FührungskriseDie 5 Baustellen der Commerzbank

Nachfolger gesucht: Commerzbank-Chef Zielke und Aufsichtratschef Schmittmann hinterlassen ein Institut in der Kriseimago images / sepp spiegl

Im Aufsichtsrat der Commerzbank dürfte es am Mittwoch erheblichen Gesprächsbedarf geben. Zwar sind die Strukturprobleme des Instituts und die miese Entwicklung der Aktie nichts Neues, doch sie wurden auch von diesem Gremium lange Zeit ausgesessen. Für Gesprächsstoff wird in der Sitzung sicherlich auch die Rolle als Kreditgeber des Pleite-Unternehmens Wirecard sorgen. Doch das eigentliche Thema der Sitzung steht erst seit Freitagabend fest, als die Commerzbank den Abgang ihres Spitzenpersonals verkündete.

Vorstandschef Martin Zielke bietet dem Aufsichtsrat eine einvernehmliche Aufhebung seines Vertrages an und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann will schon im August aufhören. Die Aufgabe der beiden Spitzenleute zeigte eindrücklich, dass ein „Weiter so“ im 150. Jahr des Bestehens nicht mehr möglich ist. Wie es mit der Commerzbank strategisch weiter geht, das wird nicht nur Aktionäre interessieren, sondern hat auch Bedeutung für die gesamte deutsche Volkswirtschaft, ist das Frankfurter Haus doch einer der wichtigsten Kreditgeber der Unternehmen hierzulande. Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre werden deshalb in den kommenden Monaten genau darauf achten, wie die Commerzbank die fünf vor ihr liegenden Aufgaben löst.

#1 Spitzenpersonal für Perspektiven

Stefan Schmittmann hat die letztlich gescheiterte Strategie des abtretenden Vorstandschefs Zielke mitgetragen. Sein Rücktritt ist daher nicht nur konsequent, sondern auch vorbildlich für andere Unternehmen. Nachdem einige schnell ins Rennen geworfene Kandidaten für den Vorsitz abgesagt haben, sollte der Aufsichtsrat die Chance nutzen, sich Gedanken zu machen, wie es langfristig weitergehen soll mit der ertragsschwachen Bank. Ein Anforderungsprofil zu erstellen und einen Headhunter anzusetzen, wäre überzeugender als eine rasche Nachbesetzung.

Statt in Hektik zu verfallen, können die Geschäfte über den Sommer auch von Aufsichtsratsvizechef Uwe Tschäge besorgt werden. Dass ein Betriebsrat – in diesem Fall übrigens ein gelernter Banker – den Aufsichtsrat führt, mag Erzkapitalisten erschrecken, es gibt aber Beispiele dafür, dass dies reibungslos funktioniert. Strategische Weichenstellung stehen in den nächsten Wochen ohnehin nicht an.

Dafür muss erst die zweite Aufgabe erfüllt werden, nämlich den CEO-Posten neu zu besetzen. Zwei Namen kreisen hier bereits durch die Öffentlichkeit, nämlich Firmenkunden-Vorstand Roland Boekhout (als Favorit) und Finanzchefin Bettina Orlopp. Beide wären schnelle interne Lösungen, aber auch hier kann sich Geduld am Ende auszahlen. Der Aufsichtsrat und wichtige Investoren sollten eine Vorstellung davon entwickeln, wo es mit dem Institut hingehen soll und dafür einen geeigneten Chef oder eine geeignete Chefin finden. Denn im Alltagsgeschäft wie auch gegenüber Investoren und der Öffentlichkeit steht der/die CEO für die Umsetzung einer Strategie ein. Und ja, eine Frau an der Spitze kann ein Zeichen dafür sein, Dinge künftig anders anpacken zu wollen. Denn es gilt:

#2 Kostensenkung ist keine Strategie

Massenentlassungen und Filialschließungen werden wohl kommen, doch so notwendig das erscheint, um die Bank dauerhaft zu erhalten, eine Strategie ist es noch nicht. Dazu gehört eine Antwort auf die Fragen: Welche Kunden will die Commerzbank in welchen Regionen mit welchen Produkten bedienen? Und wie kann das von den Aktionären bereitgestellte Kapital am effizientesten genutzt werden? Das Konstrukt aus einer Unternehmerbank, einer digitalen Privatkundenbank und einer irgendwie unverkäuflichen Tochter in Polen kann dafür der Ausgangspunkt sein. Mehr aber auch nicht. Denn jedes der drei Segmente steht unter Druck, von nach Deutschland drängenden Auslandsbanken wie auch von technologisch getriebenen Neobanken. Und auch der polnische Bankenmarkt ist wettbewerbsintensiv, er steht zudem unter Druck durch die nationalistische Regierung in Warschau. Eine neue Strategie wird auf diese Herausforderungen Antworten geben müssen. Dazu gehört auch: