Innovativste Unternehmen Celonis: Röntgengerät und Therapie in einem

Büroräume von Celonis in New York.
Büroräume von Celonis in New York.
© PR / Celonis
Das Münchner Software-Unternehmen Celonis gehört zu Deutschlands innovativsten Unternehmen. Es will die Schwachstellen von Geschäftsprozessen mit Hilfe von Datenanalyse beheben

Es könnte so simpel sein: Kunde bestellt Ware, Firma liefert und stellt Rechnung, Kunde bezahlt Rechnung. In Wirklichkeit geht vieles dabei schief. Die Bestellung landet in der falschen Abteilung, das Produkt ist gerade ausverkauft, bei der Rechnung schleicht sich ein Zahlendreher ein. Im besten Fall werden die Probleme schnell bemerkt und behoben, im schlimmsten Fall verzögern sich Lieferungen, Kunden springt ab, Umsätze gehen verloren.

Celonis untersucht Prozesse in Unternehmen mittels Datenanalyse auf solche Schwachstellen und versucht, diese so schnell wie möglich zu beheben. Den ersten Schritt bezeichnen IT-Fachleute als „Process Mining“, den zweiten als „Execution Management“. „Wir liefern sozusagen das Röntgengerät und zugleich die Therapie“, erklärt Remy Lazarovici, Senior Vice President bei Celonis. Ob in der Produktion, im Einkauf oder in der Buchhaltung: Die Celonis-App nutzt Informationen wie Zeitstempel an E-Mails oder Buchungseinträge und visualisiert die Vielzahl möglicher Abläufe in Diagrammen, die an einen Teller voll Spaghetti erinnern. Mithilfe Künstlicher Intelligenz schlägt das System anschließend vor, wie sich das Knäuel am effektivsten entwirren lässt.

Zu den Kunden zählen international tätige Konzerne wie die Deutsche Bank, Siemens oder BMW. Die Deutsche Telekom sparte mit Celonis 66 Mio. Euro dank günstigerer Einkäufe, weniger Doppelzahlungen und besserer Ausnutzung von Skonti. Die Lufthansa-Tochter City-Line erhöhte die Pünktlichkeit ihrer Flüge um 17 Prozent, indem sie Abläufe bei der Bodenabfertigung optimierte. Die Coronapandemie brachte Celonis weiteren Zulauf: „Unternehmen nutzen unsere Technologie unter anderem, um Lieferketten zu stabilisieren oder ihre Liquidität zu optimieren“, sagt Lazarovici.

Der Aufstieg von Celonis seit der Gründung 2011 ist erstaunlich: Aus dem Projekt einer studentischen Unternehmensberatung wurde binnen zehn Jahren das erste deutsche „Decacorn“: Seit der vierten Finanzierungsrunde im vorigen Sommer, bei dem Investoren 1 Mrd. US-Dollar einbrachten, wird der Firmenwert auf mehr als 10 Mrd. US-Dollar taxiert. Nach dem schwedischen Finanzdienstleister Klarna ist Celonis seither das zweitwertvollste Start-up Europas, das nicht an der Börse notiert ist. Mehr als 2000 Mitarbeiter sind mittlerweile für das Unternehmen tätig, viele davon ehemalige Studenten der großen Münchner Hochschulen – so wie die drei Gründer.

Wie Celonis seine Stellung als Markt- und Technologieführer verteidigen will? „Indem wir rasch die Bedürfnisse unserer Kunden erkennen und weit in die Zukunft blicken“, sagt Lazarovici. Seit Jahren arbeitet das Unternehmen mit Forschungseinrichtungen zusammen, um möglichst früh technologische Trends aufzuspüren und darauf zu reagieren.

Im Herbst wurden die Celonis Labs ins Leben gerufen, in denen ein kleines Team Ideen wie das Metaverse darauf abklopft, welche Folgen sie für künftige Geschäftsprozesse haben könnten und welche Dienste Celonis dann anbieten sollte. Das Analysehaus Gartner schätzt den weltweiten Umsatz mit Process Mining für das Jahr 2020 auf 400 Mio. Dollar, 2025 sollen es bereits mehr als 7 Mrd. Dollar sein. „Der Markt ist riesig“, sagt Lazarovici, „und wir stehen erst am Anfang.“


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