InterviewStarke Marken, teure Oldtimer

Bernd Pischetsrieder
Bernd Pischetsrieder in seinem Büro bei Mirbach
© Conny Mirbach

Bernd Pischetsrieder war von 1993 bis 1999 Vorstandschef von BMW. Von 2002 bis 2006 stand er an der Spitze des Volkswagen-Konzerns. Seit 2013 ist er Mehrheitsgesellschafter des Oldtimer-Händlers Mirbach. An dem Gespräch nahm auch Mirbach-Geschäftsführer Harald Henninger teil.


Capital: Herr Pischetsrieder, sie beschäftigen sich seit vielen Jahren privat und aus Profession mit Klassikern und Sammlerfahrzeugen. Sie verfügen über eine ausgedehnte Auto-Sammlung. Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Autos ausgesucht?

Pischetsrieder: Ich habe nur Autos, die ich gerne fahre. Ich habe privat nie ein Auto aus Spekulationsgründen gekauft. Dass einige der Fahrzeuge in den vergangenen Jahren massiv im Wert gestiegen sind, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Die Preise für Oldtimer, so hat man den Eindruck, kennen offenbar derzeit nur eine Richtung: nach oben. Erleben wir auf dem Klassiker-Markt eine Spekulationsblase?

Pischetsrieder: Ja und nein. Es gibt eine Menge Fahrzeuge, die äußerst selten sind und auch heute noch unter Wert gehandelt werden. Es gibt genauso viele, die sind nicht gerade selten, aber aus irgendwelchen Gründen en Vogue und haben Preisregionen erreicht, die eigentlich nicht dafür stehen. Ein 250er Ferrari, von dem es vielleicht 200 Exemplare gibt, der wird an Wert sicher nicht mehr drastisch verlieren. Bei einem Auto, von dem es 3000 gibt, da bin ich mir nicht so sicher.

Sie meinen den Mercedes 300 SL?

Pischetsrieder: Da gibt es einige Beispiele.

Der BMW 507 wird mittlerweile sogar noch teurer gehandelt als ein 300 SL. Ist das gerechtfertigt?

Pischetsrieder: Von dem gibt es auch nur 250 Stück. Deswegen war bei diesem Auto die Preisentwicklung der vergangenen Jahre absehbar. Denn es gibt deutlich mehr betuchte BMW-Fans auf der Welt als BMW 507.

„Ich traue keinem Modell, dass es mehr als 1000mal gibt“

38 Mio. Dollar für einen Ferrari 250 GTO, 29,5 Mio. Dollar für einen Mercedes W196 Silberpfeil – sind solche Auktionsergebnisse rational zu begründen? Werden wir, wie auf dem Kunstmarkt, Auktionsergebnisse von über 100 Mio. Euro sehen?

Pischetsrieder: Nicht auszuschließen. Das ist aber ein Segment, das eine große Öffentlichkeitswirkung hat, mit dem Oldtimer-Hobby aber nichts zu tun hat. Da bieten sich Trophäen-Sammler gegenseitig hoch, wie man sie auch auf dem Kunstmarkt findet. Und dort werden noch ganz andere Preise erzielt.

Das heißt, verglichen mit einem Picasso ist ein Ferrari GTO noch billig?

Pischetsrieder: Jedenfalls gibt es mehr Picassos als Ferrari GTOs.

Wo würden Sie die Grenze bei den Stückzahlen ziehen, was ist sammelwürdig?

Pischetsrieder: Ich traue keinem Modell, dass es mehr als 1000mal gibt.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für den Preisauftrieb? Wachsendes Interesse an alten Autos, ein Mangel an Anlagemöglichkeiten, die niedrigen Zinsen, Inflationsangst?

Pischetsrieder: Bei den zweistelligen Millionenbeträgen spielt auch der Anlageaspekt eine Rolle. Während zum Beispiel in Deutschland die Neuzulassungen stagnieren, steigen die Oldtimer-Zulassungen jedes Jahr um zehn Prozent. Bei den allermeisten spielt aber eher Sentimentalität eine Rolle. Der Vater ist so ein Auto gefahren, oder man hat als Bub davon geträumt. Das ist ein ganz stabiler Trend. Autos, die zu sechsstelligen Preisen gehandelt werden, sind mittlerweile auch zu einem guten Anlageobjekt geworden.