Inflation Diese Konzerne geben Preissteigerungen weiter – und prahlen damit

Starbucks hat die Preise im Oktober und zum Jahreswechsel erhöht.
Starbucks hat die Preise im Oktober und zum Jahreswechsel erhöht.
© IMAGO / GocherImagery
Lieferkettenprobleme machen viele Produkte teurer. So manch ein Unternehmen reicht die Preissteigerungen direkt an die Kunden weiter

Das Inflationsgespenst ist zurück. Im Januar waren Gas, Öl, Strom und Benzin in Deutschland fast 21 Prozent teurer als vor einem Jahr. Und das war vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Deutlich teurer sind aber auch Nahrungsmittel (4,9 Prozent) und Waren des täglichen Bedarfs wie Taschentücher oder Zahnpasta (7,2 Prozent) geworden.

Das Statistische Bundesamt macht dafür Lieferengpässe verantwortlich – zum Beispiel durch geschlossene Häfen in China. Steigende Erzeugerpreise sind der andere Grund. Wenn Verpackungen wie Papier und Pappe teurer werden oder Landwirte mehr für Düngemittel bezahlen müssen, gibt die Industrie die Entwicklung an den Handel weiter und der an die Kunden.

Es gibt neben der hohen Nachfrage nach begrenzt verfügbaren Produkten aber auch noch einen dritten, vergleichsweise simplen Grund für die hohen Preise: Unternehmen erhöhen sie, weil sie können. Speziell in den USA hätten große Konzerne wie Johnson & Johnson, Kimberly-Clark und 3M ihre Preise drastisch erhöht oder auch vier Monopolisten in der Fleischherstellung, hat Finanzmarktexpertin Sandra Navidi vor Kurzem bei ntv erklärt. „Die sind so beherrschend in ihrem Markt, die haben einfach die Preissetzungsmacht.“ 

Der wahre Grund der Inflation?

In den USA ist die Inflation noch ein bisschen höher als in Europa. In Deutschland lag sie im Januar bei 4,9 Prozent, in den Vereinigten Staaten sogar bei 7,5 Prozent. Auch dort steigen die Energiepreise – getrieben natürlich durch die Russlandkrise. Aber der zweite große Posten, den die Behörde für Arbeitsmarktdaten nennt, sind die täglichen Verbrauchsgüter, die fast 12 Prozent teurer geworden sind. Und dort scheinen die gestiegenen Rohstoffpreise, wie Sandra Navidi andeutet, oft nur ein Vorwand zu sein, um die Preise erhöhen zu können.

Kimberly-Clark zum Beispiel stellt vor allem Windeln und Zellstofftaschentücher her. In Deutschland sind vermutlich die Feucht- und Taschentücher der Marke Kleenex das bekannteste Produkt. In den USA teilt sich Kimberly-Clark den Windel-Markt mit Procter & Gamble, dem Hersteller von Pampers. Diese Zweiteilung scheinen die beiden Unternehmen ausgenutzt zu haben. Vor einigen Wochen hat der frühere US-amerikanische Arbeitsminister Robert Reich im britischen „Guardian“ gefordert, dass man über den wahren Grund der Inflation reden müsse, Oligopole.

19 Milliarden Dollar für Anleger

Als Beispiel nennt er Procter & Gamble, das vergangenen April angefangen hat, seine Preise für alle möglichen Alltagswaren wie Windeln, Toilettenpapier oder Taschentücher zu erhöhen. Trotzdem haben die Kunden nicht zu den Konkurrenzprodukten von Kimberly-Clark gegriffen, denn die sind fast zur gleichen Zeit ebenfalls teurer geworden. Steigende Rohstoffkosten gefährden das Geschäft, hieß es in beiden Fällen.

Doch sechs Monate später hat Procter & Gamble für das gesamte Geschäftsjahr mehr Umsatz, bessere Margen und einen höheren Gewinn als im Jahr zuvor gemeldet. Und außerdem auch noch 19 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Aktionäre ausgeschüttet. Die Rohstoffpreise scheinen das Geschäft weniger zu belasten als behauptet. Trotzdem hat Finanzvorstand Andre Schulten weitere Preiserhöhungen für Ende Februar und April angekündigt. 

„Wir sind sehr gut in Preisgestaltung“

So ähnlich läuft es auch in anderen Bereichen, hat sich der frühere US-amerikanische Arbeitsminister Reich im „Guardian“ beschwert. Auf dem Cola-Markt zum Beispiel, wo Pepsi und Coca-Cola einen ähnlichen Paartanz vollführen wie Procter & Gamble und Kimberly-Clark: über steigende Kosten beschweren und dann trotzdem riesige Gewinne einfahren.

Und teilweise sogar noch damit prahlen, wie toll man die Preise „gestalten“ kann, ohne dass die Kundschaft wegrennt. „Wir sind sehr gut in der Preisgestaltung“, hat der Vorstandschef des Zahnpasta- und Seifenkonzerns Colgate-Palmolive im Oktober erklärt. „Egal, ob es um Wechselkurse, Rohstoff- oder Verpackungspreise geht, wir finden immer einen Weg, unsere Gewinnmargen zu stabilisieren.“

Er sei sehr zufrieden mit den Preiserhöhungen im gesamten Markt, hat Wallace noch ergänzt. Und anschließend geprahlt, dass sein Unternehmen mit der „aggressiven“ Herangehensweise in diesem Bereich führend sei.

Ähnlich klingt es auch, wenn Starbucks seine Preisgestaltung erklärt. Die Kaffeehauskette hatte ihre Preise bereits im Oktober und zum Jahreswechsel zweimal erhöht und überrascht festgestellt, dass die Nachfrage nach Venti Latte mit Vanille-Sirup oder anderen Kaffee-Ungetümen nicht gesunken, sondern im Gegenteil sogar gestiegen ist. Unternehmenschef Kevin Johnson hat deshalb schon vor wenigen Wochen weitere Erhöhungen für dieses Jahr angekündigt. Kein Problem, wenn sich die gesamte Branche, gerne auch versteckt, daran beteiligt.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf ntv.de.


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