Beste DigilabsDeutsche Bahn will nicht Facebook sein

Regionalzug der Deutschen Bahn mit digitalen Angeboten Deutsche Bahn


Stefan Stroh ist seit April 2017 Chief Digital Officer der Deutschen Bahn. Der IT-Experte war zuvor bei diversen Unternehmensberatungen


Capital: Herr Stroh, das Geschäftsmodell der Bahn ist bedroht. Sie müssen verhindern, dass Sie nur die Hardware, also Züge und Gleise, bereitstellen, während der Kundenkontakt anderen Mobilitätsplattformen zugutekommt. Wie wollen Sie sich dagegen wehren?

Ich bin sicher, dass wir das nicht allein hinbekommen werden. Wir sind kein Google oder Facebook und werden das auch nie sein. Deshalb brauchen wir ein anderes Modell.

Stefan Stroh ist seit April 2017 Chief Digital Officer der Deutschen Bahn.
Stefan Stroh ist seit April 2017 Chief Digital Officer der Deutschen Bahn.

Es geht also um Kooperationen?

Genau. Eine Interessengemeinschaft. Die Frage ist: Was ist Plattform-Mobilität eigentlich? Für den täglichen Weg zur Arbeit nutzen die Leute andere Plattformen als für eine Fernreise von Hamburg nach Neapel. Es geht aus unserer Sicht nicht zwingend immer um adressscharfe Haustür-zu-Haustür-Lösungen. Das ist nicht der einzige Use-Case.

Wir dachten immer, genau dieser Anwendungsfall sei das Ziel.

Es geht darum, Schnittstellen zu entwickeln. Es gibt ja unterschiedliche Reiseanlässe. Der eine ist, für die Reise von Hamburg nach Neapel Flug, Zug und Fernbus zu vergleichen und kombiniert buchen zu können. Das ermöglicht das neue Qixxit, das unter dem Dach der
DB Digital Ventures die App auf dieses Kundenbedürfnis hin neu ausgerichtet hat. Ein anderer Reiseanlass ist: Man fährt mit der Bahn von München nach Frankfurt und will für die Weiterfahrt ein Carsharing-Auto buchen. Das macht der DB Navigator. Und dann gibt es den Fall, dass Sie in Berlin-Charlottenburg sitzen und in den Wedding wollen. Für diese Wege wollen wir mit der Verkehrsbranche eine Plattform bauen, die mit den Verkehrsverbünden Kooperationen möglich macht.

Mit den bestehenden Akteuren neue Angebote schaffen

Und das wird nicht gebündelt? Müsste es nicht darum gehen, die Anwendung so einfach wie möglich zu machen?

Das machen wir ja. Ein Kunde, der heute in Berlin herumfährt, hat seine App des Verkehrsverbunds, die er auch nutzt. Warum sollte ich dem eine neue App unterschieben? Es ist doch viel sinnvoller, zusammen mit den bestehenden Akteuren am Markt andere Möglichkeiten anzubieten. Die Idee ist, das, was heute da ist, viel intelligenter zu machen. Mit einem Plug-in, das in die App hineingeht. Wir wollen den öffentlichen Verkehr flexibler und somit noch attraktiver machen. Wir bieten sozusagen die Steckverbindung.

Die meisten wollen ja vor allem pünktlichere Züge. Wie wird die Bahn durch die Digitalisierung pünktlicher?

Es fängt damit an, dass Reisende zu jeder Zeit die richtigen Informationen haben und damit auch wissen, welche Optionen es gibt. Da hilft Digitalisierung enorm. Wichtig ist aber auch die Optimierung von Prozessen. Beispiel Weichensensorik: Es hilft, vorher zu wissen, wann die Weiche ausfällt, und rechtzeitig einen Instandhaltungstrupp hinschicken zu können. Das Gleiche gilt für andere Fahrzeugkomponenten. Für den gesamten Bahnbetrieb können Sensorik und künstliche Intelligenz sehr nützlich sein.

Sie suchen in den Bahn-Labs nach solchen neuen Ideen. Aber ein betriebliches Vorschlagswesen hat es schon immer gegeben. Wo ist der Unterschied zu dem, was Sie jetzt machen?

Das ist wirklich sehr anders. Wir arbeiten zum Beispiel sehr kundenzentriert … Wäre das nicht schon immer Aufgabe eines guten Unternehmens gewesen? Das stimmt, aber wir machen das zur Conditio sine qua non. Ohne das geht es nicht. Das zweite wichtige Thema ist, sehr viel schneller zu werden auf dem Weg zum Markteintritt. Und dann gibt es einen riesigen Unterschied durch den Grad der Disruption. Wir als DB-Konzern müssen neue Technologien viel radikaler in die Geschäftsprozesse einbinden. Also: viel kundenzentrierter, viel schneller und viel disruptiver. Das kriegen Sie mit betrieblichem Vorschlagswesen nicht hin.

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