KöpfeTrump vs. Clinton - ihre schmutzigen Deals

Donald John Trump

Das Trump Taj Mahal heißt in diesen Tagen nur „mp Taj hal“. Die Beleuchtung ist kaputt, die Silben „Tru“ und „Ma“ bleiben dunkel. Als Donald Trump das damals weltgrößte Kasino 1990 in Atlantic City eröffnete, nannte er es „das achte Weltwunder“. Heute bröckelt die goldene Farbe von den Türmchen, Elefanten und Lämpchen, die das 1,1 Mrd. Dollar teure Haus übersäen. Der rote Teppich ist verblichen. In den Zimmern schimmeln die Duschvorhänge. An den einarmigen Banditen spielen Rentner, und im „Trump Treasury“-Jackpot an einem der Automaten liegen gerade einmal 7,30 Dollar.

Vor der Eingangstür demonstrieren täglich die Mitarbeiter des Hotels. Luis Martinez trägt wie alle von ihnen ein knallrotes T-Shirt: „Kasino-Arbeiter im Streik“ steht darauf. Zehn Jahre lang hat er Hotelgäste bekocht, zuletzt bekam er dafür gerade mal 13 Dollar die Stunde. Das Geld hat nie gereicht. Jetzt streikt er. Er will seine Krankenversicherung und Rentenansprüche zurück, die er bei der letzten der vielen Pleiten des Taj Mahal verloren hat. Wenn eine seiner zwei kleinen Töchter krank wird, weiß er nicht, wie er den Arzt bezahlen soll. „Hier geht doch alles den Bach runter“, sagt der 28-Jährige. „Wenn ich Präsident werden wollte, würde ich meinen Namen da nicht dran lassen.“

Donald Trump 1990 bei der Eröffnung des 1,1 Mrd. Dollar teuren Kasinos Trump Taj Mahal
Donald Trump 1990 bei der Eröffnung des 1,1 Mrd. Dollar teuren Kasinos Trump Taj Mahal – Foto: Getty Images

Nirgends kann man Donald Trumps Bilanz so gut sehen wie in Atlantic City und am „mp Taj hal“. Nirgends wird die Frage so offensichtlich beantwortet: Ist Trump ein guter Geschäftsmann? Es ist sein zentrales Argument im Wahlkampf: Das Land brauche einen guten Geschäftsmann an der Spitze. „Jemanden, der die Marke USA wieder groß macht“, sagt er. Aber hier in Atlantic City steht sein Name an einer bröckelnden Fassade, das Kasino verliert mehrere Millionen Dollar pro Monat. Es wirkt, als sei Trump deutlich besser darin, seinen Namen zu platzieren, als Geschäfte zu machen.

Trump vermarktet sich selbst

Trump pappt seinen Namen auf alles, was nach Luxus klingt, sagt Michael D’Antonio, der eine Trump-Biografie geschrieben hat: „Donald ist brillant darin, sich selbst zu einer lebenden Marke zu machen.“ Neben dem Taj Mahal gab es diverse Produkte, die seinen Namen trugen – und schnell wieder verschwanden, nachdem er Geld darin versenkt hatte: Trump-Hemden und Trump-Krawatten, ein Trump-Brettspiel, Trump-Wasser, Trump-Wein, eine Reisewebsite namens GoTrump.com, Trump-Möbel oder Trump-Parfum. Hergestellt wurde fast nichts davon in den USA, sondern in China, der Türkei, Bangladesch. „Und was genau ist mit der Trump-Airline passiert? Und mit der Trump University?“, lästert Mitt Romney, Ex-Präsidentschaftskandidat der Republikaner. „Und dann das Trump-Magazin und Trump-Wodka und Trump-Steaks und die Trump-Hypotheken. Ein Businessgenie ist er wirklich nicht.“

Trotz all der Businessspielereien ist Trump in erster Linie – wie zuvor sein Vater – Immobilienmogul geblieben. Und auch das mit mäßigem Erfolg. Mehrmals sind Unternehmen, die Trumps Hotels und Kasinos verwalteten, in die Insolvenz gerutscht. Meist wird von Trumps vier Pleiten gesprochen, streng genommen sind es aber sogar sechs: 1991 traf es die Betreibergesellschaft des Taj Mahal in Atlantic City. Ein Jahr nach der Eröffnung war der Kasinoklotz zum ersten Mal pleite. Trump hatte ihn mit Ramschanleihen über 675 Mio. Dollar finanziert, die mit 14 Prozent verzinst waren. Mehr als 1 Mio. Dollar pro Tag hätte das Taj einnehmen müssen, um die enormen Schulden zu tilgen – das schaffte es nie. Wechselnde Investoren haben das Kronjuwel seines Immobilienimperiums danach immer wieder gerettet. Bei jeder Sanierung musste Trump Anteile verkaufen.

