GastkommentarWachstumsturbo Daten‑Analyse

Datenanalyse lohnt sich: Der Umsatz wächst schneller
Datenanalyse lohnt sich: Der Umsatz wächst schneller
© Getty Images

Mit der digitalen Transformation, die in vielen Banken und Finanzhäusern in vollem Gange ist, geht der Anspruch einer besseren Auswertbarkeit unternehmerischer Daten einher. Sogenannte Data & Analytics Strategien, mit deren Hilfe das Kundenverhalten modelliert und Betriebsabläufe optimiert werden, sind im Kommen. Branchenübergreifend besteht allerdings noch erhebliche Unsicherheit über die Wirkung dieser Strategien auf übergeordnete Geschäftsziele.

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie deuten nun darauf hin, dass Unternehmen, welche die Hebung und Verwertung der Datenbasis gezielt nutzen, bei den meisten Performance-Kriterien einen Vorsprung gegenüber Konkurrenten aufweisen.

Wertbeitrag ist messbar

EY hat mehr als 1500 Führungskräfte in Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von mehr als 500 Mio. US-Dollar befragt, davon rund 500 in Europa. Von den führenden sieben Prozent der Teilnehmer, die die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Daten als zentralen Bestandteil ihrer Organisationsstrategie priorisieren, weisen 66 Prozent (also rund 70 Studienteilnehmer) ein Umsatzwachstum von mehr als 15 Prozent auf. Von denjenigen Unternehmen, die über keine ganzheitliche „datenzentrierte“ Strategie verfügen, können dagegen nur rund 25 Prozent ein vergleichbares Ebitda-Wachstum verbuchen.

Zwei von drei Firmen mit besonders „reifen“ Datenstrategien vermelden zudem verbesserte unternehmerische Risikoprofile und erzielen Gewinnmargen von mehr als 15 Prozent. Die deutschen Unternehmen haben sich in ihrer digitalen Reife gegenüber dem Vorjahr zwar um zwei Ränge verbessert, liegen aber hinter China, den USA, Großbritannien und Frankreich nur auf Platz fünf.

Banken und Finanzhäuser machen Fortschritte

Doch wie ist es um den Reifegrad der Kreditinstitute und Finanzdienstleister bestellt? Grundsätzlich lässt sich eine positive Entwicklung feststellen. Die Branche hat wichtige Investitionen getätigt und Schritte zur strategischen Einbindung von Daten unternommen. Gegenüber dem Vorjahresranking verbessern sich die Finanzhäuser um drei Plätze und rangieren nunmehr hinter der Telekommunikations- und Technologieindustrie sowie hinter dem Manufacturing-Sektor auf Platz vier. Immerhin 23 Prozent der befragten Führungskräfte in den Banken und Finanzdienstleistern bestätigen eine fortschrittliche Daten- und Analytikstrategie in ihren Häusern.

Den größten Wertbeitrag leistet die Auswertung der Datenmengen dort, wo sie in der Lage ist, Entscheidungen oder Prozesse statistisch zu untermauern. In den Finanzinstituten kommt dies, neben der grundlegenden Optimierung interner Betriebsabläufe, vornehmlich in den Bereichen Kundenmanagement und Risikomanagement sowie im Berichtswesen zum Einsatz. Basierend auf dem verfügbaren Datenmaterial können Szenarien abgeleitet sowie mögliche Eintrittswahrscheinlichkeiten und Risiken ermittelt werden (sogenannte „Predictive Analytics“).

Versicherungsgesellschaften etwa bilden auf Basis des bisherigen Kundenverhaltens entsprechende Cluster, mit denen sie spezifische versicherungstechnische Risiken in den Policen als auch biometrische Risiken genauer modellieren und steuern.

Für Banken wird, angesichts etwa 1 Billion Euro notleidender Kredite in Europa, eine frühzeitige Erkennung von Problemkrediten und Ausfallrisiken immer wichtiger. Hier können automatisierte Systeme zur Bonitätsprüfung zum Einsatz kommen. Zudem lassen sich auf Basis von Verhaltensdaten die Zahlungsströme kreditsuchender Firmen besser prognostizieren.

Der Trend der Bankenaufsicht, vorsorglich in Strukturen und Abläufe von Kreditinstituten einzugreifen, hält weiter an. Die umfangreichen Aufsichtsanforderungen, etwa im Rahmen der Verordnung zum Kreditmeldewesen („Anacredit”), werden durch innovative Datentechnologien zur Zusammenführung und Qualitätssicherung von Kreditdaten sowie durch fortschrittliche Analysemethoden von Kreditrisiken unterstützt.