AnalyseMittelstand setzt auf Zuwanderung

Ob Trumponomics, Brexit oder die Turbulenzen in der Türkei: Deutsche Mittelständler müssen sich im Ausland ständig neu orientieren – und sich dafür personell flexibel aufstellen. 520.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erwirtschaften Umsätze im Ausland. Dass die Mitarbeiterschaft inzwischen ähnlich bunt ist wie die Märkte, zeigt eine aktuell veröffentlichte Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels.

Fast drei Viertel der mittelständischen Arbeitgeber haben demnach ausländische Beschäftigte. Der Großteil, nämlich 55 Prozent, stamme aus EU-Partnerländern, 30 Prozent aus Drittstaaten. Auch Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten sind dabei keine Ausnahme: 63 Prozent von ihnen haben internationales Personal. Insgesamt zählte Deutschland Ende 2016 drei Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne deutschen Pass.

An der Spitze der Abeitnehmervielfalt bei den KMU steht – kaum überraschend – der Groß- und Einzelhandel. Dort beschäftigen vier von fünf Arbeitgebern Ausländer, so die Analyse. Im Handel wie im verarbeitenden Gewerbe sind besonders häufig EU-Bürger in der Belegschaft, während Dienstleister – und darunter vor allem „die wissensintensivsten Branchen“ – überdurchschnittlich viele Drittstaatler in ihre Firmen holen.

Ausländische Fachkräfte werden wichtiger

Konzerne nennen das Diversity. Immer mehr von ihnen legen umfangreiche Programme dafür auf und verankern es als Ziel in ihrer Unternehmensstrategie. Mittelständler handelten eher aus der Notwendigkeit heraus, meint der Chefvolkswirt der KfW, Jörg Zeuner. Engpässe beim Arbeitsangebot müssten durch ausländische Erwerbspotenziale abgefedert werden. Da EU-Partner vor ähnlichen demografischen Herausforderungen stehen wie Deutschland, gewinnen Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern an Bedeutung.

Folglich setzen die Mittelständler für die Zukunft immer stärker auf die Zuwanderung. Auch das spiegelt die KfW-Analyse der Einstellungspläne wider: 52 Prozent der Mittelständler haben vor, in den nächsten fünf Jahren gezielt nach ausländischen Mitarbeitern zu suchen, nach 38 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Jeder vierte will bis 2021 den Fokus auf die Anwerbung von Drittstaatlern legen, bisher nur jeder zehnte.

„Deutschland profitiert von der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte“

„Schon jetzt ist die Unsicherheit über das Fachkräfteangebot ein wesentliches Innovations- und Wachstumshemmnis“, erklärt KfW-Ökonom Zeuner. Ein offener europäischer Arbeitsmarkt sei daher eine zentrale Voraussetzung für die künftige Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. „Deutschland profitiert seit Jahrzehnten von der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und ist auch in Zukunft darauf angewiesen.“

Dass Diversity auch für den Geschäftserfolg von Vorteil sein kann, zeigte bereits 2015 die Mittelstandsstudie „Triebwerk des Erfolgs“. Bei fast drei Viertel der Betriebe hat demnach Vielfalt in der Belegschaft die Produktivität erhöht, 68 Prozent der Firmen hätten die Mitarbeiterzufriedenheit steigern können.