1992 dann gingen in Atlantic City zwei weitere Kasinos insolvent, das Trump Castle und das Trump Plaza, und in New York traf es das weltberühmte Plaza Hotel an der Südost-Ecke des Central Parks, das damals ebenfalls Trump gehörte. Die Unternehmen wurden restrukturiert, und nach und nach übernahm eine Holding, Trump Hotels & Casino Resorts, die Objekte – auch das Taj Mahal. 2004 war sie ebenfalls insolvent. Das Nachfolgeunternehmen Trump Entertainment Resorts war dann 2009 pleite.

Trumps Marke ist allgegenwärtig

Seit einigen Jahren gehört Trump nichts mehr in Atlantic City. Die Firma Trump Entertainment Resorts verkaufte er 2009 und hielt nur noch eine Minderheitenbeteiligung. Im Jahr 2014 war sie wieder pleite. Heute gehört sie Trumps Freund, dem Finanzinvestor Carl Icahn, und jetzt hat auch er die Nase voll. Im Herbst soll das Taj schließen. Der Kauf sei „eine schlechte Wette“ für ihn gewesen, sagt Icahn.

Vor einer Privatinsolvenz stand Trump nur einmal, 1991. Die erste Taj-Mahal-Pleite zwang ihn unter anderem, seine Yacht zu verkaufen, um den persönlichen Bankrott abzuwenden. Was seine Firmenpleiten angeht, rühmt er sich, wie er das Insolvenzrecht genutzt, andere Investoren in Atlantic City ausgetrickst – und sich rechtzeitig vor dem Niedergang zurückgezogen hat: „Atlantic City hat für mich eine Menge Wachstum angekurbelt“, sagt der 70-Jährige. „Was ich da an Geld rausgezogen habe, ist unglaublich.“ 1995 zum Beispiel brachte Trump das Trump Plaza Hotel in Atlantic City an die Börse, um anschließend mit dem Geld private Schulden zurückzuzahlen. Viele Kleinunternehmer von seinen Baustellen dagegen bekamen nie ihr Geld. „Er hat eine Menge lokaler Handwerker und Zulieferer in die Pleite getrieben, als er sie nicht bezahlt hat“, sagte Steven Perskie, damals der oberste Kasinoaufseher in New Jersey, der „New York Times“. „Als er sich aus Atlantic City zurückgezogen hat, hat keiner ,schade‘ gesagt, sondern: ‚Wie schnell kannst du hier verschwinden?‘“

Donald Trump 1995 an der New Yorker Börse
1995 brachte Trump das Trump Plaza Hotel in Atlantic City an die Börse – Foto: dpa

In der Fernsehsendung „The Apprentice“ gab Trump jahrelang jungen Unternehmensgründern Tipps, wie sie erfolgreiche Geschäftsleute werden können. Seither kennt ihn fast jeder in den USA. Er habe die Show nicht wegen des Geldes gemacht, schrieb er in einem seiner Bücher, sondern nur wegen der „Markenpräsenz“. Und das ist auch, was andere Unternehmer von Trump lernen können: Marketing. Trumps Marke ist allgegenwärtig. Wer durch New York spaziert, sieht die großen Lettern seines Namens überall, am liebsten goldglänzend: direkt neben dem Uno-Gebäude, an seinem Tower auf der Fifth Avenue in Midtown, an einem Hotel am Columbus Circle, an der Eislaufbahn im Central Park und so weiter.

Wie reich ist Trump wirklich?

Wie erfolgreich oder erfolglos Trump aber als Geschäftsmann wirklich ist, weiß niemand ganz genau, schließlich sind die meisten seiner Firmen nicht börsennotiert und halten Gewinne, Verluste und Eigentümerstrukturen geheim. Trump ist beispielsweise an etlichen Limited Liability Companies als stiller Gesellschafter beteiligt, die fast nichts offenlegen müssen. Dazu wird selten öffentlich, mit wem Trump Geschäfte macht und wer für die Schulden haftet. Auch, was seine Insolvenzen für sein Privatvermögen bedeutet haben, ist nicht klar. Es sieht so aus, als habe er die Kosten für die Pleiten weitgehend auf die Gläubiger abgewälzt und seinen eigenen Reichtum geschützt. Trump weigert sich ebenso beharrlich, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, wie es für Präsidentschaftskandidaten eigentlich üblich ist. Auch eine unabhängige Prüfung seiner Geschäfte lehnt er ab. „Der Erfolg seines Imperiums hängt davon ab, dass er Kredite bekommen und Darlehen für seine Unternehmen verlängern kann“, sagte Richard Painter, der ehemalige Ethik-Anwalt des Weißen Hauses unter Präsident George W. Bush, in einem Interview. „Und wir wissen einfach nicht sehr viel über seine Finanzdeals, hier oder im Rest der Welt.“

