ReportageDie Spielermacher

Cezary Kucharski spricht gerne im Plural, wenn er über seinen wichtigsten Klienten redet. „Wir haben für diesen Verein auf eine Menge Geld verzichtet“, sagt er oder: „Die Entscheidung liegt bei Borussia Dortmund. Von uns aus ist alles klar.“ Der Berater des polnischen Fußballstars Robert Lewandowski klingt dann ein wenig wie die SPD: Das Wir entscheidet.

Mitte Mai 2013 empfängt Kucharski im Warschauer Büro seiner Firma CK Sport Management. Von hier ist es nicht weit zum Parlament, wo der damals 41-jährige Ex-Fußballprofi als Abgeordneter für die liberale Bürgerplattform sitzt. Der Raum ist eingerichtet in einem kitschigen Neobarock: verschnörkelte Sessel mit türkisfarbenen Polstern, Madonnenbildchen, dazu ein riesiger Flachbildfernseher. An der Wand hängen Trikots aus Kucharskis Profikarriere und ein Original-Shirt von Lionel Messi, das er bei einer Benefizauktion ersteigert hat. Der Blackberry klingelt in einem fort.

Einmal ruft eine Frau an, die er vertraut „Iwonka“ nennt. Lewandowskis Mutter. Jeden Tag telefoniert Kucharski auch mit Robert. „Die Spieler dürfen sich nie allein fühlen.“

Wochenlang tobte damals zwischen Kucharski und dem BVB ein Transferkrieg um den Stürmer, der nach seinen Toren in der Champions League fast 40 Mio. Euro wert sein soll. Lewandowskis Vertrag lief noch bis 2014, aber er wollte unbedingt in diesem Sommer zum FC Bayern München. Fast täglich gab es neue Gerüchte, Drohungen und Vorwürfe, die anderen hielten sich nicht an Absprachen. Der Höhepunkt war erreicht, als Kucharski den Wechsel als perfekt vermeldete – obwohl es gar keine Einigung gab. Die BVB-Bosse waren empört.

„Ich verstehe nicht, dass man sich bei Borussia Dortmund jetzt aufregt. Sie haben dank Robert eine Menge Geld verdient“, sagte Kucharski. Er spannte seinen immer noch durchtrainierten Körper an und lehnte sich drohend nach vorn. „Will man ihm jetzt vorwerfen, dass er über sein eigenes Leben entscheiden will?“

Kampf um das Image

Millionengehälter, Wechselgerüchte, Provisionsgefeilsche – die Stammtische der Republik wären Kaffeekränzchen, gäbe es nicht die spektakulären Transfers von Fußballern. Da fiebern Millionen Fans mit, kochen Emotionen hoch. Es ist wohl der schönste Markt der Welt.

Auch in diesem Sommer wird in der Bundesliga, dem viertgrößten Transfermarkt der Welt, wieder besonders intensiv gedealt. Die englischen Premier-League-Clubs haben, gemästet mit den immer höheren Milliardensummen aus ihren Fernsehverträgen, auch die Ablösesummen in der Bundesliga in die Höhe getrieben. Selbst mittelmäßige Spieler kosten inzwischen viele Millionen. Auch die EM in Frankreich wird die Transferaktivitäten befeuern. Voraussichtlich werden die Bundesliga-Clubs bis zum Ablauf der Wechselfrist Ende August den Transferrekord der Vorsaison übertreffen. Im Sommer knackte die Liga erstmals die Grenze von 300 Mio. Euro.

Immer wenn die Vereine Millionen bewegen, mischen Agenten wie Kucharski mit. Ihre Macht ist rapide gewachsen, seit der Europäische Gerichtshof 1995 den internationalen Spielermarkt revolutionierte. Im Bosman-Urteil entschieden die Richter, dass Spieler nicht den Clubs gehören und nach Ablauf ihrer Vertragsdauer ablösefrei gehen können. Seither gibt es mehr Wechsel – und mehr Aufträge für die Vermittler.

Sie sind die heimlichen Spielmacher im Fußballgeschäft, einflussreiche Player auf einem Graumarkt, der nur wenige Regeln kennt – und noch weniger Regeln, die auch eingehalten werden. Der Fall Lewandowski war eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen klar wird, welche Rolle die Berater im Fußballbusiness spielen.