JahresbilanzEtikettenschwindel bei der Commerzbank

Commerzbank-Chef Martin Zielke: Die Laune ist besser als die Lage seines Instituts
Commerzbank-Chef Martin Zielke: Die Laune ist besser als die Lage seines Institutsdpa

Als Commerzbank-Chef Martin Zielke vor die Presse tritt, gibt er sich alle Mühe, sein Institut gut aussehen zu lassen hoch oben im 49. Stockwerk des Coba-Turms. Das einst vom Staat gerettete Geldhaus legt an diesem Donnerstag seine Jahreszahlen für 2018 vor: Die Commerzbank erzielt einen Gewinn von mehr als 850 Mio. Euro, also mehr als doppelt so viel wie die Deutsche Bank. Ist jetzt alles prima bei Deutschlands zweitwichtigstem Geldhaus – und ist die Commerzbank womöglich die bessere deutsche Bank?

Die Commerzbank selbst deutet ihr Ergebnis als Zeichen einer Zeitenwende: Es geht voran, das soll die Botschaft sein, der Umbau des Geldhauses klappt. „Mein Fazit ist bisher ganz klar: Unsere Strategie funktioniert“, sagt Zielke. „Wir wachsen bei Kunden und Assets, wir steigern die Erträge und haben dabei die Kosten im Griff“. Leider ist das nur die halbe Wahrheit, vielmehr kassiert die Commerzbank gerade ihre eigenen Ziele. Die Situation lässt sich mit den Worten beschreiben: Alles prima – aber leider verdienen wir trotzdem nicht richtig Geld. Capital stellt vier Thesen auf, die die Lage der Commerzbank beschreiben.

#1: Die Zahlen sind nur auf den ersten Blick gut

Die Commerzbank hat 2018 von zwei Effekten profitiert, die sich in diesem Jahr so wohl nicht wiederholen lassen. Erstens: Das Institut konnte seine Risikovorsorge massiv senken, also die Rückstellungen für Kredite. Betrug sie 2017 noch mehr als 780 Mio. Euro, sind es 2018 nur noch gut 450 Mio. Euro, das ist ein beachtlicher Rückgang um fast 45 Prozent.

2019 wird die Risikovorsorge auf mindestens 550 Mio. Euro ansteigen – das hat die Commerzbank bereits angekündigt. Der Grund dafür ist die sich eintrübende Konjunktur, die zumindest das ein oder andere Unternehmen 2019 in Schwierigkeiten bringen dürfte, dem die Commerzbank Geld geliehen hat. Trübt sich die Konjunktur aber weiter ein, könnte die Risikovorsorge weit stärker ansteigen – und die Gewinne der Bank weit härter treffen. Mit anderen Worten: Nach zehn Jahren Aufschwung könnten die besten Zeiten für Banken jetzt vorbei sein.

Der zweite Effekt ist: Die Commerzbank profitiert – so kontraintuitiv es auch klingen mag – von ihren Altlasten. Wie viele andere Banken auch, hat das gelbe Geldhaus seine hochriskanten Kredite und Problemfälle in eine „Bad Bank“ ausgelagert, die die Altlasten abbauen und an Investoren verkaufen soll. 2017 machte diese Sparte noch ein Minus von mehr als 260 Mio. Euro, in diesem Jahr hat sie ein Plus von 34 Mio. Euro erzielt.

Das Problem: Der Gewinnsprung geht auch darauf zurück, dass die Bank den Wert ihrer Altlasten höher als vorher ansetzt. Angesichts der schwächeren Konjunktur ist zumindest fraglich, ob das Institut diesen Schritt mit den riskanten Problemfällen wiederholen kann.