GastkommentarDie Deutsche Bank gehört zu einem starken deutschen Finanzplatz

Der Turm der Deutschen Bank in Frankfurt
Der Turm der Deutschen Bank in Frankfurtdpa


Harald Christ ist Mitglied des geschäftsführenden Präsidiums des Wirtschaftsforum der SPD (e.V.).


Ob es allen passt oder nicht: Das Schicksal der Deutschen Bank entscheidet auch über die Zukunft des Finanzplatzes Deutschland. Es geht um nichts weniger als um die nachhaltige finanzwirtschaftliche Begleitung internationaler Investments unserer führenden Exportwirtschaft und nicht zuletzt um die Fähigkeit Deutschlands und Europas, eigene plattformökonomische Antworten auf die Konkurrenz aus USA und China zu geben. Die Deutsche Bank ist international als systemrelevant gelistet, sie ist es selbstverständlich auch in Europa und für den Finanz- und Wirtschaftsstandort Deutschland.

Wir neigen in unserem Land dazu, unreflektiert und folgenvergessen unsere stärksten Player schlecht zu reden. Ja, die Deutsche Bank hat leider dazu beigetragen, dass Banken-Bashing heute zum guten Ton in der ökonomischen und politischen Debatte gehört. Sie war Teil und nicht Lösung der „Subprime-Krise“. Sie hat ein Image-Problem kultiviert, das auf einer einseitigen spekulativen Investment-Banking-Strategie des Hauses beruhte. Das einst starke Profil einer großen Universalbank, Kernbestandteil des „Modell Deutschland“, wurde Preis gegeben, das Privatkundengeschäft reduziert, die Begleitung von nachhaltigen Industriefinanzierungen, aber auch Innovation und Digitalisierung vernachlässigt.

Aber gerade jetzt, wo nach erkennbarer Sanierungsleistung der vergangenen Jahre mutige Schritte in die richtige Richtung gewagt werden, überziehen manche Kommentare das Institut mit Häme und Fundamentalkritik, wo in den USA und in Asien längst wieder altbekannte globale Giganten den Ton angeben bei den Banken. Wollen wir uns wirklich diesen Ländern ausliefern und unsere Finanzinstitute so lange zerreden, bis sie irgendwann vielleicht übernommen worden sind? Es gibt viele Akteure, die ein Interesse an schwachen deutschen Banken haben, das sollte man wissen.

Die Deutsche Bank hat mitten in der Finanzmarktkrise die Postbank saniert und wieder erfolgreich gemacht. Dabei ist sie massive Risiken eingegangen. Sie hat Sal Oppenheim übernommen und den Finanzplatz vor einem Kollaps dieser Bank bewahrt, auch die BHF-Bank wurde übernommen und in eine neue Zukunft begleitet.

Wir brauchen starke deutsche Banken und wir brauchen eine starke Deutsche Bank. Denn der Brexit wirft seine Schatten voraus, sämtliche in London agierenden Banken drohen ihren EU-Pass zu verlieren und müssen sich für innereuropäische Geschäfte umorientieren. Nur ein attraktiver und stabiler Finanzplatz Frankfurt hat ernsthaft Chancen, den Banken in London ein gesundes Wettbewerbsumfeld zu schaffen, wo sie sich ansiedeln wollen. Wir müssen uns selbstbewusst und ernsthaft darum kümmern, dass Frankfurt der neue Banker Europas wird. Und die Deutsche Bank gehört zu einem starken Finanzplatz Frankfurt dazu.

Auch die Politik ist hier in der Pflicht: Denn unser Mittelstand und unsere Wirtschaft sind Rückgrat für Innovation und Expansion. Deshalb muss zuvorderst die Bundesregierung Rahmenbedingungen schaffen, die die Voraussetzungen für eine starke deutsche Finanzindustrie und gegen die Konkurrenz aus Nordamerika und Asien gewährleisten. Nachdem wir das Rennen um die EBA gegen Frankreich verloren haben, muss Frankfurt nun das Rennen gegen Paris beim Euroclearing gewinnen. Fast alle der Euro-denominierten Zinsderivate werden noch in London gecleart. Nach dem Brexit wird somit ein für den Euro höchst systemrelevantes Clearinghaus außerhalb der EU-27 bestehen, ohne über effektive aufsichtsrechtliche Eingriffsmöglichkeiten zu verfügen. Schlimmstenfalls würden sogar deutsche Steuergelder eingesetzt, um das Clearinghaus in London zu stabilisieren. Hier muss das Prinzip gelten, dass Risiko- und Haftungsverantwortung verbunden sind. Eine Entscheidung gegen Frankfurt wäre für die europäische Finanzstabilität ein falsches Signal und im Zuge der Folgen des Brexit eine vertane Chance für Europa.

Für einen wettbewerbsfähigen Finanzplatz Deutschland muss auch die bisherige Regulatorik im internationalen Kontext einer Revision unterzogen werden. Diese darf kein Selbstzweck werden, der am Ende als Wettbewerbsnachteil unsere Institute belastet, statt Verbraucher zu schützen. Wir dürfen nicht den Fehler machen, dass unsere Finanzindustrie in angelsächsische Hände fällt.

In der Geschichte der Bundesrepublik hatte die Deutsche Bank eine wechselvolle Rolle, aber stets wichtige Bedeutung. Die Verantwortung der Vorstände ist es, das Haus wieder an die positiven Traditionen heranzuführen.

Christian Sewing, neuer Chef an der Spitze der Deutschen Bank und ein bodenständiges Eigengewächs des Finanzinstituts, der sein Unternehmen kennt wie seine Westentasche, hat recht, wenn er auf einen engen Dialog zwischen Politik und Wirtschaft setzt und einheitliche Wettbewerbsbedingungen für alle Finanzdienstleister fordert.

Die Sanierung der Bank geht weiter voran, Kosteneffizienz und Konkurrenzfähigkeit auf den internationalen Kompetenzfeldern gehören elementar dazu. Im Bereich Digitalisierung hat sich die Deutsche Bank im Geiste kluger Kooperation mit anderen nationalen Platzhirschen zu einer Dienstleistungs- und Datenallianz zusammengeschlossen, um mit vereinter Kraft gegenüber den tonangebenden Tech-Giganten aufzuholen. Das Ziel: Den digitalisierten Kunden besser erreichen und die Payment-Services der Zukunft mitgestalten.

Wichtiges Signal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist auch, dass betriebsbedingte Kündigungen im Bereich der Privat- und Firmenkundenbank bis 2021 ausgeschlossen bleiben. Das sorgt für die unverzichtbare Unterstützung und Motivation.

Christian Sewing übernimmt in einer für sein Unternehmen so wichtigen Phase Verantwortung, das verdient Anerkennung. Er zeigt bereits Führung in die richtige Richtung und ich bin sicher, dass mit ihm die Zukunft der Deutschen Bank positiv gestaltet wird. Dazu bedarf es aber eben auch die richtige Weichenstellung der Politik. Denn unser Mittelstand und Deutschland als Exportweltmeister brauchen einen starken Global Player als international wettbewerbsfähigen Partner.