Interview"Der Weltmarkt hat die sichere Versorgung immer gewährleistet"

Manuel Frondel
Der Energieökonom Manuel Frondel erklärt, wie er das Thema "Kohle in Deutschland" bewertet.(CC BY-SA 3.0)

Prof. Frondel, in Bezug auf die Steinkohle: War die Kohlestrategie der Bundesregierung seit den 60er Jahren im Nachhinein betrachtet sinnvoll?

Die letzte Zeche wird geschlossen. Damit endet eine lange Ära der Subventionen für Steinkohle, die in den Augen nahezu aller Ökonomen wenig sinnvoll und viel zu hoch waren. Das oft vorgebrachte Argument der Versorgungssicherheit von Befürwortern der Subventionen war fadenscheinig. Der Weltmarkt hat die sichere Versorgung immer gewährleistet.

Hat bei den Subventionen nicht auch die Beschäftigung von den Menschen, die im Bergbau gearbeitet haben, eine Rolle gespielt?

Das ist das Hauptargument für die Aufrechterhaltung der Milliarden Subventionen gewesen – aber ein künstliches. Viele Beschäftigte wurden angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels händeringend in anderen Branchen gesucht. Statt Anreize für einen Branchenwechsel zu schaffen, wurden z.B. mit der Frühverrentung Anreize zum Verbleib im Bergbau geschaffen.

Sie erwähnten bereits, dass die letzte Zeche des Ruhrgebiets „Prosper Haniel“ nun geschlossen wird. Was geschieht mit den Menschen, die jetzt noch dort arbeiten?

Die Beschäftigten gehen früher oder später sanft in den Ruhestand. Es sind noch gewisse Aufräumarbeiten notwendig. Dazu wechseln sie für die nächsten fünf Jahre in eine Beschäftigungsgesellschaft, bevor sie in den Vorruhestand eintreten.

Kommen wir von der Steinkohle zur Braunkohle. Wie lange soll Braunkohle hierzulande noch gefördert werden? Gibt es einen Zeitplan?

Die Kohlekommission sollte ein Enddatum nennen, aber ist nicht wie geplant im Dezember zu einem Urteil gekommen. Aber man sollte hinterfragen, wie sinnvoll es ist, hier ein symbolisches Enddatum zu nennen. Es wäre klüger, die Entscheidung dem Markt, sprich den Zertifikatpreisen im Emissionshandel zu überlassen.

Führen Sie das bitte aus.

Die Zertifikatpreise sind deutlich gestiegen. Sie liegen momentan bei ca. 20 Euro die Tonne CO2, früher waren es gerade einmal fünf Euro. Es ist wahrscheinlich, dass der Preis mit knapper werdenden Zertifikaten ab den 2020er Jahren weiter steigt. In diesem Fall werden Kohlekraftwerke immer unrentabler und schließlich marktgetrieben abgeschaltet.

Zertifikate für CO2 waren ja eine Weile umstritten. Sie sind, wenn ich das recht verstehe, der Meinung, dass sie ihren Sinn erfüllen.

Definitiv, das war auch bei niedrigen Preisen schon der Fall. Der Emissionshandel sollte die Emissionen begrenzen. Diese Aufgabe hat er vollkommen erfüllt, es wurde nie mehr ausgestoßen als sich an Emissionszertifikaten in Umlauf befand. Der Zertifikatpreis war vielleicht anfangs zu niedrig, aber auch dieses Handicap sollte jetzt langsam überwunden sein.