PorträtRené Benko - der Wunderwuzzi

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Das „Upper West“ am Berliner Ku’damm ist eine typische Benko- Immobilie – die obersten zwei Etagen sind Signas Deutschlandzentrale
Das „Upper West“ am Berliner Ku’damm ist eine typische Benko-Immobilie – in den obersten zwei Etagen liegt Signas Deutschlandzentrale (Foto: dpa)

Immer wieder hat es Benko in jenen Anfangsjahren verstanden, erfolgreiche Bündnisse zu schmieden. Zunächst mit Johann Zittera, einem Star der damaligen Innsbrucker Immobilienszene. Im Jahr 2000 gründet Benko seine Firma Immofina. Zittera, der in der Signa-Chronik heute nur als namenloser „Projektentwickler“ geführt wird, bringt Benko mit wichtigen Leuten in Kontakt, etwa dem Banker Helmut Holzmann, der ihn in die Finanzwelt einführt. Auch Zitteras Ferrari leiht sich Benko gelegentlich, um bei Geschäftsreisen in Wien aufzufallen.

2001 beteiligt Benko dann für 26 Mio. Euro den Tankstellenerben Karl Kovarik an seiner Firma, die er 2006 in Signa umbenennt. Mit dem Geld des Millionärs kann Benko immer größere Projekte stemmen. Er macht sich landesweit einen Namen als Entwickler von Ärztezentren, kauft das vom Verfall bedrohte Kaufhaus Tyrol in seiner Heimatstadt Innsbruck. Die Luxusschlitten, die er fährt, gehören nun ihm selbst.

Die Wiener Großbanken aber trauen dem jungen Provinzler lange nicht über den Weg. „Benko wurde anfangs mehrmals totgesagt, weil er nicht sehr kapitalstark war“, sagt ein Topmanager eines österreichischen Baukonzerns. „Aber er hat immer wieder Partner gefunden, ohne den Lead abzugeben.“

2009 holt sich Benko erneut einen potenteren Finanzier ins Boot: Mit 50 Prozent steigt der griechische Reeder George Economou ein. Der Besitzer einer der größten Tankerflotten der Welt katapultiert das Signa-Geschäft auf ein neues Level. Zwar warnen Großbanken und seriöse Analysten schon lange vor allem, worin Economou seine Finger hat, doch Benko ist in dieser Karrierephase nicht wählerisch bei seinen Finanziers. Ein Verfahren wegen eines Bestechungsversuchs in Italien, das für ihn mit einer Bewährungsstrafe endet, erschwert es ihm, Kapital aufzutreiben. Als Economou 2015 aussteigen will, holt Benko als Investor die Schweizer Falcon Bank in die Holding. Das Institut, eine Tochter des Staatsfonds von Abu Dhabi, gerät wenig später wegen einer Geldwäscheaffäre in die Schlagzeilen.

Auch bei einem großen Deal in Deutschland hat Benko keine Scheu vor skandalumwitterten Partnern. Als er 2013 das Premium- und Sportgeschäft von Karstadt übernimmt, beteiligt er den israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz. Der Milliardär ist in eine ganze Reihe von Korruptions- und Geldwäscheaffären verwickelt, die ihn später ins Visier des FBI bringen.

Das Netzwerk

Die Maria-Theresien-Straße liegt im Herzen von Innsbruck, eine Prachtmeile, geprägt von jahrhundertealten Säulen, Figuren und Balkonen. Nur ein Gebäude sticht hier in seiner kühlen, modernen Schlichtheit heraus: das Kaufhaus Tyrol, Benkos „Gesellenstück“, wie er es gerne nennt.

Tatsächlich ist das Kaufhaus, das die Handschrift des britischen Stararchitekten David Chipperfield trägt, eine Mall, die 49 Läden beherbergt: Benetton, Massimo Dutti, Levi’s, Lindt, Saturn, H&M. Es war heftig umstritten, eine solche Kommerzbude zwischen all den Barock und Rokoko zu stellen, aber heute ist Innsbruck stolz auf das Tyrol.