KolumneDeutsche Konzerne in Trumps Fadenkreuz

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Die Verhaftung der Huawei-Finanzchefin Meng Wangzhou löste in der letzten Woche ein kleines Beben an den Börsen in aller Welt aus. Man kann alles Mögliche in diese spektakuläre Festnahme hineindeuten – vom Hass der Amerikaner auf einen erfolgreichen Wettbewerber bis zum kommenden großen Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China. Aber man sollte dabei auch den unmittelbaren Anlass der ganzen Aktion nicht vergessen: Die Huawei-Spitze dachte, sie könnte sich über die amerikanischen Sanktionen gegen den Iran hinwegsetzen – nun muss die Tochter des Konzerngründers bitter für diesen gefährlichen Irrtum büßen.

Die Administration des amerikanischen Präsidenten setzt Wirtschaftssanktionen mit einer Brutalität durch wie seit 60 Jahren nicht mehr, als die USA während des Koreakriegs eine Blockade gegen China verhängt hatten. Und die Amerikaner ignorieren dabei die Rechtssysteme anderer Länder – egal ob in Asien oder Westeuropa. Man könnte von einem Neo-Imperialismus sprechen, wenn der Begriff nicht politisch einseitig besetzt wäre. Gegen Nordkorea, gegen den Iran, gegen Russland gelten inzwischen sehr viele Sanktionen, die Geschäfte zunehmend schwer oder sogar unmöglich machen. Niemand kann sich den amerikanischen Auflagen entziehen, weil Trump mit der stärksten Waffe überhaupt droht: Wer sich nicht fügt, dem entziehen die USA nicht nur den Zugang zu ihrem Markt, sondern vor allem zu ihrem Dollar-Finanzsystem. Kein noch so mächtiger Konzern in China oder Westeuropa kann es sich deshalb leisten, sich ernsthaft mit den Amerikanern anzulegen.

Drohungen ernst nehmen

Die deutschen Konzerne lernen es in diesen Wochen auf die harte Weise. Das gilt nicht nur für die Autohersteller, die in der letzten Woche in Washington bußfertig vorsprachen, um Zölle auf ihre Autos zu verhindern. Sehr große Gefahr droht vor allem einem Lieblingsprojekt der deutschen Energiewirtschaft: der deutsch-russischen Gaspipeline Nordstream II. Trump forderte bereits mehrfach einen Baustopp für die halbfertige Trasse durch die Ostsee. Und sein Sicherheitsberater John Bolton verkündete zuletzt, die US-Regierung überprüfe „mehrere Optionen“, was man gegen das Projekt tun könne.

Die deutschen Konzerne, die eng mit Nordstream II verbandelt sind, sollten die Drohungen aus Washington sehr ernst nehmen. Für einen Superfalken wie Bolton geht es bei der Pipeline um eine ganz grundsätzliche sicherheitspolitische Frage. Die Deutschen sollen sich der Führung der USA unterordnen, wenn es um die Strategie gegen Russland und China geht. Außerdem wäre ein Verzicht auf Nordstream II auch noch ein Sieg für Trumps America-First-Politik. Europa soll gefälligst amerikanisches Flüssiggas importieren statt sich noch weiter von Lieferungen aus Russland abhängig zu machen.

Über die richtige geopolitische Strategie kann Europa natürlich trefflich mit den USA streiten. Noch zeigen unsere Politiker nach außen keine Neigung einzuknicken. Aber die deutschen Konzerne sollten sich dadurch nicht in Sicherheit wiegen lassen: Am Ende werden die Amerikaner einseitig handeln gegen Nordstream II – und den deutschen Unternehmen wahrscheinlich keine andere Wahl lassen.