KolumneGlobale Koordination bleibt ein Wunschtraum


David Milleker ist seit 2006 Chefvolkswirt bei Union Investment, einer der größten deutschen Fondsgesellschaften. Sie gehört zur genossenschaftlichen FinanzgruppeDavid Milleker ist seit 2006 Chefvolkswirt bei Union Investment, einer der größten deutschen Fondsgesellschaften. Sie gehört zur genossenschaftlichen Finanzgruppe.


Im laufenden Jahr ist mit relativ großer Wucht die „globale Politikkoordination“ als Gesprächsthema auf die politische Bühne zurückgekehrt. Zunächst als Gerücht über ein informelles Abkommen auf dem G20-Gipfel von Shanghai im Februar und zuletzt am 28. Juni in einer Rede von Mario Draghi auf der Notenbankkonferenz in Sintra.

Die Zeit ist reif für mehr Koordination: Wir leben in einer globalisierten Welt, in der jede Handlung unmittelbare Rückwirkungen auf alle anderen hat. In der Weltwirtschaft läuft es derzeit insgesamt nicht besonders gut, für manche Länder sogar ziemlich schlecht. Dennoch haben solche Koordinationsansätze eine – vorsichtig formuliert – nicht ganz einfache Historie. Die letzten formellen Abkommen fanden in den 1980er-Jahren zwischen den G7-Staaten im Rahmen der Währungsvereinbarungen von Plaza (1985) und Louvre (1987) statt.

Danach gab es zwar immer wieder Rufe nach Koordination, beispielsweise als in den 1990er-Jahren zwischen den USA und China große Zahlungsbilanzungleichgewichte entstanden. Zu einer konkreten Umsetzung kam es aber nicht. Während der Finanzkrise 2008/09 war man sich zwar einig über ein gemeinsames expansives Vorgehen der Wirtschaftspolitik. Ob man das als Koordination bezeichnen kann, ist aber fraglich. Vielmehr war es eher davon getrieben, dass alle Beteiligten mit einer schwachen Entwicklung zu kämpfen hatten.

Bereitschaft zum Verzicht

Die Crux jeglicher Koordination lässt sich leicht darstellen: Es mag sein, dass bei einem gemeinsam abgestimmten Vorgehen der Kuchen für alle größer wird. Allerdings muss dann teilweise jeder Einzelne darauf verzichten, sofort einen höheren Anteil am Kuchen zu bekommen. Koordination setzt also einen Verzicht voraus, der durch die Hoffnung auf eine mögliche, aber unsichere Belohnung entgolten wird. Für viele, denen der „Spatz in der Hand“ lieber als die „Taube auf dem Dach“ ist, ist das natürlich nicht sonderlich attraktiv.

Zudem ergeben sich schnell Zielkonflikte zwischen einer internationalen und einer heimischen Agenda. In diesem Zusammenhang wird häufig darauf verwiesen, dass Japans Blasen-Ökonomie der 1980er-Jahre ein Nebenprodukt der oben schon genannten G7-Währungsabkommen war.

Und nicht zuletzt ergeben sich immer wieder Probleme mit dem gemeinsamen Verständnis, was die Koordination eigentlich beinhaltet. So kann man sich beispielsweise schnell darauf einigen, dass ein Währungskrieg nicht sinnvoll ist. Ob das aber im Umkehrschluss bedeutet, dass man eine Aufwertung der eigenen Währung dann einfach hinnehmen muss, dürfte nicht so klar sein. So sinnvoll Koordination in der Theorie erscheinen mag: In der Praxis erweist sie sich als verdammt schwierig.