KommentarKollege Roboter, Sie sind gefeuert!

Roboter als Berater? In der Anlageberatung eine Fehlbesetzung
Roboter als Berater? In der Anlageberatung eine Fehlbesetzung
© Getty Images

Dr. Marc Oliver, RoboberaterMarc Oliver Lux ist Vermögensverwalter der Dr. Lux & Präuner Vermögensverwaltung in München

 


Wo haben Roboter in der Finanzindustrie ihren Platz? Manche Banken meinen: In der Anlageberatung. Das ist aus der Perspektive der Kreditinstitute auch verständlich. Roboter sind billiger als Menschen. Vor allem, wenn sie irgendwo im Internet nur als Algorithmus existieren. Die Software verspricht dann etwa die Umsetzung der „neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse“ und meint, „in vier Schritten zur professionellen Geldanlage“ führen zu können.

Leider geht es bei uns nicht so schnell. Wir brauchen manchmal mehrere Treffen, um die komplexen Belange unserer Kunden zu verstehen und uns in Ihre Vermögenssituation richtig hineindenken zu können. Das wird für einen Roboter noch lange unmöglich bleiben. Er scheitert heute noch an wesentlich einfacheren Beratungsaufgaben. Ich kenne keinen Roboberater, der etwa den Fall einer (stinknormalen gemeinnützigen) Stiftung, wovon es mehr als 20 000 in Deutschland gibt, annähernd adäquat beratend lösen könnte. Schon die Verbindung aus unendlichem Anlagehorizont und gesetzlich gebotenem jährlichen Kapitalerhalt setzt die maschinellen Kollegen matt. Von der Notwendigkeit der Generierung stabiler Erträge für den Stiftungszweck ganz zu schweigen.

Roboter sollte man da einsetzen, wo sie taugen, aber nicht in einem Metier, in dem es um Sensibilität, Verständnis und Individualität geht, wie in der Vermögensberatung. Dass sie trotzdem in genau diesem Bereich bevorzugt zum Einsatz kommen, ist nicht nur Folge des riesigen Renditedruckes, unter dem die Banken stehen. Auch der Gesetzgeber trägt mit Beratungskillern wie den MIFID-Gesetzen seinen Teil der Schuld an den unguten Entwicklungen.

Tatsache also bleibt: In der Finanzberatung führt vorerst kein Weg am Menschen vorbei. Für Roboter gibt es Einsatzfelder in anderen Bereichen des Finanzmarktes. Ich denke an die Steuerung von Vermögen (wohlgemerkt: nicht das Algotrading). Da machen Menschen oftmals Fehler, weil ihnen ihre Psyche reihenweise Streiche spielt, etwa wenn es um die zeitige Realisierung von Verlusten oder die rational nicht begründbare Bevorzugung heimischer Vermögensanlagen geht. Maschinen, die völlig ohne Emotionen anlegen und nur ihren programmierten Anlageregeln verpflichtet sind, bleiben dagegen cool. Bewährte und einfache Regeln setzt niemand besser um als der Roboadviser. Der Kollege Roboberater sollte dagegen schnellstmöglich entlassen werden.