History-Serie John Law - von Frankreichs drohender Staatspleite zur ersten Aktienblase

John Law, 1671–1729
John Law, 1671–1729
© Gemeinfrei
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts droht Frankreich die Pleite. Der brillante Schotte John Law rettet das Land mit einem neuartigen Kreditsystem. Dann reißt er es in den Abgrund

Die Weihnachtsmesse 1719 in Saint-Roch zu Paris ist ein denkwürdiges Spektakel. Der neue Heiland schreitet heute zum ersten Mal persönlich durch die Reihen seiner Gemeinde. John Law, den ganz Frankreich jetzt vergöttert, ist erst wenige Tage zuvor zum Katholizismus übergetreten. Bloß aus Karrieregründen, denn nur als Katholik kann der 48-jährige Schotte auch noch zum Contrôleur Général des Finances befördert werden – zum Finanzminister. Faktisch ist er damit Regierungschef des mächtigsten Königreichs Europas.

Aber wen interessieren hier religiöse Details? John Law, dessen Namen sie in Paris wie „Lass“ aussprechen, hat die Nation von ihrer erdrückenden Staatsschuld erlöst. Er hat finanzielle Wunder gewirkt, wie sie die Welt bis dahin noch nicht kannte, hat eine zerrüttete Wirtschaft wieder ans Laufen, ja ins Tanzen und Schweben gebracht. Auch Dienstmädchen scheffeln Geld im Aktiengeschäft. Für die Gewinner des Booms ist eigens ein neues Wort erfunden worden: „millionnaire“. Selbst John Laws Kutscher ist so reich, dass er einen eigenen Kutscher einstellt.

Die Macht des Finanzmanagers Law übertrifft fast alles, was es zuvor und danach gegeben hat: Der Banker, der den Staatsbankrott des verstorbenen Sonnenkönigs Ludwigs XIV. weggezaubert hat, ist nun selbst ein Sonnenkönig des Geldes. Ausgedrückt in den Kategorien des frühen 21. Jahrhunderts ist er Alan Greenspan und Warren Buffett in einer Person, dazu noch Chef von Goldman Sachs und aller anderen wichtigen Großkonzerne des Landes. Er ist außerdem oberster Verwalter aller Steuern und Staatsanleihen sowie ferner Chef einer Entwicklungsgesellschaft, der unter anderem ein Drittel des Territoriums der heutigen USA gehört. Ihr Name: die Mississippi-Kompanie.

Das ganze Volk verehrt ihn

Selbstverständlich ist er unfassbar reich. Dem Privatmann Law gehören ganze Straßenzüge von Paris, darunter mehr als ein Drittel der heutigen Place Vêndome. Er besitzt über ein Dutzend Landgüter, dazu Plantagen in der Neuen Welt. Von all den Aktienanteilen an der Mississippi-Kompanie gar nicht erst zu reden.

Aber das Beste ist: Das ganze Volk verehrt ihn, Hofdamen und Bettler werfen sich ihm gleichermaßen zu Füßen. Wer bei Laws großem Aktienspiel nicht selbst gewonnen hat, kann zumindest auf seine Freigiebigkeit hoffen.

Sehr jung, sehr eitel, gut aussehend, ziemlich reich und völlig ohne Aufsicht
Charles Mackay

Für die Gemeinde Saint-Roch, die ihn zum Kirchenvorstand ernannt hat, lässt der Erlöser gleich 100.000 Livre springen, weitere 100.000 gibt er für die Armen; bei seinen Kutschfahrten schmeißt er schon mal Goldmünzen aus dem Fenster. Zur Jahreswende 1719/20 steht John Law auf dem Gipfel seines Ruhmes.

Allerdings nicht lange. Ein paar Monate später wird das System Law mit einem gewaltigen Rums kollabiert sein. Frankreichs Wirtschaft liegt in Scherben, auch Laws Vermögen ist verpufft. In Paris ist er seines Lebens nicht mehr sicher und muss ins Ausland fliehen. Bis die Folgen des Zusammenbruchs für Frankreichs Wirtschaft wieder halbwegs gekittet sind, werden Jahrzehnte vergehen.

Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des John Law klingt heute wie ein Märchen, zu fantastisch, um wahr zu sein. Aber sie hat sich tatsächlich so ereignet und sie beschäftigt die Ökonomen und Historiker bis heute.

Der Kreditalchemist

John Law wird 1671 in Edinburgh in die Familie eines Goldschmieds und Bankiers geboren. Der intelligente Jüngling heißt bei den Damen bald schon „Beau Law“. Als sein Vater 1688 stirbt und ihm einiges Geld hinterlässt, flieht John aus dem Kontor sofort nach London: hinein in die Welt der eleganten Salons und der großen Finanzgeschäfte. „Sehr jung, sehr eitel, gut aussehend, ziemlich reich und völlig ohne Aufsicht“ – so beschreibt der Journalist Charles Mackay den Neuankömmling in seinem Werk „Aus den Annalen des Wahns“, das 1841 erschien.

Laws Charme und sein mathematischer Scharfsinn machen ihn bald zu einem Star der Spieltische. Doch er zockt sich fast um seinen Kopf: Eine Frauengeschichte verwickelt ihn in ein Duell, er tötet den Gegner und wird als Mörder zum Tode verurteilt. Nur dank der Hilfe reicher Freunde kann der 23-Jährige aus der Gefängniszelle ins Ausland entwischen.

Gut 20 Jahre lang tingelt Law nun durch die High Society und die Finanzplätze Europas. Der geniale Playboy erspielt sich viel Geld und genießt das Leben. Aber noch mehr als das Amüsement interessieren ihn bald die Prinzipien von Spekulation, Kredit und erfolgreichem Handel. Das System, mit dem Reichtum zu erzeugen ist.

Viel Neues gibt es da zu studieren. Im selben Jahr, in dem Law aus London flieht, gründen dort einige Kreditgeber des Königs die Bank of England, eine Hausbank für den Hof, aus der später die britische Zentralbank entsteht. In Amsterdam verdienen die Kaufleute klotzig im Asienhandel. Für die Eroberung des Fernen Ostens haben sie Handelskompanien gegründet und das Prinzip der Aktiengesellschaft erfunden. Börse und Banken blühen.

Seine Heimat Schottland hat sich leider an einer Karibikexpedition verhoben. Law, der an eigenen Finanzkonzepten bastelt, schlägt die Gründung einer neuartigen Bank vor, deren Noten mit Grund und Boden besichert sein würden. Eine solche Bank könnte auch und gerade dann reichlich Kredit vergeben, wenn es kaum noch Gold- und Silbermünzen im Land gibt. Wie viel Geld für den Wirtschaftskreislauf zur Verfügung steht, hinge dann nicht mehr von der vorhandenen Menge an Edelmetall ab, die Wirtschaft könne sich schneller erholen. Doch das Parlament lehnt den Plan ab. Am Ende übernehmen die Engländer seine alte Heimat Schottland: 1707 fusionieren beide Länder zum „Vereinigten Königreich“.

Die ersehnte Chance bekommt Law schließlich in Frankreich. Viele teure Kriege haben die Finanzen Ludwigs XIV. zerrüttet; als der Sonnenkönig 1715 nach über 70 Regierungsjahren stirbt, läuft schon alles auf den Staatsbankrott zu. Die Wirtschaft liegt am Boden, in Paris zieht man verzweifelt die üblichen ruppigen Register: Der Goldanteil in Münzen wird herabgesetzt, man jagt korrupte Staatsdiener und Steuerhinterzieher, und natürlich spart der Staat. Aber das alles reicht jetzt nicht mehr, um die gigantischen Fehlbeträge zu decken.

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Der eigentliche Thronfolger ist noch minderjährig, darum übernimmt nach Ludwigs Tod der Herzog von Orléans die Regentschaft. Der Herzog aber liebt Lustbarkeiten mehr als die Finanzpolitik. Also lässt er endlich den smarten Schotten machen, der ihm am Spieltisch schon so lange in den Ohren gelegen hat. Ein kluger absoluter Herrscher, so behauptet Law, könne den Kredit so weit ausdehnen, „dass er sich alle Summen beschaffen könnte, derer er nur immer bedarf“. Der Kredit-Alchemist will das Geheimnis des Steins der Weisen kennen: „Es besteht darin, Gold aus Papier zu machen.“

1716 darf Law – erst einmal auf eigenes Risiko – die private Banque Générale gründen. Sie gibt Banknoten heraus. Papiergeld. Die Scheine sind nicht mit Grund und Boden besichert, wie er es in Schottland vorgeschlagen hatte, stattdessen deckt die Bank sie mit Gold- und Silbermünzen sowie dem Versprechen, die Papiere jederzeit wieder gegen Hartgeld einzutauschen. Woher das stammt? Die Bank verkauft Aktien gegen Edelmetall, außerdem deponieren Kunden ihre Münzen bei der Bank.

Das Prinzip, Münzen aus Edelmetall gegen „Quittung“ – also gegen Banknoten – zu deponieren, ist nicht völlig neu. Laws Scheine aber werden schnell beliebt, weil sie anfangs nicht nur die Rückzahlung des Nennwerts der Münzen versprechen, sondern auch deren Edelmetallgehalt garantieren. So bieten sie Schutz vor Münzverschlechterungen.

Der eigentliche Clou seines Instituts besteht jedoch darin, dass in Wahrheit nur ein Teil des Banknotenumlaufs durch Die Edelmetall gedeckt ist. Denn Law weiß: Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass alle seine Kunden auf einmal ihre Einlagen zurückfordern. Bank kann also mehr Scheine in Umlauf bringen, als sie Münzen aus dem Verkehr zieht. Sie schöpft Geld. Ein wachsender Teil davon geht als Kredit an Privatpersonen und den Staat.

Mit dem Erfolg seiner Idee erwirbt Law sich den Ruf eines guten und erfolgreichen Bankfachmanns. Schon bald unterstützt ihn der Herzog und verfügt, dass alle Steuern künftig mit Laws Banknoten zu bezahlen sind. Die werden damit zum gängigen Zahlungsmittel – und das Institut praktisch zu einer Zentralbank. Später kauft sie der Regent, die Bank heißt von da an Banque Royale.

Die Superstaats-AG

Wäre es nur dabei geblieben. Man würde Law heute noch als einen der Pioniere des modernen Kreditwesens rühmen. Er hat zwar das Papiergeld so wenig erfunden wie das durch nichts als Vertrauen gedeckte „Fiat Money“ – aber deren Möglichkeiten erkennt und nutzt er wie niemand zuvor.

Sein Ehrgeiz jedoch geht damals sehr viel weiter: Er will in einem zweiten Schritt die gesamte Staatswirtschaft umbauen, um mit seinem System das ganz große Rad zu drehen. 1717 gründet Law die „Compagnie d’Occident“, ein Handelshaus, bald bekannt als Mississippi-Kompanie. Sie hat die Nutzungsrechte für das „Ludwigsland“ Louisiana – ein Territorium, das nicht nur den heutigen US-Staat dieses Namens umfasst, sondern das gesamte Gebiet des Mississippi und seiner Zuflüsse. Eine gigantische, aber völlig unerschlossene neue Welt, in der nur wenige Hundert Europäer leben.

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Law investiert in Schiffe und Expeditionen und lässt – mit Grüßen an den Herzog – die Stadt La Nouvelle-Orléans errichten, das heutige New Orleans. Er übernimmt auch Schritt für Schritt all die anderen Gesellschaften, die ihr Geld mit Überseemonopolen und der damals üblichen Steuerpacht verdienen. Als private Steuereintreiber garantieren sie dem König ein bestimmtes Jahresaufkommen, etwa aus der Tabaksteuer; was sie darüber hinaus kassieren, bleibt ihnen als Gewinn.

Die Vision des Konzernschmieds ist eine Art Super-Staats-AG. Wer deren Aktien erwirbt, soll gleichsam Miteigentümer der Volkswirtschaft werden und von den Schätzen profitieren, die in der Welt locken: Gold, Tabak, Gewürze oder Pelze. Nordamerika ist nicht genug, Laws Kompanie heißt nach all den Zukäufen bald offiziell „Compagnie des Indes“ – Gesellschaft der beiden Indien, West und Ost. Sie macht Geschäfte in allen französischen Kolonien. Die Fantasie der Anleger aber beflügelt am meisten: das Land am Mississippi.

