ExklusivFC Bayern will Engagement in China ausbauen

Bayern-Stars mit Fans in Schanghai: China ist für den Club ein Schlüsselmarkt
Bayern-Stars mit Fans in Schanghai: China ist für den Club ein Schlüsselmarkt
© Ka Xiaoxi

Der FC Bayern München will sich am Aufbau weiterer Fußballschulen in China beteiligen. Für neue Projekte gebe es auf chinesischer Seite zahlreiche Interessenten, sagte der Vorstand für Internationalisierung und Strategie, Jörg Wacker, im Capital-Interview auf der Asien-Tour des Rekordmeisters. Der FC Bayern wolle die Entwicklung des chinesischen Fußballs unterstützen, sagte Wacker. „Aber natürlich wollen wir auch Geld verdienen.“ 

Bislang sind die Münchner in China bereits an zwei Ausbildungsprojekten beteiligt: an einer Fußballschule in einem deutsch-chinesischen Ökopark in der Hafenstadt Qingdao nördlich von Schanghai und einer zweiten in der Hightech-Metropole Shenzhen im Süden des Landes, die bis Ende 2019 fertig sein soll. In Shenzhen hatte der Club auch auf seiner Asienreise in Juli Station gemacht, um die Pläne mit der Stadtregierung vorzustellen. Wacker sagte, Fußballakademien könnten die Marke Bayern München „in die Auslandsmärkte transportieren“. Mit der Fußballschule in Shenzhen sei der FC Bayern dort „365 Tage sichtbar“.

Wettlauf mit anderen Clubs

Wie die Münchner sind mittlerweile auch andere Bundesligaclubs an Ausbildungsprojekten für chinesische Nachwuchsspieler und Trainer beteiligt. Dazu zählen unter anderem Werder Bremen, der Hamburger SV und Schalke 04. Auch andere große europäische Clubs wie Real Madrid und der FC Barcelona, mit denen sich der FC Bayern einen Wettlauf um die mindestens 300 Millionen chinesischen Fußballfans liefert, sind auf dem Ausbildungssektor engagiert. Real ist Partner des Nachwuchsinternats des Serienmeisters Guangzhou Evergrande, der größten Fußballschule der Welt. Der FC Barcelona hat sich mit dem Golfplatzbetreiber Mission Hills zusammengetan, um eine Akademie auf der chinesischen Insel Hainan hochzuziehen.

„Die deutschen Clubs haben lange nicht verstanden, welche Chancen China für sie und ihre Sponsoren bietet“, sagte Ex-Bundesligacoach Klaus Schlappner, der schon Anfang der 90er-Jahre als Nationaltrainer nach China ging. Dagegen hätten Engländer, Spanier und Franzosen schon früh versucht, sich mithilfe des Fußballs in die chinesische Wirtschaft einzuklinken.

Jörg Wacker verantwortet im Bayern-Vorstand die Internationalisierung
Jörg Wacker verantwortet im Bayern-Vorstand die Internationalisierung
© Ka Xiaoxi

Für die europäischen Topclubs ist der Export von Knowhow für die Ausbildung von jungen Spielern und Trainern jetzt eine zusätzliche Möglichkeit, vom derzeitigen Fußballboom in China zu profitieren – neben dem Verkauf von Fanartikeln und der Verpflichtung lokaler Sponsoren. Wie in anderen Branchen hat Staats- und Parteichef Xi Jinping seinem Land auch in der Weltsportart Nummer eins einen Platz in der Weltspitze verordnet – obwohl das Fußball-Entwicklungsland, in dem es anders als in Deutschland in der Fläche keine Clubstrukturen gibt, derzeit in der FIFA-Rangliste nur auf Platz 77 steht. Nach Xis Vorgaben soll China bis 2030 eine Fußball-Großmacht in Asien und bis 2050 Weltmeister sein.

Dafür hat Fußballfan Xi 2015 ein gigantisches Entwicklungsprogramm angeschoben, wie es wohl nur in einem Regierungssystem wie in China möglich ist. Bis 2020 sollen 70 000 neue Felder gebaut werden, 20 000 Trainingscenter entstehen und insgesamt 50 Millionen Chinesen Fußball spielen. An den Schulen ist die Sportart mittlerweile Pflichtfach.

Vorteile für den Weltmeister

Besonders gute Karten, als Partner bei Ausbildungsprojekten ins Geschäft zu kommen, hat der deutsche Profifußball. Der amtierende Weltmeister gilt mit seinem Ausbildungssystem und den Nachwuchsleistungszentren der Clubs international als Benchmark. Darüber hinaus werden die deutsch-chinesischen Fußballbeziehungen von beiden Seiten auf höchster Ebene politisch flankiert.

Im Herbst 2016 schlossen die Verbände und Ligen beider Länder ein umfangreiches Kooperationsabkommen für die Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern – in Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel und der chinesischen Vizeregierungschefin. Eine Folge der Kooperation ist, dass das chinesische U20-Nationalteam in dieser Saison in der Regionalliga Südwest antritt und dort Testspiele bestreitet – ein Novum im deutschen Fußball. Anfang Juli verfolgte Präsident Xi während eines Staatsbesuchs in Berlin gemeinsam mit Merkel ein deutsch-chinesisches Jugendfußballspiel. Bei dem Termin dabei war auch Bayern-Auslandsvorstand Wacker, der die Projekte der Münchner in China vorstellte und viele Fragen des Staatschefs beantworten musste. „Er weiß sehr wohl, wer der FC Bayern ist“, sagte Wacker.

Cover der Capital 9/2017
Die neue Capital erscheint am 24. August

Neben dem Engagement in China arbeitet Wacker daran, die Expansion des Rekordmeisters auch in anderen Regionen voranzutreiben. Nach Wackers Amtsantritt Mitte 2013 hatte sich der Club zunächst auf die Fokusmärkte USA und China konzentriert. Mit der Zentrale in München und den eigenen Büros in New York und Schanghai habe der FC Bayern nun drei „Hubs“, von denen aus sich auch andere Länder bedienen ließen, sagte Wacker. Nach Capital-Informationen hat der Rekordmeister unter anderem Kolumbien und Chile im Visier – wegen seiner Spieler James Rodriguez und Arturo Vidal, von deren Popularität in ihren Heimatländern auch der Club stärker profitieren will.

Die ganze Reportage über den Businesstrip der Bayern nach Asien und den Fußballboom in China lesen Sie ab dem 24. August in der neuen Capital. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon