu zahlen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Unsere Devise ist und bleibt Made in Germany - dies wird sich auch nicht mit oder nach der Corona-Pandemie ändern. Natürlich müssen wir verschiedene Einzelteile vom Weltmarkt beziehen. Hier ist unser Team selbstverständlich mit Lieferanten in Asien als auch in Europa im engen Kontakt.

Das heißt, wirtschaftlich hat Venta von der Pandemie gar nicht profitiert?

Wir haben eine erhöhte Nachfrage und höhere Umsätze. Einen Wahnsinns-Gewinnschub sehen wir nicht, weil die schnell explodierenden Preise auf der Kostenseite gegen uns arbeiten. Ich will aber nicht klagen. Unser Unternehmen steht wirtschaftlich gut da und wächst sauber und vielleicht sogar ein bisschen überdurchschnittlich.

Wie läuft das Geschäft im Ausland?

Die Internationalisierung des Unternehmens hat während der Pandemie einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben in Deutschland sicher eine völlig andere Situation in Bezug auf den Markt als jetzt beispielsweise in den USA oder China. Was wir auch im Ausland festgestellt haben: Das Bewusstsein für gute Luft ist da. Die Nachfrage ist insgesamt deutlich angestiegen – auch unabhängig von der aktuellen Situation. Inzwischen exportieren wir deutlich mehr als 50 Prozent ins Ausland. Vor der Corona-Pandemie lag unsere Exportrate bei 30 Prozent.

Wie erklären Sie sich das?

Wir haben den Vorteil, lange Laufzeiten gewährleisten zu können. Das heißt, unsere Produkte gehen nicht in der nächsten Saison sofort wieder vom Markt und unsere Kunden haben über viele Jahre einen regionalen und direkten Ansprechpartner. Außerdem müssen sie sich nicht um Ersatzteile sorgen. Dazu kommt, dass wir bei unseren neuen Produkten auf ein umfassendes Smart Home Angebot setzen und unsere Geräte mit regelmäßigen Firmware-Updates und neuen Funktionen erweitern.

Wie bereitet sich das Unternehmen auf die Zeit nach der Pandemie vor?

Die Nachfrage wird sich konsolidieren. Qualitativ hochwertige Produkte werden langfristig am Markt bestehen. Denn es gibt für Verbraucher auch unabhängig von Corona gute Argumente für Produkte, die die Luftqualität verbessern: Allergene in der Wohnungsluft, die Feinstaubbelastung in Städten oder einfach das wachsende Bewusstsein für ein gesundes Raumklima.

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf ntv.de


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