InterviewNils Landgren über seine erste Million

Nils Landgren im Dezember 2016 bei einem Konzert in Berlin
Nils Landgren im Dezember 2016 bei einem Konzert in Berlin
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Herr Landgren, Sie treten immer mit einer roten Posaune auf. Wie kam es dazu?

Sie ist eine Spezialanfertigung, die mir das Haus Yamaha 1984 angeboten hat. Ich dachte, Miles Davis hatte Trompeten in Grün oder Orange-Schwarz. Also entschied ich mich für Rot. So entstand mein Spitzname Mr. Red Horn.

Damals hatten Sie schon einigen Erfolg als Musiker. Sonst bekommt man wohl nicht so ein Angebot.

Nach der Musikhochschule hatte ich mich in Stockholm als Jazz-Posaunist in Clubs und Orchestergräben durchgeschlagen. Ende der Siebziger durfte ich dann unter anderem für Abba in „Voulez-Vous“ ins Horn blasen. So wurde ich bekannter.

In die Top-Liga der europäischen Jazz-Szene war es trotzdem noch weit. Wann ging es bergauf?

Der Durchbruch kam beim Festival Jazz Baltica in Schleswig-Holstein 1994. Zwei Konzerte mit dem Saxofonisten Maceo Parker kamen so gut an, dass das Label ACT aus München uns einen Plattenvertrag anbot. Das war genau, was ich wollte: raus in die Welt. Zum Glück hatten wir eine neue Platte. Mit der tourten wir durch Deutschland. Anfangs war das ein Superminus – wie beim Konzert im Berliner Tränenpalast: Es gab Platz für 2500 Leute, und es kamen etwa 40. Wir mussten sogar das bestellte Bier noch bezahlen!

„Das Wow-Gefühl muss erst noch kommen“

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Aber wie haben Sie dann die erste Million eingespielt?

Auf der Tour gingen sensationelle 3000 Platten weg. Die Fangemeinde wuchs. Mit verschiedenen Formationen füllten wir in Europa Konzertsäle von 500 Fans bis zu mehreren Tausend. Dann wurde ich als Solist und künstlerischer Leiter von Bigbands und Sinfonieorchestern engagiert. Zu Open-Air-Auftritten kommen bis zu 40.000 Fans. Oft komme ich im Jahr auf mehr als 200 Konzerte, und inzwischen habe ich fast eine Million Alben verkauft – das ist für einen Popstar nichts, für einen Jazzmusiker richtig viel. In Schwedenkronen kam die Million früher, in Euro über die Jahre wohl Anfang der 2000er zusammen. Aber klar – es könnte mehr sein. Das Wow-Gefühl muss erst noch kommen.

Wieso? Sind Sie jetzt nicht reich?

Ich kann sehr gut leben, aber ich arbeite mit guten Musikern und will die gut bezahlen. Viele Einnahmen gehen etwa auch an die Plattenfirmen – was gut ist, weil die wieder in neue Musik investieren. Privat bewohne ich mit meiner Frau ein kleines Fischerhaus nahe Ystad in Südschweden. Ihr Deutschen nennt das glaube ich Wallander-Land.

Misst sich Erfolg heute nicht sowieso am meisten in Klicks?

Von Streamingdiensten profitieren wir als kleiner Teil der Musikindustrie gar nicht. Den Plattformen mangelt es an Respekt für Urheberrechte, alles soll gratis sein. Da sage ich gern: Gib mir dein Gehalt, dann schenke ich dir meine Musik! Aber hätte ich eine Lösung für das Problem, wäre ich schon Multimillionär.


Nils Landgren, 61, begann mit 13 Jahren, Posaune zu spielen, und ist heute einer der bekanntesten und erfolgreichsten europäischen Jazzmusiker – insbesondere dank seiner Band Nils Landgren Funk Unit


Meine erste Million erscheint monatlich in Capital. Weitere Folgen: Sipgate-Chef Tim Mois, Autohändler Burkhard Weller, TV-Entertainer Eckart von Hirschhausen, Filmregisseur Roland Emmerich, Schriftstellerin Cornelia Funke, Immobilienunternehmer Christian Völkers, Rapper Samy Deluxe, Schiffscontainerhändler Ian Karan, Filmproduzentin Regina Ziegler, Start-up-Investor Morten Lund, Vaude-Gründer Albrecht von Dewitz, Trigema-Chef Wolfgang Grupp, Ex-Manager Jan Bredak, Investor Frank Thelen, Vermögensverwalter Gottfried Heller, Reiseunternehmerin Jasmin Taylor, Ex-Rennfahrer Niki Lauda, Promi-Wirt Michael Käfer, Erlebnisunternehmer Jochen Schweizer, Internetunternehmer Fabian Heilemann, Modedesignerin Jette Joop, Scanhaus-Chef Friedemann Kunz, Lichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz und Xing-Gründer Lars Hinrichs.

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