Die ersten Mississippi-Aktien konnten nur mit alten Staatsanleihen bezahlt werden, sodass der Konzern auch Gläubiger der Krone wurde. Im Juni 1719 aber sammelt die Kompanie zum ersten Mal neues Kapital – und infiziert Paris mit dem Börsenfieber. Eine Aktie kostet 550 Livre, doch die Kurse steigen rasch. Law sorgt mit Geschick und Tricks dafür, dass sie bei jeder neu emittierten Tranche weiter in die Höhe schießen. Mit dem frischen Mississippi-Geld kauft er Ende August die Staatsschulden auf und gibt der Krone billigen Kredit. Es ist ein phänomenaler Coup: Frankreichs Staatsverschuldung wird auf einen Schlag entschärft.

Die Aktionäre sind verzückt, denn das Papier geht nun erst richtig ab: 5000, 7000, über 9000 Livre erreicht der Kurs im Laufe des Herbsts. Rund um die enge Rue Quincampoix, wo auf offener Straße gehandelt wird, tobt die nackte, hysterische Gier. Die tollsten Geschichten machen die Runde: vom Männlein, das reich wird, weil es den Spekulanten seinen Buckel als Schreibtisch vermietet; von der Dame, die vor Laws Füßen einen Kutschenunfall inszeniert, nur um den Mann mit den Aktien sprechen zu können. Als sie den Trick gesteht, trägt Law sie schmunzelnd in seine Liste der nächsten Zeichner ein. In der Spitze steigt der Kurs auf über 10.000 Livre, und im Februar 1720 übernimmt die Super-Kompanie die Banque Royale.

Panik und Tote

Laws „System“ aber hat sich im Winter einen todbringenden Virus eingefangen: Misstrauen. Alle Versuche des Meisters, wieder Ruhe zu erzwingen, beschleunigen ab jetzt den Kollaps.

In Paris spricht sich herum, dass Louisiana doch kein Eldorado ist, sondern ein übler Sumpf, in dem kaum etwas vorangeht. Kein Gold im Boden, höchstens schwarzer, wertloser Schmodder – mit Erdöl lässt sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts nicht viel anfangen. Weil in Paris jede Kursfantasie ausgereizt ist, machen viele Aktionäre lieber Kasse. Obendrein wird klar, dass die sensationelle Hausse auch durch die Banque Royale befeuert worden ist.

Gerüchte und Warnungen, dass der Herzog von Orléans zu viel Geld drucken lasse und die Banknoten nicht mehr ausreichend durch Edelmetall gedeckt seien, kursieren schon länger. Als ein Prinz von Conti sich drei Wagen voll Gold- und Silbermünzen auszahlen lässt, zwingt ihn der Regent, den Großteil zurück zur Bank zu bringen. Doch der Vorfall macht die Runde, die Massen flüchten immer schneller vom Papier ins Hartgeld. Und der Aktienkurs bröckelt.

Law greift zu allen Zwangsmitteln, die einem absolutistischen Regime zur Verfügung stehen: Er fixiert zeitweise den Aktienkurs, lässt die Banknoten gegenüber Gold und Silber wiederholt aufwerten, garantiert ihre Deckung – und verbietet schließlich sogar den Goldbesitz. Aber die Dekrete, die immer hektischer und widersprüchlicher werden, machen alles nur noch schlimmer. Die Aktie stürzt ab, die Inflation galoppiert, und bei der Jagd des Volkes nach Edelmetall gibt es erste Tote. Schließlich setzt sich auch der Regent politisch von Law ab. Das Spiel ist aus – die „Mississippi-Blase“ platzt.

Die Karikatur „Das Glück der Aktien“ von 1720: Der Mississippi, die Südsee und andere Verheißungen ziehen den Karren, auf dem Fortuna Aktien verstreut. Darüber pustet der Teufel Seifenblasen
Die Karikatur „Das Glück der Aktien“ von 1720: Der Mississippi, die Südsee und andere Verheißungen ziehen den Karren, auf dem Fortuna Aktien verstreut. Darüber pustet der Teufel Seifenblasen
© dpa

Die Folgen dieses Crashs erschüttern Ende 1720 halb Europa, denn die Aktienmanie hat auch andere Länder befallen. In London haben sie sich sogar Laws Trick zur Staatsentschuldung abgeschaut und eine Südsee-Kompanie an die Börse gebracht. Obendrein verkaufen dort im allgemeinen Rausch unzählige weitere Unternehmen Aktien mit den dubiosesten Verheißungen. Auch diese „South Sea Bubble“ birst. Allerdings bleibt der Schaden hier deutlich kleiner, weil die Südsee-Kompanie nicht auf die Bank of England zugreifen konnte. Die Mississippi-Aktie hat sich in der Spitze knapp verzwanzigfacht – das Südsee-Papier ist nur knapp um den Faktor zehn gestiegen.

Freihändige Geldschöpfung

Law stirbt 1729 in Venedig. Doch von seinem Finanzexperiment bleibt Frankreich noch für Jahrzehnte gezeichnet. Die Abneigung gegenüber jeder Art von Papiergeld hält sich bei den Franzosen länger als anderswo. Und die soziale Hierarchie wurde heftig durchgerüttelt. Während des Aktienfiebers hat schließlich jeder erlebt, dass Reichtum und Armut nicht auf ewig gottgegeben sind, sondern im Handumdrehen die Plätze tauschen können. Eine Erkenntnis mit gewaltiger Sprengkraft, wie sich auch in der Französischen Revolution ab 1789 erweist.

Die irre Mississippi-Hausse war nicht die erste Spekulationsblase der Geschichte. Aber sie war die erste große Aktienblase – und hatte in Laws Papiergeldsystem einen Treibsatz sondergleichen. Unter den Ökonomen gilt der Law’sche Plan heute dennoch als richtig – zumindest in Teilen. Joseph Schumpeter etwa, der Erforscher des kapitalistischen Wachstums, war beeindruckt von den analytischen Vorarbeiten des Schotten: Mit seinen Schriften gehöre er „in die erste Reihe der Geldtheoretiker“. Geld und Kredit, so zeigte sich bei ihm, sind tatsächlich das Lebenselixier jeder Wirtschaft.

Eine Politik, die dieses Elixier bewusst einsetzt und die Fesseln einer reinen Edelmetallwährung abstreift, kann die Konjunktur stabilisieren und so den Wohlstand steigern. Drastisch zeigte sich das in der Weltwirtschaftskrise nach 1929, als sich jene Länder am schnellsten erholten, die früh und radikal die Golddeckung ihrer Währung aufgaben. Die schlimmste Depression durchlitt ausgerechnet Frankreich, das einen europäischen „Goldblock“ anführte – bis auch der 1936 kollabierte.

Seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems im August 1971, als die USA die Goldbindung des Dollar endgültig aufhoben, beruht das Weltwährungssystem vollständig auf Geld, das allein durch die Autorität der Staaten gedeckt ist. Wenn heute Banken oder Volkswirtschaften taumeln, können die Notenbanker in Washington, Frankfurt oder Tokio nach Belieben Liquidität erzeugen. Länder, die – wie die Euro-Krisenstaaten – keine eigene Notenpresse zur Verfügung haben, befinden sich allerdings wieder in einer ähnlichen Situation wie zu Zeiten des Goldstandards.

Die Mississippi-Blase ist freilich auch ein dramatisches Beispiel dafür, wie diese freihändige Geldschöpfung außer Kontrolle geraten kann: Läuft zu viel Geld in einer Volkswirtschaft um, kann es Blasen werfen. Die Mischung aus billigem Kredit und blühender Fantasie hat in der Finanzgeschichte immer wieder zu Crashs geführt – etwa in der New Economy, deren Mississippi das Internet war, und in den anschließenden Immobilienspekulationen, die Amerika und Teile Europas in die große Finanzkrise rissen. Der einst gefeierte „Maestro“ Alan Greenspan gilt heute als Mitverursacher des Desasters.

Zwar war der Geldmagier John Law ein brillanter Kopf, der obendrein über sämtliche Schalthebel einer absolutistischen Weltmacht verfügte. Seine Idee aber, er könne sein „System“ notfalls per Dekret immer auf stabilem Kurs halten, erwies sich als eitle Selbsttäuschung. Von den Interessen der Politik und von der Psychologie der Massen wurde Law am Ende einfach weggespült.


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