Darum weiß auch niemand, wie reich Trump tatsächlich ist. Er selbst behauptet stets, mehr als 10 Mrd. Dollar schwer zu sein. In den wenigen Unterlagen, die er für seine Kandidatur ausfüllen musste, schrieb er, er verfüge über mindestens 1,5 Mrd. Dollar. Bloomberg schätzt sein aktuelles Vermögen derzeit auf 3 Mrd. Dollar, „Forbes“ kommt auf 4,5 Mrd. Vor ein paar Jahren sagte Trump unter Eid, sein Reichtum schwanke – je nachdem, wie er sich an dem Tag fühle. Im Jahr 1978 hat das Magazin „Businessweek“ sein Vermögen auf 100 Mio. Dollar geschätzt. Das klingt erst einmal, als habe er es seither spektakulär vermehrt – egal, ob auf 3 oder 10 Mrd. Dollar. Doch hätte er das Geld 1978 einfach in einen Indexfonds auf der Basis des Standard & Poor’s 500 gesteckt, besäße er inzwischen fast 6,5 Mrd. Dollar.

Oft täuscht auch der Eindruck, den seine Marke hinterlässt. Denn bei vielen von Trumps Immobilien steht zwar sein Name an der Fassade – nur gehören ihm die Gebäude und Grundstücke gar nicht. Das Haus in der Wall Street Nummer 40 in New York ist so ein Fall. Trump hat einen langfristigen Pachtvertrag und managt das 71-stöckige Hochhaus. Das Grundstück aber gehört zwei Limited Companies, deren Eignerstrukturen geheim sind und denen Trump Miete zahlt. So macht er es inzwischen oft. Die Verwaltungsgeschäfte bringen zwar nicht so hohe Gewinnmargen wie seine alten Immobiliendeals, bergen dafür aber auch weniger Risiken. Manchmal vergibt er seinen Namen auch per Lizenz. Er sieht ihn einfach gern. Von den 515 Firmen, an denen Trump laut Unterlagen bei der Wahlaufsichtsbehörde beteiligt ist, tragen 268 seinen Nachnamen.

„Ich liebe Schulden“

Laut der „New York Times“ haben seine diversen Unternehmen zusammen Schulden von mindestens 650 Mio. Dollar – doppelt so viel, wie er in den Unterlagen angegeben hat, die er für seine Kandidatur für das Weiße Haus bislang veröffentlichen musste. Er steht tief in der Schuld bei Banken, die er in seinen Reden lautstark kritisierte: der Bank of China und Goldman Sachs. „Ich bin der König der Schulden“, sagte Trump einst in einem Interview mit CNN, „ich liebe Schulden.“ Die „New York Times“ vermutet, dass sein Schuldenberg – unter anderem bei Chinas Staatsbank – beeinflussen könnte, welche politischen Entscheidungen er als Präsident der USA träfe. Würde er wirklich Chinas Regierung mit Zöllen verärgern, obwohl er persönlich indirekt von ihrer Gunst abhängig ist? Trump hat verkündet, dass im Falle einer Präsidentschaft wahrscheinlich seine Kinder die Geschäfte übernehmen würden.

Vor dem Taj Mahal in Atlantic City streiken die Mitarbeiter
Vor dem Casino Taj Mahal in Atlantic City streiken die Mitarbeiter – Foto: Getty Images

An Atlantic Citys Strandpromenade sieht es tatsächlich aus, als stecke das Land in dem Niedergang, von dem Trump immer spricht: bröckelnder Putz, frittiertes Essen zu Billigpreisen, überall Möwenkot und laute Musik aus Ramschläden. T-Shirts mit Aufdruck „Make America Great Again“ kosten 10 Dollar. Und vor dem Trump Taj Mahal demonstrieren weiter die Kasinomitarbeiter in ihren roten T-Shirts. Dass Trump – als Geschäftsmann oder Politiker – ihr Land und ihr Leben besser machen will, glaubt keiner der Arbeiter im „mp Taj hal“. „Ich verstehe ja nicht genau, wie das mit den Insolvenzen funktioniert und warum Trump da selbst anscheinend kein Geld verloren hat“, sagt Luis Martinez, der streikende Koch. „Aber wenn man die Geschichte hier kennt, kann man Trump auf keinen Fall wählen.“ Martinez hat Gerüchte gehört, dass Trump seinen Milliardärskumpel, den Taj-Mahal-Eigentümer Icahn, zum Finanzminister machen will. „Manchmal“, sagt Martinez, „kommt mir das alles vor wie ein großer, schlechter Witz.“