GastkommentarVier üble Jahre für den Klimaschutz

Der G7-Gipfel, den man eigentlich G6-Gipfel nennen müsste, hat ernüchternde Ergebnisse geliefert. Die USA wollen sich an vielen wichtigen Aufgaben, allen voran der Bekämpfung des Klimawandels, nicht mehr beteiligen. Zwar hat US-Präsident Donald Trump nicht sofort den Austritt aus dem Klimaabkommen verkündet. Aber seine bisherigen Taten lassen nichts Gutes für den Klimaschutz erwarten.

Wie kein anderer Präsident vor ihm steht er für eine rückwärtsgewandte Energiepolitik, er torpediert jegliche Klimaschutzaktivitäten im eigenen Land. Seit Trump im Amt ist, regiert die fossile Energieindustrie die USA: Ein Anwalt der Öl- und Kohleindustrie steht an der Spitze der US-Umweltbehörde. Der Energieminister leugnet den Klimawandel. Der Außenminister leitete einst einen Ölkonzern. Und auch der Innenminister sympathisiert mit der Gas-, Kohle- und Ölindustrie.

Folgerichtig gibt es seit Trumps Amtsantritt im Januar 2017 auf der Website des Weißen Hauses keinen einzigen Treffer mehr zum Suchbegriff „climate change“. Stattdessen wird Trumps „America First Energy Plan“ angekündigt: Schluss mit dem „Climate Action Plan“ seines Vorgängers, Schluss mit den unnötigen Investitionen in erneuerbare Energien, den Hürden für das Fracking und dem Verbot, in der Arktis nach Öl zu bohren.

Es gibt allen Grund zum Pessimismus

Trump steht für das Comeback von Öl, Gas und Kohle. Er verspricht die Rückkehr zu den guten alten Zeiten, in denen die amerikanische Industrie unangreifbar schien. Mit den noch immer vorhandenen Öl-Ressourcen soll sich Amerika einen mächtigen Platz an der Spitze der Weltwirtschafts sichern. Die Arbeitsplätze, die Trump versprochen hat, sind auch und gerade Arbeitsplätze in der fossilen Energiewirtschaft. Die Zahlungen für die UN-Klimaprogramme will er hingegen einstellen. Das erklärte Ziel: Die Re-Industrialisierung Amerikas.

Selbst dem zuversichtlichsten Optimisten ist inzwischen klar: Es gibt allen Grund zum Pessimismus. Eine der letzten Amtstaten von Präsident Barack Obama war es, einen Artikel im angesehenen, wissenschaftlichen Wochenmagazin Science zu veröffentlichen. Darin wendet er sich explizit an Trump und seine Regierung, erläutert Punkt für Punkt die globale Erwärmung und ihre Folgen, erinnert an die Notwendigkeit von globalem Klimaschutz und unterstreicht die wirtschaftlichen Chancen der erneuerbaren Energien.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der scheidende US-Präsident nimmt sich in seiner allerletzten Woche im Weißen Haus die Zeit für einen Fachartikel und erklärt seinem Nachfolger den Klimawandel. Er wusste genau warum. Jetzt wissen wir es auch.

Vielleicht sind die Trump-Jahre heilsam

Auch wenn es bisher noch nicht so ausgesprochen wurde: Klimaschutz spielt für Trump keine Rolle. Im Gegenteil, aus Trumps Sicht behindert er das Comeback der fossilen Energien. Die anderen Staaten rücken nun näher zusammen und besinnen sich auf eigene Stärken. Beim G20-Treffen werden die neuen Allianzen noch sichtbarer werden. Die USA werden im weltpolitischen Gefüge unbedeutender werden.

Für den Klimaschutz sind es trotzdem beunruhigende Zeiten. Der aktualisierte Film „Die unbequeme Wahrheit“, der jüngst bei den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt wurde, macht die Dramatik des Klimawandels einmal mehr deutlich. Der Beinahe-US-Präsident Al Gore wird seit vielen Jahren nicht müde, auf die Gefahren eines ungebremsten Klimawandels hinzuweisen. Die Realität ist mittlerweile erschreckender, als man es je vorhergesehen hatte.

Die Trump-Jahre werden in der Tat in vielerlei Hinsicht schreckliche Jahre für den internationalen Klimaschutz. Aber vielleicht sind es auch heilsame Jahre. Denn eines wird deutlich: Weder Klimaschutz noch eine nachhaltige Energiewende sind ausgemachte Sache. Alle sind gefordert, für einen aktiven Klimaschutz und eine Energiewende einzutreten. Trump steht für die Vergangenheit. Klimaschutz für die Zukunft. Alle Länder, die sich für eine nachhaltige Zukunft eintreten, werden enger zusammenrücken müssen. Dann gibt es eben G6- oder G19-Beschlüsse für den Klimaschutz. Die, die nicht mit der Zeit gehen, gehen mit der Zeit.


Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Ihr neues Buch „Das fossile Imperium schlägt zurück – 
Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen“ erschien am 20. April 2017. (Foto: dpa)